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15.07.2015

14:22 Uhr

Großbritannien

London meldet steigende Arbeitslosenzahlen

Ist das britische Jobwunder vorbei? Statistiker wollen sich noch nicht festlegen. Doch erstmals seit zwei Jahren muss Großbritannien wieder steigende Arbeitslosenzahlen vermelden. Vor allem Teilzeitjobs fehlen.

In Großbritannien sind die Arbeitslosenzahlen erstmals seit zwei Jahren wieder gestiegen. dpa

Schwächelnder Arbeitsmarkt

In Großbritannien sind die Arbeitslosenzahlen erstmals seit zwei Jahren wieder gestiegen.

LondonDie Arbeitslosigkeit in Großbritannien ist erstmals seit mehr als zwei Jahren wieder gestiegen. Im Zeitraum von März bis Mai lag die Quote bei 5,6 Prozent, wie das staatliche Statistikamt ONS am Mittwoch mitteilte. Experten hatten erwartet, dass sie auf dem in den Wintermonaten zuvor erreichten Niveau von 5,5 Prozent verharren würde.

Insgesamt 30,98 Millionen Briten gingen einer Arbeit nach. Das sind 67.000 weniger als von Dezember bis Februar – hauptsächlich aus Mangel an geeigneten Teilzeitjobs. Auch jüngere Daten deuten auf eine Eintrübung hin. Die Zahl der Anträge auf Arbeitslosenhilfe stieg im Juni um 7000 und damit erstmals seit Oktober 2012.

Die Londoner Statistiker sind sich jedoch derzeit nicht sicher, ob der dreijährige Aufschwung am Jobmarkt ins Stocken geraten ist: „Um dies zu beurteilen, ist es noch zu früh.“ Gegen eine Trendumkehr spricht, dass die Arbeitnehmer deutlich höhere Lohnzahlungen durchsetzen konnten. Die durchschnittlichen Wochenarbeitslöhne inklusive Bonuszahlungen stiegen im Zeitraum von März bis Mai um 3,2 Prozent zum Vorjahr. Das ist das dickste Plus seit Frühjahr 2010.

Die Briten und Europa

Großbritannien wahrt Distanz

Die Beziehung zwischen Großbritannien und der Europäischen Union ist keine einfache. Premierminister David Cameron verstärkt das auch in seiner Rede zur Europapolitik. Schon bevor Cameron zuletzt wiederholt drohte, politische Befugnisse aus Brüssel zurück nach London zu holen, setzte die britische Regierung wiederholt Sonderregeln für die Insel durch – und steht somit immer wieder mit einem Fuß außerhalb der EU.

Der Briten-Rabatt

Da Großbritannien zwar viel in den EU-Haushalt einzahlte, aber kaum von den milliardenschweren Agrarhilfen profitierte, forderte die damalige britische Premierministerin Margaret Thatcher 1984: „I want my money back!“ - „Ich will mein Geld zurück.“

Die „Eiserne Lady“ setzte eine Rabatt-Regelung für ihr Land durch, nach der Großbritannien 66 Prozent seines Nettobeitrags an die EU zurückerhält. Der Rabatt besteht bis heute, obwohl er immer wieder den Unmut anderer EU-Länder erregt, da sie nun den britischen Anteil mittragen müssen. Doch abgeschafft werden kann die Regel nur, wenn auch London zustimmt.

Reisefreiheit

Wer von Deutschland nach Frankreich, Österreich oder in die Niederlande reist, muss dafür seinen Pass nicht vorzeigen. Großbritannien-Urlauber sollten den Ausweis jedoch dabei haben: Die Briten haben sich nicht dem Schengen-Abkommen angeschlossen, das den EU-Bürgern Reisefreiheit von Italien bis Norwegen und von Portugal bis Polen garantiert.

Fiskalpakt

In der Eurokrise ist die an ihrer Pfund-Währung festhaltende britische Insel ein gutes Stück weiter von der Kern-EU weggedriftet. Mit Sorge wurden in London die mühseligen Arbeiten an der Euro-Rettung beobachtet, zudem fürchtete die britische Regierung Folgen für den Finanzstandort London durch strengere Banken-Regulierung oder eine Finanztransaktionssteuer.

Doch wirklich für Empörung in der EU sorgte, dass sich Großbritannien vor rund einem Jahr dem Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin nicht anschloss.

Innen- und Justizzusammenarbeit

Seit der EU-Vertrag von Lissabon im Jahr 2009 in Kraft getreten ist, kann Großbritannien wählen, an welchen Gesetzen im Bereich Inneres und Justiz es sich beteiligt. Kürzlich hat die britische Regierung angekündigt, sich auch aus der gesamten Gesetzgebung des Politikfelds zu verabschieden, die bereits vor dem Lissabonvertrag verabschiedet wurde. Das betrifft rund 130 Gesetze.

Das Recht auf einen solchen „Opt Out“ genannten Ausstieg hatte sich London durch eine Sonderregelung gesichert. Im Anschluss will London für als wichtig und interessant erachtete Regelungen eine Beteiligung erneut verhandeln.

Auf diesen Zuwachs blickt auch die Notenbank mit großem Interesse, da sie sich von höheren Löhnen ein Anziehen der aus ihrer Sicht zu niedrigen Inflationsrate erwartet. Die Preise stagnierten zuletzt. Die Bank of England (BoE) strebt aber einen Wert von zwei Prozent an. Da dieses Ziel noch lange nicht erreicht ist, dürfte sie nach Einschätzung vieler Experten erst Anfang oder Mitte nächsten Jahres den historisch niedrigen Leitzins von 0,5 Prozent anheben.

Von

rtr

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