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07.05.2016

03:04 Uhr

Großbritannien

Muslim Khan gewinnt Bürgermeisterwahl von London

Klatsche ja, Desaster nicht unbedingt: Die britische Linke verliert bei den Regional- und Kommunalwahlen auf der Insel deutlich, behauptet aber einige Hochburgen. Und erstmals regiert ein Muslim eine EU-Metropole.

Die linke Labour-Partei sieht sich Verlusten gegenüber. Es wurde jedoch Schlimmeres erwartet. AFP; Files; Francois Guillot

Die Wahl der Qual

Die linke Labour-Partei sieht sich Verlusten gegenüber. Es wurde jedoch Schlimmeres erwartet.

LondonDer muslimische Labour-Politiker Sadiq Khan hat die Bürgermeisterwahl von London gewonnen. Nach der Bekanntgabe des offiziellen Wahlergebnisses am Samstag um kurz nach Mitternacht sagte Khan, sein Sieg sei der Triumph von „Hoffnung über Angst und Einheit über Teilung“.

Khan ist der Sohn eines Busfahrers aus Pakistan und ehemaliger Menschenrechtsanwalt. Er ist im Süden Londons aufgewachsen. 1,3 Millionen Londoner machten ihr Kreuz hinter seinen Namen, womit er nach Auszählung der Erst- und Zweitpräferenzen insgesamt 57 Prozent der Stimmen erhielt. Goldsmith bekam 300.000 Stimmen weniger und landete bei 43 Prozent. Damit wird erstmals eine EU-Metropole von einem Muslim regiert.

Khan hatte in Umfragen deutlich vor dem Kandidat der bislang regierenden Konservativen gelegen, Zac Goldsmith. Dieser wirbt wie der populäre scheidende Londoner Bürgermeister Boris Johnson für den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Khan ist dagegen für den Verbleib seines Landes in der Staatengemeinschaft. Am 23. Juni sollen die Briten darüber in einem Referendum entscheiden

Bei den Regional- und Kommunalwahlen in Großbritannien fallen die Verluste der angeschlagenen Labour-Partei wohl geringer aus als erwartet. Selbst im konservativ geprägten Süden des Landes konnte Labour ersten Stimmauszählungen vom Freitag zufolge einige seiner wenigen Hochburgen verteidigen. Mit Ergebnissen für die Bürgermeisterwahl in London ist erst am Freitagabend zu rechnen.

Der von Medien „Super Thursday“ getaufte Wahltag gilt als erster Test für den linken Parteichef Jeremy Corbyn, der den Labour-Vorsitz im Spätsommer vergangenen Jahres übernommen hatte. Verglichen mit den vergangenen Regional- und Kommunalwahlen in den Jahren 2011 und 2012 muss Labour voraussichtlich zwar heftige Verluste hinnehmen. Im Hinblick auf das desaströse Ergebnis der nationalen Parlamentswahl 2015 gewinnt die Arbeiterpartei aber wohl wieder etwas an Boden. Die Tories dagegen schneiden etwas schlechter ab als im vergangenen Jahr.

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In Schottland zeichnet sich ab, dass die Arbeiterpartei weiter an Boden verliert - zugunsten der Tories und der linksgerichteten schottischen Nationalpartei SNP. Die Nationalisten können damit ihre Mehrheit wohl weiter ausbauen. Bereits vor der Wahl regierten sie ohne Partner. Ob Labour seine Position als bislang zweitstärkste Kraft an die Tories verliert, ist noch ungewiss.

Fraglich ist auch, ob das Abschneiden in Schottland den Labour-Chef unter Druck bringen wird. Corbyn hatte kaum eine Rolle gespielt im schottischen Wahlkampf. „Es könnte sein, dass das Endergebnis für Jeremy Corbyn nicht ganz so schlecht aussieht“, sagte John Curtice, Politikprofessor aus Glasgow im BBC-Fernsehen. Überrascht zeigten sich Experten über starke Zuwächse bei den Konservativen in einigen Teilen Schottlands.

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Bei den Kommunalwahlen in England scheint auch die euroskeptische Partei Ukip Labour Stimmen abzujagen. Erwartet wird, dass die britischen Nationalisten erstmals in das Parlament von Wales einziehen. Ukip-Chef Nigel Farage sprach deshalb bereits von einem „Durchbruch“ für seine Partei.

40 Millionen Briten waren am Donnerstag dazu aufgerufen, Regional- und Kommunalparlamente zu wählen. Neben London stand auch in anderen Großstädten der Bürgermeister zur Wahl. Schottland, Wales und Nordirland bestimmten neue Volksvertreter. Die Auszählung der Stimmen dauerte in den frühen Morgenstunden noch an.

Von

dpa

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