Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.12.2016

15:12 Uhr

Großbritannien

Rekordzuwanderung aus EU vor Brexit-Referendum

Im Jahr vor dem Brexit-Referendum sind so viele EU-Bürger wie nie zuvor nach Großbritannien gezogen. Die meisten Einwanderer kamen aus Rumänien. Hauptmotivation war die Suche nach einem Arbeitsplatz.

Derzeit laufen die Verhandlungen zwischen EU und Großbritannien, wie der Brexit ablaufen soll. dpa

Brexit

Derzeit laufen die Verhandlungen zwischen EU und Großbritannien, wie der Brexit ablaufen soll.

LondonNoch nie sind unter dem Strich so viele Menschen aus den EU-Ländern nach Großbritannien gezogen wie in den zwölf Monaten vor dem Brexit-Referendum. Zieht man diejenigen ab, die aus dem Vereinigten Königreich wegzogen, so kletterte die Zahl der Zuwanderer aus anderen EU-Mitgliedstaaten binnen eines Jahres bis Juni auf 189.000, wie aus am Donnerstag veröffentlichten Daten der Statistikbehörde hervorgeht.

Die meisten Einwanderer lebten demnach zuvor in Rumänien, sie machten zehn Prozent aller Neuzuwanderer aus. Die Hauptmotivation sei die Suche nach Arbeit gewesen. Insgesamt betrug die Zahl der Einwanderer netto 335.000.

Großbritanniens Optionen nach dem Brexit

Zollunion

Großbritannien könnte es machen wie die Türkei und der Zollunion beitreten. Dadurch würden die Zölle wegfallen und die Handelsabkommen mit der EU behielten bestand. Andererseits wäre London aber dabei eingeschränkt, eine eigene Handelspolitik zu betreiben, da man sich an den gemeinsamen Zolltarif halten müsste. Ob dies den Briten gefallen würde, bleibt fraglich. Immerhin folgt die Brexit-Entscheidung dem Ruf nach völliger nationaler Souveränität.

Europäischer Wirtschaftsraum (EWR)

Der Europäische Wirtschaftsraum (EWR) umfasst derzeit 31 Länder. Die teilnehmenden Staaten haben gemeinsame Aufsichtsbehörden, Gerichte und Regeln. Zudem gelten die vier Binnenmarktfreiheiten beim Waren-, Personen-, Dienstleistungen- und Kapitalverkehr. Allerdings will die britische Regierung weder der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes unterliegen noch die Kontrolle über die Immigration abgeben.

Der „Schweizer Weg“

Am liebsten wäre der englischen Regierung wohl ein Modell wie der „Schweizer Weg“. So könnten für die einzelnen Wirtschaftsbereiche maßgeschneiderte Abkommen ausgehandelt werden. Die EU hat allerdings schon durchblicken lassen, eine derartige Lösung abzulehnen.

Freihandelsabkommen

Die wahrscheinlichste Option ist für die Briten wohl ein gesondert ausgehandeltes Freihandelsabkommen, wie es zwischen der Europäischen Union und Kanada (Ceta) vereinbart wurde. Damit würden die Briten ihre durch den Brexit forcierte Unabhängigkeit behalten und könnten spezielle, aber umfassende Handelsbedingungen im Gespräch mit der EU festlegen.

Eine Begrenzung der Einwanderung war einer der zentralen Beweggründe der Befürworter eines Austritts aus der Europäischen Union, für den die Briten in einem Referendum im Juni stimmten. Die regierenden Konservativen hatten versprochen, die jährliche Einwanderung auf unter 100.000 zu drücken, was aber nicht gelang. Viele EU-Bürger nutzten das in der Staatengemeinschaft geltende Prinzip der Arbeitnehmerfreizügigkeit. Bis 2013 hatte dies für Rumänen und Bulgaren nur eingeschränkt gegolten.

Wie der Brexit ablaufen soll, ist im Detail noch nicht zwischen der EU und Großbritannien geklärt. Die Arbeitnehmerfreizügigkeit ist aber einer der Knackpunkte. Sie zählt zu den Grundfreiheiten in der EU. Spitzenpolitiker haben die Regierung in London mehrfach gewarnt, dass das Land nicht mit vollem Zugang zum europäischen Binnenmarkt rechnen könne, wenn es die Grundfreiheiten nicht anerkenne.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×