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10.01.2012

20:55 Uhr

Großbritannien

Schotten streben nach Unabhängigkeit

Lange wollte es keiner wahrhaben, doch die Schotten machen ernst: Sie streben nach Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich. In London ist man nervös. Premier Cameron will nicht als Totengräber Großbritanniens dastehen.

Schottland ist der größte Erdölförderer in der EU. Das weiß auch David Cameron. dpa

Schottland ist der größte Erdölförderer in der EU. Das weiß auch David Cameron.

LondonDem Vereinigten Königreich droht ein Zacken aus der Krone zu brechen - ein gewaltiger. Schottland, seit über 300 Jahren mit England zwangsvereinigt, strebt nach Unabhängigkeit. Was in London lange Zeit als Egotrip unverbesserlicher Nationalisten unterschätzt wurde, macht jetzt die Politiker in Westminster nervös.

Sollte der britische Union Jack tatsächlich die Farbe blau verlieren? Sollten tatsächlich 20 Jahre nach der Revolution in Osteuropa auch auf den britischen Inseln neue Unabhängigkeitstendenzen Raum greifen?

Alex Salmond, Erster Minister von Schottland. AFP

Alex Salmond, Erster Minister von Schottland.

Seit die linksliberale Schottische Nationalpartei (SNP) im vergangenen Mai die Regionalwahlen klar für sich entschied und mit absoluter Mehrheit ins Regionalparlament einzog, hat auch London erkannt: Es wird ernst! Spitzenbeamte aus dem Umfeld von Premierminister David Cameron warnen schon seit Monaten.

Und die Umfragewerte in Schottland, lange Zeit eine Beruhigungspille für das Londoner Polit-Establishment, klettern langsam aber sicher in Richtung Unabhängigkeit. Seit der Wahl im Mai machten die SNP-Separatisten zwischen sechs und neun Prozentpunkte gut, inzwischen sind bis zu 38 Prozent der fünf Millionen Schotten laut Umfragen für die komplette Abspaltung von Großbritannien.

Premierminister Cameron hat die prekäre Lage erkannt - zu spät, wie viele meinen. Lanciert in verschiedenen Londoner Medien, hat er am vergangenen Wochenende versucht, das Heft in die Hand zu bekommen. Eine Volksabstimmung über die Unabhängigkeit soll bereits innerhalb der nächsten 18 Monate über die Bühne gehen, forderte er. Dann werde er das Ergebnis auch als bindend anerkennen. Schottland-Minister Michael Moore äußerte sich dann am Dienstag entsprechend im Parlament, ließ aber den Zeitrahmen bewusst offen.

Kommentare (10)

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Radiputz

10.01.2012, 22:06 Uhr

Im historischen Kontext ist die Unabhänigkeit Schottlands mehr als plausibel. Schottland wurde zwangsvereinigt und hat das Recht, sich auch wieder von England zu lösen. Die Verwandtschaft der Schotten mit den skandinavischen Länder ist eh viel enger als viele Kontinentaleuropäer vermuten.
Die Slovenen haben sich als erste aus dem jugoslavischen Staatsverbund gelöst als ihnen der Geduldsfaden riss, warum nicht auch die Schotten.
In Sachen Annäherung an Kontinentaleuropa sind die Schotten aufgeschlossener als die Britten.
Man sollte sie in ihren Bestrebungen nach Unabhänigkeit unterstützen.

Bj@rn

10.01.2012, 22:59 Uhr

"Die Verwandtschaft der Schotten mit den skandinavischen Länder ist eh viel enger als viele Kontinentaleuropäer vermuten."
Bei Orkney und Shetland bin ich voll und ganz bei Ihnen. Schottland selbst ist aber keltisch, nicht nordisch.

Ich

11.01.2012, 04:52 Uhr

Bayern strebt auch nach Unabhängigkeit, genau so wie Kreuzberg und Wedding in Berlin!
Es wird das jahrhundert der Befreiung der Völker.

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