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20.03.2013

17:00 Uhr

Großbritannien

Wachstumsprognose nach unten korrigiert

Das Vereinigte Königreich wurde von der Finanzkrise 2008 besonders hart getroffen - und es hat sich nicht erholt. Hohe Schulden und geringes Wachstum machen den politischen Spielraum extrem eng.

Der britische Finanzminister George Osborne (vorne) muss die Wachstumsprognose nach unten korrigieren. Reuters

Der britische Finanzminister George Osborne (vorne) muss die Wachstumsprognose nach unten korrigieren.

LondonGroßbritannien kommt wirtschaftlich nicht von der Stelle. Finanzminister George Osborne musste die Wachstumsprognose für das Finanzjahr 2013/14 erneut nach unten korrigieren: Osborne erwartet beim Bruttoinlandsprodukt nur noch ein Plus von 0,6 Prozent. Im Herbst hatte er noch von 1,2 Prozent Wachstum gesprochen. Vor einem Jahr kündigte er 2,0 Prozent an. Im Jahr 2012 war die britische Wirtschaft nach Zahlen des Internationalen Währungsfonds um 0,2 Prozent geschrumpft.

„Es dauert länger, als alle erhofft hatten“, räumte Osborne am Mittwoch ein, als er im Parlament seinen Haushaltsentwurf für das kommende Finanzjahr vorstellte. Die Labour-Opposition kritisierte den Finanzminister scharf. „Dies ist sein vierter Haushalt und es ist jedes Mal das Gleiche: Mehr Schulden und weniger Wachstum“, sagte Oppositionsführer Ed Miliband.

Seinem Entwurf zufolge will Osborne die Neuverschuldung erst bis 2018 auf das Maastricht-Kriterium von unter drei Prozent des Bruttoinlandsproduktes zurückführen. Im zu Ende gehenden Haushaltsjahr liegt das Haushaltsdefizit mit einer Neuverschuldung von 114 Milliarden britischen Pfund bei 7,4 Prozent. Experten zweifelten diese Zahlen an und gehen von einer Neuverschuldung von mehr als 123 Milliarden Pfund aus. Im kommenden Jahr soll das Defizit laut Osborne bei 6,8 Prozent liegen.

Großbritannien, dessen Wirtschaft stark von Finanzdienstleistungen abhängig ist, steckt seit der Finanzkrise 2008 tief in der Schuldenfalle. Die Ratingagentur Moody's entzog den Briten deshalb bereits das Toprating AAA. Osborne kündigte an, der strikte Sparkurs werde weiterverfolgt. „Wir müssen in der Spur bleiben“, sagte er.

Osborne musste am Mittwoch einen weiteren Schlag verkraften, als die staatliche Statistikbehörde ONS von Anfang November bis Ende Januar 7000 Arbeitslose mehr als im Vorquartal meldete. Großbritannien kämpft außerdem mit einer vergleichsweise hohen Inflation von 2,8 Prozent und einem stark fallenden Pfundkurs - vor allem im Vergleich zum US-Dollar aber auch zum Euro. Die Zentralbank weigert sich deshalb, erneut die Gelddruckmaschinen anzuwerfen und das Programm für Anleiheaufkäufe erneut auszuweiten. Damit wurden bisher 375 Milliarden Pfund frisches Geld in die Volkswirtschaft gepumpt.

Osborne kündigte am Mittwoch an, es solle vom nächsten Jahr an Steuererleichterungen geben. Ab April 2014 werde der Freibetrag für die Zahlung von Einkommenssteuer auf 10 000 Pfund steigen. Zudem soll es Erleichterungen für Wohnungskäufer geben. Ab 2015 sollen jährlich weitere drei Milliarden Pfund für Infrastrukturprojekte zur Verfügung stehen. Das Geld soll jedoch nicht zusätzlich ausgegeben, sondern in den Haushalten der Ministerien eingespart werden.

Von

dpa

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