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06.05.2015

14:35 Uhr

Grossbritannien wählt

„Das ist viel wichtiger als der Luftkrieg“

Plakate, Wahlkampfstände, Politiker mit Flyern – Fehlanzeige in London. An Englands Ostküste tobt dagegen kurz vor dem Urnengang der Wahlkampf. Für einige Kandidaten geht es um alles. Sogar für einen, der im Aufwind ist.

Der Parteichef der Liberaldemokraten, Nick Clegg (Mitte) und Energieminister Ed Davey verlassend den Grove Pub in London und schütteln öffentlichkeitswirksam Hände. Ihre Partei bangt um die Regierungsbeteiligung. ap

Wahlkampf am Pub

Der Parteichef der Liberaldemokraten, Nick Clegg (Mitte) und Energieminister Ed Davey verlassend den Grove Pub in London und schütteln öffentlichkeitswirksam Hände. Ihre Partei bangt um die Regierungsbeteiligung.

LondonVon der Tower Bridge an der Themse entlang, vorbei am Parlament zum Buckingham-Palast: London-Touristen, die diese Route unmittelbar vor der Unterhauswahl in Großbritannien ablaufen, sehen vom Wahlkampf – nichts. Keine Plakatwände, keine Poster an Straßenlaternen, keine Stände in Parteifarben.

In Wohngebieten wie Walthamstow im Norden oder Hackney im Osten sieht es ähnlich aus. Parteibüros sind zu. Dass am Donnerstag das wohl knappste britische Wahlkampf-Rennen seit Jahrzehnten entschieden wird, ist nicht zu sehen. Dezente Plakate fordern allgemein auf, bitte wählen zu gehen.

Das sind die Parteien in Großbritannien

Neues Parlament wird gewählt

In wenigen Tagen wird in Großbritannien ein neues Parlament gewählt. Dabei werden sich Premierminister David Cameron und der Labour-Chef Ed Miliband voraussichtlich ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Traditionell wünscht man sich einen klaren Sieger, eine Partei, die absolute Mehrheit im Unterhaus hat. Stattdessen sich alle möglichen Kombinationen denkbar. Das sind die Parteien in Großbritannien:

Die Konservativen

Weniger Arbeitslose und eine gute Konjunktur, Senkung des Haushaltsdefizits um ein Drittel – eigentlich müsste Premierminister David Cameron die Wahl entspannt angehen. Die Konservative Partei (Conservative Party) liegt derzeit bei 33 Prozent, wie aus einer Umfrage des Instituts YouGov hervorgeht. Ein Sieg könnte zu einer Niederlage für Europa werden.

Labour Partei

Im Gegensatz zu Cameron bekennt sich sein größter Herausforderer Labour Parteichef Ed Miliband klar zur EU. Die Sozialdemokraten kommen aktuell auf 34 Prozent. Sollte er bei der Unterhauswahl neuer Premierminister werden, will Miliband kein Referendum über einen Verbleib Großbritanniens in der EU abhalten.

Ukip

Die UK Independence Party ist eine EU-skeptische und rechtspopulistische Partei, deren Hauptziel der Austritt des Vereinigten Königreiches aus der EU ist. Parteivorsitzender ist Nigel Farage. Die EU-Gegner der Ukip liegen der Umfrage zufolge bei 14 Prozent.

Die Liberaldemokraten

Die Liberaldemokraten (Liberal Democrats), mit denen David Cameron bei einem Sieg koalieren würde, liegen bei acht Prozent. Vorsitzender ist Nick Clegg. Er warnte zum Beispiel vor den schwerwiegenden Folgen eines EU-Ausstiegs für die britische Wirtschaft.

Die schottischen Nationalisten (SNP)

Die schottischen Nationalisten (Scottish National Party) setzen sich für ein unabhängiges Schottland ein. Die schottische Regierungschefin, Nicola Sturgeon, wirbelt derzeit Großbritanniens Politik durcheinander. Die Partei kommt auf nur vier Prozent.

Die Grünen

Wenn es nach den Plänen der britischen Grünen (Green Party) geht, soll die Monarchie abgeschafft werden, die Mitgliedschaft in Terrororganisationen strafffrei sein und Drogen legalisiert werden. Im Wahlprogramm der Vorsitzenden Natalie Bennet geht es natürlich um den Umweltschutz. Die Grünen liegen der Umfrage zufolge bei fünf Prozent.

Andere Parteien

Außerdem stellen sich zur Wahl: die walisische Regionalpartei Plaid Cymru sowie die nordirischen Parteien Democratic Unionist Party, Social Democratic and Labour Party, Alliance Party und Unabhängige und die katholische nordirische Partei Sinn Féin. Laut der YouGov-Umfrage liegen diese Parteien insgesamt bei drei Prozent.

Ortswechsel: South Thanet an der englischen Ostküste. Hier geht die UK Independence Party (Ukip) mit ihrem Spitzenkandidaten Nigel Farage (51) nicht nur geografisch ganz weit am rechten Rand auf Stimmenfang. Ukip-Plakate hängen in zahlreichen Fenstern. In regelmäßigen Abständen fahren Wahlkampf-Busse durch die Städte. Laut Umfragen stehen Farages Chancen, den konservativen Tories Sitze im Parlament abzujagen, gar nicht schlecht.

In dieser Ecke des Königreiches, die als sozial tendenziell schwächer gilt, trifft sich der Rechtspopulist und EU-Gegner Farage in Städten wie Margate und Ramsgate mit potenziellen Wählern in Pubs und fragt Leute, die er „real people“ (echte Menschen) nennt, auf der Straße: „Werden Sie mich wählen?“

Es ist ein regelrechter Triumphzug für Farage, der seinen Sitz im EU-Parlament mit einem in Westminster tauschen und dann dafür sorgen will, dass Großbritannien aus der Europäischen Union austritt. Wenn er seinen Wahlkreis nicht gewinnt, will Farage als Ukip-Parteichef zurücktreten.

Grund für den Kontrast ist das britische Wahlsystem, das nur Politiker ins Parlament einziehen lässt, die in ihrem Wahlkreis direkt gewählt werden. Für die Labour-Kandidatin im alten Londoner Arbeiterbezirk Walthamstow bedeutet das, dass sie sich zurücklehnen kann – hier wird traditionell sozialdemokratisch gewählt. In einigen Wahlkreisen gewinne seit Queen Victorias Zeiten die selbe Partei, heißt es bei der Gesellschaft für Wahlreform. Die Ur-Ur-Großmutter der heutigen Queen starb 1901.

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