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01.07.2012

11:24 Uhr

Großdemo in Tokio

Japan fährt ersten Atommeiler wieder an

Mehr als ein Jahr nach der verheerenden Atomkatastrophe in Fukushima ist erstmals wieder ein japanisches Kernkraftwerk hochgefahren worden. Der Reaktor 3 des Meilers Ohi ging am Sonntag ans Netz. Vor den Toren des Atomkraftwerkes protestierten Dutzende Demonstranten mit Sprechchören und Tänzen gegen die Wiederinbetriebnahme des Reaktors.

Anti-Atom-Demonstranten bei ihrer Sitzblockade in Japan. dapd

Anti-Atom-Demonstranten bei ihrer Sitzblockade in Japan.

TokioRund 200 Aktivisten blockierten die Zufahrt zu dem Meiler-Gelände. "Nein zum Wiederanfahren", riefen die Demonstranten laut Medienberichten, während sie mit Trommeln ihrer Forderung Gehör zu verleihen versuchten. Bereits Samstagnacht hatten rund 650 Menschen vor der Atomanlage demonstriert. Die Bereitschaftspolizei sicherte das Atomkraftwerk im Südwesten des Landes.

Dem Betreiberkonzern Kansai Electric Power Co. zufolge soll der Meiler von Mittwoch an wieder Strom produzieren. Es ist der erste Reaktor, der wieder ans Netz gehen soll. Für Mitte Juli ist die Wiederinbetriebnahme eines weiteren Reaktors in Ohi geplant.

Nach dem Unglück im vergangenen März hatte Japan alle 50 betriebsbereiten Reaktoren für Sicherheitsüberprüfungen vom Netz genommen. Seitdem ist die öffentliche Meinung über ihre Wiederinbetriebnahme gespalten. Am Sonntag sollte zudem eine groß angelegte Demonstration in einem Park in der Hauptstadt Tokio organisiert werden, um gegen die erneute Inbetriebnahme zu protestieren und den Rücktritt des Ministerpräsidenten Yoshihiko Noda zu fordern.

Obwohl große Demonstrationen und Protestaktionen in Japan sehr selten sind, trafen sich an Freitagen regelmäßig mehrere Tausend Atomkraftgegner vor der dem Sitz des Ministerpräsidenten und skandierte Parolen wie "Nein zur nuklearen Inbetriebnahme". Die Protestbewegung wurde von den etablierten Medien lange Zeit ignoriert, gewann im ganzen Land dennoch an Zulauf, da Aktivisten neue Medienplattformen wie den Kurznachrichtendienst Twitter nutzten, um sich zu organisieren. Auch Nobelpreisträger Kenzaburo Oe oder der Komponist Ryuichi Sakamoto, der die Melodie für den Film "Der letzte Kaiser" komponierte, schlossen sich der Bewegung an.

Der Regierungschef ordnete im vergangenen Monat an, die Reaktoren drei und vier des Atomkraftwerks Ohi wieder hochzufahren. Die Regierung begründete die bevorstehende Wiederinbetriebnahme mit befürchteten Energieengpässen wegen des steigenden Strombedarfs für Klimaanlagen im Sommer. Bis zum Unglück von Fukushima hatte Japan etwa ein Drittel seines Stroms aus Atomkraft bezogen. Japans Ölverbrauch ist seitdem stark gestiegen.

Im havarierten Atomkraftwerk Fukushima-Daiichi fiel am Samstag das Kühlsystem für die verbrauchten Brennstäbe im Reaktor 4 aus, wie der Betreiber Tepco mitteilte. Am Sonntag sei ein Ersatzsystem installiert worden. Innerhalb von 70 Stunden müsse die Kühlung nun repariert werden, sonst steige die Temperatur und Strahlung trete aus, hieß es in der Mitteilung von Tepco.

Von

afp

Kommentare (10)

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Lutz

01.07.2012, 11:52 Uhr

Die Arbeitsdrohnen wachen langsam auf...

Account gelöscht!

01.07.2012, 17:13 Uhr

Wenn Japan Energie nicht geschenkt bekommt muss Japan seine Energie selber produzieren .
Recht so Japan !!!

Account gelöscht!

01.07.2012, 17:19 Uhr

Die Japaner brauchen Elektroenergie für ihre Klimaanlagen im Sommer und für ihre Heizungen im winter , sie haben weder Kohle noch gas in nennenswerten mengen , Japan ist von Gebirgen durchzogen , sie haben dort keinen Platz um die wenigen nutzbaren Flächen auch noch mit solaranlagen zuzupflastern deren Effektivität eher fragwürdig ist .
Natürlich kann Japan nur Strom durch Atomenergie gewinnen , objektiv gibt es keine andere Möglichkeit !

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