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18.02.2016

04:52 Uhr

Große Explosion in Ankara

28 Tote bei Terroranschlag auf Militärkonvoi

Bei einem Anschlag auf einen Militärkonvoi in Ankara sind mindestens 28 Menschen getötet und 61 weitere verletzt worden. Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte seine Teilnahme an einem Treffen vor dem EU-Gipfel prompt ab.

Feuerwehrleute versuchen das Feuer zu löschen, das die Explosion verursacht hat. AFP

Große Explosion in Ankara

Feuerwehrleute versuchen das Feuer zu löschen, das die Explosion verursacht hat.

Ankara/IstanbulEin mutmaßlicher Bombenanschlag auf einen Militärkonvoi in Ankara hat am Mittwoch mindestens 28 Menschen in den Tod gerissen und 61 weitere verletzt. Die Zahlen nannte der türkische Vize-Ministerpräsident Numan Kurtulmus. Die Behörden gehen davon aus, dass eine Autobombe hochging. Die Explosion ereignete sich während des Berufsverkehrs rund 300 Meter vom Hauptquartier der Streitkräfte entfernt.

Die Armee hat den Anschlag auf Soldaten in der türkischen Hauptstadt Ankara bestätigt. Ziel des „Terroranschlags“ seien mehrere Fahrzeuge gewesen, die Angehörige der Streitkräfte transportiert hätten, teilte das Militär am Mittwochabend mit. Zu der Detonation sei es gekommen, als die Fahrzeuge gegen 18.30 Uhr (Ortszeit/17.30 MEZ) an einer Ampel gehalten hätten. Es handele sich um einen „niederträchtigen und verräterischen Angriff“.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon hat den Bombenanschlag scharf verurteilt. Er hoffe, dass die Verantwortlichen rasch zur Rechenschaft gezogen würden, sagte Ban am Mittwochabend (Ortszeit) in New York. „In dieser tragischen Zeit stehen die Vereinten Nationen den Menschen und der Regierung der Türkei solidarisch zur Seite.“ Den Angehörigen der Opfer sprach Ban sein Beileid aus.

Ministerpräsident Ahmet Davutoglu sagte unterdessen eine Reise nach Brüssel ab und nahm stattdessen an einer Sicherheitssitzung mit Präsident Recep Tayyip Erdogan und anderen Regierungsvertretern teil. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, es sei eine Mediensperre verhängt worden. Diese unterbindet das Senden und Drucken von Bildern mit Toten oder Verletzten vom Tatort.

Am Ort der Explosion war dunkler Rauch zu sehen. Krankenwagen eilten heran. Der Sender NTV meldete, die mutmaßliche Bombe sei hochgegangen, als gerade ein Bus mit Militärangehörigen vorbeigefahren sei. Mehrere Autos hätten Feuer gefangen. Die Polizei erklärte der Nachrichtenagentur AP, sie habe Ermittlungen aufgenommen. Einzelheiten blieben offen. Auch war zunächst unklar, wer hinter der Tat stehen könnte.

Tödliche Anschläge in der Türkei (Chronik)

13. Mai 2016

Bei einer Sprengstoffdetonation in Diyarbakir kommen vier Menschen ums Leben. 15 werden verletzt. Die Tat wird der PKK zugeschrieben.

9. April 2016

Bei einem Bombenanschlag in Istanbul gibt es drei Verletzte. Wer hinter dem Anschlag steckt, ist unklar.

31. März 2016

Mindestens 7 Tote, rund 23 Verletzte – das sind die Opfer eines Anschlags in Diyarbakir, hinter dem die PKK vermutet wird. Bei den Opfern handelt es sich um Polizeibeamte.

19. März 2016

Bei einem Bombenanschlag in Istanbul sterben mindestens fünf Menschen, etwa 36 werden verletzt. Bei den Opfern handelt es sich um Passanten in einer Einkaufsstraße. Hinter dem Anschlag steckt vermutlich der IS.

13. März 2016

Bei einem weiteren verheerenden Autobomben-Anschlag in der türkischen Hauptstadt Ankara sind am 13. März 37 Menschen ums Leben gekommen. Kurz darauf flog die türkische Luftwaffe Angriffe auf PKK-Stellungen im Nordirak – die Regierung zufolge gehörte die Selbstmordattentäterin zu der verbotenen Partei.

Februar 2016

Am 17. Februar hat in Ankara ein Selbstmordattentäter 28 Menschen in den Tod gerissen. Inzwischen hat sich die militante Organisation Freiheitsfalken Kurdistans (TAK) – eine Splittergruppe der verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK – zu der Tat bekannt.

Januar 2016

Bei einem Anschlag im historischen Zentrum Istanbuls werden elf Deutsche getötet. Der Angreifer sprengt sich mitten in einer deutschen Reisegruppe in der Umgebung der Hagia Sophia und der Blauen Moschee in die Luft. Der Attentäter gehörte nach Angaben der türkische Regierung der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an.

September 2015

Bei einem Bombenanschlag in Igdir in der Osttürkei werden zwölf Polizeibeamte getötet. Zuvor starben bei einem Angriff der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK und Gefechten im südosttürkischen Daglica in der Provinz Hakkari 16 Soldaten.

August 2015

Bei einem Bombenanschlag und einem anschließenden Angriff auf eine Polizeiwache in der Millionenmetropole Istanbul werden mindestens vier Menschen getötet. Zwei Frauen greifen zudem das US-Konsulat an, eine wird festgenommen. Sie soll Mitglied der linksextremen Terrororganisation DHKP-C sein.

Juli 2015

Im südtürkischen Grenzort Suruc reißt ein Selbstmordattentäter 33 pro-kurdische Aktivisten mit in den Tod. Die Behörden machen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) verantwortlich, die sich allerdings nie zu der Tat bekennt.

Juni 2015

Zwei Tage vor der türkischen Parlamentswahl verüben Unbekannte in der südosttürkischen Kurden-Metropole Diyarbakir einen Sprengstoffanschlag auf eine Veranstaltung der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP. Mindestens vier Menschen sterben. Die türkische Regierung macht den IS verantwortlich.

Mai 2013

Bei der Explosion zweier Autobomben in der Grenzstadt Reyhanli werden mehr als 50 Menschen getötet. Die Regierung beschuldigt türkische Linksextremisten mit Kontakten zum Regime im benachbarten Syrien.

September 2011

Drei Menschen sterben in der türkischen Hauptstadt Ankara, als im Regierungsviertel eine Bombe explodiert. Eine Splittergruppe der PKK bekennt sich zur Tat.

Es wäre nicht das erste Mal, dass Polizei- und Militärkonvois in der Türkei ins Fadenkreuz geraten. Im Sommer griffen Aktivisten einer extremistischen Vereinigung eine Polizeistation und Einsatzfahrzeuge in Istanbul an. Im Dezember detonierte in der Nähe einer Metro-Station in der Metropole eine Bombe, die für einen kurz zuvor vorbeifahrenden Polizeikonvoi gedacht gewesen war. Im Südosten des Landes zünden PKK-Kämpfer regelmäßig Sprengsätze auf Landstraßen und treffen regelmäßig Soldatenbusse. 

Die Türkei ist nervös, weil sie in jüngster Zeit mehrfach Ziel von Terroranschlägen war. Im Januar sprengte sich ein Selbstmordattentäter in der Nähe der Blauen Moschee inmitten von Touristen in die Luft und riss zehn Deutsche mit in den Tod. In Ankara hatte es im Oktober einen verheerenden Anschlag auf eine Friedensdemonstration mit mehr als 100 Toten gegeben.

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