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18.09.2014

19:12 Uhr

Große Show in Washington

Poroschenko will von Amerika mehr als Gesten

Eine Rede vor dem Kongress, ein Termin im Weißen Haus, der ukrainische Präsident Poroschenko wird in Washington mit großen Gesten begrüßt. Doch ob er auch mit konkreter Hilfe rechnen kann, ist sehr fraglich.

Petro Poroschenko vor dem amerikanischen Kongress: Der ukrainische Präsident wünscht sich von Amerika mehr als nur große Gesten. AFP

Petro Poroschenko vor dem amerikanischen Kongress: Der ukrainische Präsident wünscht sich von Amerika mehr als nur große Gesten.

WashingtonAls der ukrainische Präsident Petro Poroschenko in das mächtige Kapitol in der US-Hauptstadt schreitet, stehen Amerikas Politiker beider Parteien von ihren Sitzen auf und applaudieren minutenlang. Auch seine Rede unterbrechen Abgeordneten und Senator vielfach mit Beifall, immer wieder, wenn er Wörter wie „Demokratie“, „Solidarität“ oder „Freiheit“ fallen lässt. Oder wenn er die „russische Aggression“ in seinem Land geißelt.

Eine größere Ehrerweisung für einen ausländischen Politiker gibt es in Washington kaum. Der gesamte Kongress versammelte sich am Donnerstag, um Poroschenkos Rede zu hören. Das passiert sonst nur, wenn besondere US-Alliierte kommen. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu etwa sprach hier 2011 oder Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) 2009. In der Amtszeit von Präsident Barack Obama gab es nur sieben vergleichbare Termine.

Es ist kein Zufall: Die Einladung an Poroschenko in die US-Hauptstadt samt der Begegnung im Weißen Haus mit Obama soll ein starkes Symbol nach Russland senden. Dem Kremlchef Wladimir Putin wollen die Amerikaner damit zeigen, dass sich seine Handlungen in der Ukraine gegen einen engen Verbündeten der Supermacht USA richten.

„Das Foto von Präsident Poroschenko, wie er im Oval Office sitzt, ist mindestens so viel Wert wie Tausend Worte - auf Englisch und auf Russisch“, sagte Obamas Sprecher Josh Earnest vor dem Besuch.

Waffen für die Ukraine?

Befürworter

Vor allem die an Russland grenzenden Baltenländer sehen die Ukraine-Krise mit großen Sorgen. Litauens Präsidentin Dalia Grybauskaite hatte sich vor dem EU-Gipfel für Waffenlieferungen an die Ukraine stark gemacht.

Gegner

Dazu dürfte es allerdings nicht kommen, weil die große Mehrheit der EU-Staats- und Regierungschefs dagegen ist. "Ich glaube nicht, dass wir durch Waffenlieferungen auch nur den Anschein erwecken sollten, dass durch eine militärische Verstärkung der ukrainischen Armee eine Lösung zu erreichen wäre", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Säbelrasseln

Die Nato demonstriert weiter Entschlossenheit bei der Verteidigung ihrer östlichen Bündnispartner. An der verstärkten Überwachung des Luftraums über dem Baltikum werden sich ab dieser Woche auch sechs "Eurofighter"-Kampfjets der Bundeswehr beteiligen. Für den Einsatz werden 170 Soldaten der Luftwaffe am Stützpunkt Ämari in Estland stationiert. Litauen, Lettland und Estland haben selbst keine ausreichenden Luftstreitkräfte.

Doch die Frage ist, was sich die Ukrainer mit dieser Symbolik am Ende kaufen können. Wesentlich wichtiger als aufmunternde Worte sind Poroschenko konkrete Zusagen. Er hofft auf militärische Hilfe aus den USA, auf Waffen für den Kampf gegen die Separatisten.

„Das ist auch Amerikas Krieg“ ruft er den Politikern zu, „lasst die Ukraine nicht in Stich“ und „Demokratien müssen sich gegenseitig unterstützen“. Er warnt davor, dass Russland auch andere Länder in Osteuropa im Visier hat. Es könne zu einem „neuen kalten Krieg“ kommen, warnt er.

Kommentare (2)

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Frau Helga Trauen

18.09.2014, 20:20 Uhr

Tja, das, was sich die Rechten in der Westukraine von diesem Abenteuer versprachen, wird nicht passieren. Die EU kann die Ukraine nicht aushalten - daran krepiert die EU. Die Amis wollen nur die Rohstoffe in der Ukraine. Bisschen "Demokratie und Freiheit" Rufe als Schubiduba - und das war's. Die Ukrainer werden völlig verarmt aufwachen... Das ist US-Geopolitik!

Herr W. Dilling

18.09.2014, 20:33 Uhr

Der gesamte Kongress versammelte sich am Donnerstag, um Poroschenkos Rede zu hören. Das passiert sonst nur, wenn besondere US-Alliierte kommen.

...wenn besondere US-Alliierte kommen (!!!)

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