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20.04.2013

01:08 Uhr

Großeinsatz in Boston

9000 gegen einen

VonNils Rüdel

Eine derart umfangreiche Fahndung hat es in den USA noch nicht gegeben: Auf der Suche nach dem zweiten mutmaßlichen Bombenleger riegelte die Polizei eine ganze Metropole ab. Doch der 19-Jährige konnte zunächst entkommen.

Boston, abgeriegelt: Transporter der State Police im Bostoner Vorort Watertown. Reuters

Boston, abgeriegelt: Transporter der State Police im Bostoner Vorort Watertown.

New YorkWer im idyllischen Bostoner Vorort Watertown lebt und an diesem Freitagnachmittag zu Hause war, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit Besuch bekommen. Polizisten klingelten in jeder Wohnung, schwer bewaffnet, weil sie auf der Suche sind nach einem jungen Mann.

Dschochar Zarnajew heißt er, ist 19 Jahre alt, und soll einer der beiden Terroristen sein, die am Montag mit ihren Sprengsätzen drei Menschen töteten und rund 180 verletzten. Sein 26 Jahre alter Bruder Tamerlan, der mutmaßliche Mittäter, war in der Nacht bei einer Schießerei mit der Polizei getötet worden.

Attentat von Boston: Die Jagd im Netz

Attentat von Boston

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Zehntausende Internet-Nutzer verfolgen die Jagd der Polizei nach den Terrorverdächtigen in Watertown.

Ab dem Morgen durchkämmten Hundertschaften von Beamten systematisch das Städtchen Watertown, in der Hoffnung, Dschochar Zarnajew schnell zu finden. Sie halten den jungen Mann für hochgefährlich, er könnte Waffen und Sprengstoff bei sich tragen. Allein: Der Verdächtige ist noch immer nicht gefasst.

Was sich am Freitag im Großraum Boston abspielt, ist ein Anti-Terror-Einsatz ohne Beispiel. Mehr als 9000 Polizisten, FBI-Agenten und Nationalgardisten hatten die Ostküsten-Metropole im Bundesstaat Massachusetts fast einen Tag lang quasi abgeriegelt.

Die Menschen wurden aufgefordert, zu Hause zu bleiben. Erst am frühen Abend verkündet der Gouverneur des US-Bundesstaates Massachusetts, die Menschen könnten „wieder in den Alltag zurückkehren“. Öffentliche Verkehrsmittel sollen den Betrieb am Abend wieder aufnehmen.

U-Bahnen, Büros, Schulen und die Universitäten Harvard und MIT blieben am Freitag geschlossen, der Luftraum nur eingeschränkt geöffnet. Und TV-Reporter wurden gebeten, ihre Live-Bilder nur mit Verzögerung zu senden, um dem Flüchtigen keinen Vorteil zu verschaffen.

Die herausgeforderte Staatsmacht bringt alles auf die Straße, was sie hat. Und die Nation ist über Fernsehen und soziale Netzwerke live zugeschaltet.

Mit diesem Szenario waren die Amerikaner am Morgen aufgewacht. Doch da war die Großjagd von Boston schon längst im Gange. Bereits in der Nacht hatten sich die Ereignisse überschlagen. Nachdem das FBI am Abend Bilder der beiden Verdächtigen veröffentlicht hatte, erreichte die Polizei gegen 22 Uhr Ortszeit ein Notruf aus dem Vorort Cambridge: Zwei Männer hatten ein 7-Eleven-Geschäft nahe der Universität Massachusetts Institute of Technology (MIT) überfallen. 20 Minuten später wurde ein paar Blocks weiter ein Beamter der Campus-Polizei, 26 Jahre alt, in seinem Dienstwagen erschossen.

Kommentare (8)

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purlizer64

19.04.2013, 21:07 Uhr

Das, DAS müsste es einmal hier in D geben! Aber hier werden Straftäter, die Passanten in U-S-Bahnen überfallen und mehr als krankenhausreif schlagen, einen Jonny K. in erschütternder Weise des Lebens berauben, die Besucher von Weihnachtsmärkten mit Zusätzen in Glühwein zu Erbrechen, Durchfall und Zusammenbruch führen, die von Passanten Handy, Geld, Uhren auf offener Straße bei Tageslicht unter der Woche abreißen, diese zusammenschlagen und flüchten, - diese Leute erhalten in Deutschland als milde Strafe die Aufnahme ihrer Personaldaten und dann eine Entlassung, schlimmstenfalls "...auf Bewährung.." Unsere Judikative ist voll im EURO-Sog, im politisch angelegten, zentralistischen Sog was auch ein Urteil zu S21 und einem Hausbesitzer zeigt. Unsere Judikative ist eine staubige Burg, hat nichts mehr mit dem Schutz der Gesellschaft zu tun - die es mittlerweile WIRKLICH NICHT MEHR gibt, wie Thatcher es 1979 bei Amtsantritt ausgerufen hat!

Gast

19.04.2013, 21:58 Uhr

Der Big Brother Staat ist also zu unfähig eine Person zu finden, einfach lächerlich. Da sieht man wieivel die Überwachungskameras, Telefon- und Internetüberwachung für die Sicherheit der Bürger bringt, nämlich nichts. Alles Geld das man besser in Schulen, Infrastruktur und ähnliches investieren könnte.
Naja nach dem Vorfall in Boston und Texas wissen die US-Bürger jetzt vielleicht einmal wie das ist, wenn eine Bombe zwischen Menschen hoch geht. Immerhin bombadiert die USA tag täglich andere Länder. Allerdings werden über die hundert Tote Zivilisten nicht berichtet die bei den Angriffen der US-Armee drauf gehen. Die Drei welche beim Marathon gestorben sind, sind ja soviel wertvoller...
Die USA braucht sich nicht wundern, das was man sät das erntet man auch.

jugger

19.04.2013, 22:07 Uhr

Ui Ui Ui, lese ich so den zweiten Kommentar, denke ich, das es hier auch Leute gibt, die Probleme haben. Nun ja, seltsame junge Leute dort in den USA. Tamerlan, das war ein recht gewalttätiger Herrscher in Zentralasien im 14.Jahrhundert. Andererseits, wer nicht dort ? Was diese Leute bewogen hat, so gewalttätig zu werden, wird zur Gänze kaum in der Presse dargestellt werden. 9000 gegen Einen ? Die Amerikaner fahren die Strategie: schnell ermittelt - stellen - wenn möglich, verurteilen. Das setzt Zeichen, die Entschlossenheit zeigt sich klar.

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