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18.11.2015

12:17 Uhr

Großeinsatz in Paris

„Ich konnte das Mündungsfeuer sehen“

VonThomas Hanke

Spezialkräfte mit Sturmhauben, Schüsse, Explosionen, Tote: Auf den Straßen des Vororts Saint-Denis im Norden von Paris spielten sich bei der Jagd nach Terrorverdächtigen bürgerkriegsähnliche Szenen ab. Ein Ortsbesuch.

Seit der Nacht ist der Pariser Vorort im Ausnahmezustand. AFP

Chaos in Saint-Denis

Seit der Nacht ist der Pariser Vorort im Ausnahmezustand.

ParisIn Saint-Dénis hat die Polizei weiträumig alles abgesperrt. Metro, RER, Tram, Bus – nichts fährt mehr. Bereits mehrere hundert Meter von dem Ort entfernt, wo sich stundenlang einer oder mehrere der vermutlichen Terroristen verschanzt hatten sollen, kommt man auch zu Fuß nicht mehr weiter. Mittlerweile hat die Polizei den Einsatz für beendet erklärt. Das Innenministerium bestätigt, dass dabei zwei Menschen getötet wurden.

„Zurück, Monsieur, gehen Sie bitte zu ihren Kollegen“, sagt ein Polizist in dicker Schutzweste. Seit dem frühen Morgen sind auch Soldaten hier stationiert, die mit großen Lastwagen herangeschafft worden sind. Junge Männer, die unsicher um sich blicken und sich an ihre automatischen Waffen klammern. Immer wieder rasen Polizeiautos und Krankenwagen vorbei.

++ Terror in Paris und die Folgen ++: Staatsanwalt: Terror-Drahtzieher wurde nicht verhaftet

++ Terror in Paris und die Folgen ++

Staatsanwalt: Terror-Drahtzieher wurde nicht verhaftet

Zwei Tote, fünf Verletzte, sieben Festnahmen – das ist die Bilanz eines Anti-Terror-Einsatzes in Saint-Denis. Geheimdienstinformationen zum Tod des Terrorplaners konnten nicht bestätigt werden. Der Tag im Newsblog.

Die Nachrichten sind völlig verwirrend. Mal ist von drei Toten die Rede, der Staatsanwalt bestätigt aber nur einen Toten. Es ist eine Frau, die sich in die Luft gesprengt habe – in einer Wohnung mitten in diesem Vorort von Paris. Nicht einmal einen Kilometer von hier haben am Freitag drei Attentäter ihre Sprenggürtel gezündet. Hat der Planer der Attentate, Abdelhamid Abaaoud, sich tatsächlich hier versteckt? Die Polizei bestätigt das nicht, selbst wenn der seit dem frühen Morgen laufende Einsatz ihm gilt. Der Staatsanwalt bestätigt allerdings fünf Festnahmen. Ein oder mehrere Terroristen waren noch in einer Wohnung Rue de la République/Ecke rue Corbillon verschanzt.

100 Meter vor der Basilika von Saint-Denis, in der die französischen Könige begraben liegen, hat sich eine ganze Barriere von Fernsehkameras aufgebaut. Lokale Bevölkerung mischt sich mit Journalisten aus allen Ländern. Vor dem Rathaus hängt ein großes Transparent, das nach den Anschlägen vom Freitag aufgehängt wurde: „Die beste Antwort auf die Barbarei ist, gemeinsam dagegen zu stehen.“

Terror in Paris

Amateurvideo von blutiger Schießerei in Saint-Denis

Terror in Paris: Amateurvideo von blutiger Schießerei in Saint-Denis

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Während die Straßen sonst menschenleer sind, sammeln sich auf dem Platz vor der Basilika kleine Gruppen. Nur wenige Personen wollen sprechen, die meisten drehen sich weg, entweder wortlos oder mit einer Bemerkung wie „Ich bin nicht von hier“.

Einer aber redet bereitwillig, er heißt Catalin Stetiu, ein 25-jähriger Rumäne. „Ich wohne genau in dem Haus, in dem die Terroristen gefunden wurden, Rue de la République 48“, sagt er. „Etwa 20 nach vier heute morgen, da ging die Schießerei los, Hunderte von Schüssen. Ich habe mich auf den Boden geworfen.“

Die Namen hinter dem Horror von Paris

Identifizierung der Attentäter

Seit den Anschlägen von Paris arbeiten die französischen und belgischen Sicherheitsbehörden an der Identifizierung der getöteten Attentäter und möglicher Unterstützer. Ein Überblick über die bisher Identifizierten. (Quelle: Reuters)

Getötet: Abdelhamid Abaaoud

Mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge von Paris. Der Belgier aus dem Brüsseler Stadtteil Molenbeek wurde eigentlich in Syrien vermutet. Am Donnerstag teilte die Staatsanwaltschaft mit, er sei bei der Razzia und anschließenden Schießerei am Mittwoch im Pariser Stadtteil Saint-Denis ums Leben gekommen. Offenbar wurde er erschossen.

Getötet: Ismail Omar Mostefai

Der Franzose mit algerischen Wurzeln war am Angriff auf die Konzerthalle Bataclan mit 89 Toten beteiligt. Mostefai lebte zeitweise in der Region von Chartres, südwestlich von Paris. Geboren wurde er in Courcouronnes im Süden der französischen Hauptstadt. Sein Name wurde von den Sicherheitsbehörden bereits 2010 auf eine Liste möglicher radikaler Islamisten gesetzt. Die türkische Regierung hat nach eigenen Angaben Frankreich im Dezember 2014 und im Juni 2015 wegen Mostefai kontaktiert, aber erst nach den Anschlägen eine offizielle Anfrage aus Frankreich erhalten.

Getötet: Samy Amimour

Der Franzose war ebenfalls am Angriff auf das Bataclan beteiligt. Er lebte in Drancy in der Nähe des nördlichen Pariser Stadtteils Saint-Denis, wo es am Mittwoch zu einer Schießerei mit einer mutmaßlichen zweiten Islamisten-Zelle kam. Amimour wurde seit Ende 2013 international gesucht. Seit Oktober 2012 wurde er von den Behörden beobachtet, weil der Verdacht bestand, er könnte sich in den Jemen absetzen.

Getötet: Fouad Mohamed Aggad

Er ist einer der drei Männer, die das Blutbad in der Konzerthalle Bataclan anrichteten. Der 23-Jährige kam aus dem französischen Straßburg und hatte vor den Anschlägen in Syrien gekämpft. Gemeinsam mit Amimour und Mostefaï hatte Aggad 89 Menschen in der Konzerthalle getötet. Als die Polizei das Gebäude stürmte, sprengte er sich in die Luft.

Getötet: Brahim Abdeslam

Der Franzose lebte in Belgien. Er sprengte sich vor dem Café Comptoir Voltaire in die Luft. Bruder des noch immer gesuchten Verdächtigen Salah Abdeslam.

Getötet: Bilal Hafdi

Einer der drei Angreifer auf das Pariser Fußballstadion Stade de France. 20 Jahre jung.

Unklar: Ahmad Al Mohammad

Bei einem weiteren Selbstmordattentäter beim Stade de France wurde ein Pass auf den Namen Ahmad Al Mohammad, 25 Jahre alt, aus dem syrischen Idlib gefunden. Die Fingerabdrücke des Mannes passen zusammen mit denen eines Flüchtlings, der unter dem Namen im Pass im Oktober 2015 in Griechenland registriert worden war. Über den dritten Selbstmordattentäter am Stade de France ist bisher nichts bekannt.

Gesucht: Salah Abdeslam

Der in Brüssel geborene Franzose wird verdächtigt, einen schwarzen VW Polo gemietet zu haben, der bei den Attacken in Paris eingesetzt wurde. Der Anwalt Xavier Carette sagte dem belgischen Sender RTBF, er sei am Sonntagmorgen von Paris nach Brüssel zurückgekehrt, nachdem er von der französischen Polizei auf dem Weg drei Mal gestoppt worden sei. Abdeslam wird auch Wochen nach dem Anschlag in Mitteleuropa vermutet.

Die Schüsse seien aus dem Haus gegenüber gekommen, und die Helfer der Attentäter hätten sich in seinem Gebäude im dritten Stock verschanzt. Er lebe im ersten. Der 25-jährige Rumäne sagt, er habe eine laute Explosion gehört. „Eine Viertelstunde lang wurde nur geschossen, tak tak tak tak, dann Magazinwechsel und dann haben sie weiter geschossen. Ich konnte das Mündungsfeuer sehen.“ Aus dem Haus gegenüber habe die Polizei geschrien: „Auf den Boden, auf den Boden.“

Kommentare (10)

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Herr Nehal Devanowitch

18.11.2015, 12:33 Uhr

Mich würd mal interessieren wenn Belgier und Franzosen die Bomben legen wieso dann syrien bombadiert wird.
Wenn schon unsere Landsleute sowas machen dann sollte man die doch bombardieren. Naja, aber als deutscher bin ich automatisch ein Nazi und muss erstmal glauben was da so alles erzählt wird. wartet nur bis in d die ersten deutschen bomben legen. Aber vielleicht sollte man dieser Bevölkerungsgruppe 1 Mio euro in die hand drücken damit sie sich besser fühlen und nicht so alleine sind, damit sie nicht auf schlimme gedanken kommen. seltsam, ich kenn keinen Nazi in den letzten Jahren der ein Konzert gesprengt hat. AUS.

Herr Marc Otto

18.11.2015, 12:35 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Gerd Kintzel

18.11.2015, 12:36 Uhr

„Ich konnte das Mündungsfeuer sehen“---- Und - was wollen Sie mir damit sagen? Wie gefährlich Sie leben vielleicht. Das hat "Bild"-Niveau.

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