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18.11.2015

11:59 Uhr

Großeinsatz in Paris

Zwei Tote bei Terroristen-Jagd in Saint-Denis

Schüsse, Explosionen, eine Frau sprengt sich in die Luft. Die Erstürmung einer Wohnung im Norden von Paris hat Frankreich stundenlang in Atem gehalten. Hat die Polizei den Drahtzieher der Pariser Anschläge gefasst?

Festnahmen in Saint-Denis

Nach Razzia: Zwei Menschen erschossen, fünf Verdächtige in Gewahrsam

Festnahmen in Saint-Denis: Nach Razzia: Zwei Menschen erschossen, fünf Verdächtige in Gewahrsam

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ParisDie Jagd auf die Verantwortlichen der Anschläge von Paris hat sich dramatisch zugespitzt: Bei der Erstürmung einer Wohnung in der Vorstadt Saint-Denis im Norden der französischen Hauptstadt sprengte sich am Mittwoch eine verdächtige Frau in die Luft, wie die Pariser Staatsanwaltschaft mitteilte. Ein Verdächtiger, dessen Identität zunächst nicht feststand, kam ebenfalls ums Leben. Drei Männer, die sich in der Wohnung verschanzt hatten, wurden nach heftigen Schusswechseln festgenommen, zwei weitere Verdächtige in der Nähe.

Die Polizei hat den Zugriff auf eine Wohnung im Norden von Paris am späten Vormittag beendet. In dem Gebäude in der Vorstadt Saint-Denis werde aus Sicherheitsgründen aber nach weiteren möglichen Verdächtigen gesucht, sagte ein Polizist.

Die Namen hinter dem Horror von Paris

Identifizierung der Attentäter

Seit den Anschlägen von Paris arbeiten die französischen und belgischen Sicherheitsbehörden an der Identifizierung der getöteten Attentäter und möglicher Unterstützer. Ein Überblick über die bisher Identifizierten. (Quelle: Reuters)

Getötet: Abdelhamid Abaaoud

Mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge von Paris. Der Belgier aus dem Brüsseler Stadtteil Molenbeek wurde eigentlich in Syrien vermutet. Am Donnerstag teilte die Staatsanwaltschaft mit, er sei bei der Razzia und anschließenden Schießerei am Mittwoch im Pariser Stadtteil Saint-Denis ums Leben gekommen. Offenbar wurde er erschossen.

Getötet: Ismail Omar Mostefai

Der Franzose mit algerischen Wurzeln war am Angriff auf die Konzerthalle Bataclan mit 89 Toten beteiligt. Mostefai lebte zeitweise in der Region von Chartres, südwestlich von Paris. Geboren wurde er in Courcouronnes im Süden der französischen Hauptstadt. Sein Name wurde von den Sicherheitsbehörden bereits 2010 auf eine Liste möglicher radikaler Islamisten gesetzt. Die türkische Regierung hat nach eigenen Angaben Frankreich im Dezember 2014 und im Juni 2015 wegen Mostefai kontaktiert, aber erst nach den Anschlägen eine offizielle Anfrage aus Frankreich erhalten.

Getötet: Samy Amimour

Der Franzose war ebenfalls am Angriff auf das Bataclan beteiligt. Er lebte in Drancy in der Nähe des nördlichen Pariser Stadtteils Saint-Denis, wo es am Mittwoch zu einer Schießerei mit einer mutmaßlichen zweiten Islamisten-Zelle kam. Amimour wurde seit Ende 2013 international gesucht. Seit Oktober 2012 wurde er von den Behörden beobachtet, weil der Verdacht bestand, er könnte sich in den Jemen absetzen.

Getötet: Fouad Mohamed Aggad

Er ist einer der drei Männer, die das Blutbad in der Konzerthalle Bataclan anrichteten. Der 23-Jährige kam aus dem französischen Straßburg und hatte vor den Anschlägen in Syrien gekämpft. Gemeinsam mit Amimour und Mostefaï hatte Aggad 89 Menschen in der Konzerthalle getötet. Als die Polizei das Gebäude stürmte, sprengte er sich in die Luft.

Getötet: Brahim Abdeslam

Der Franzose lebte in Belgien. Er sprengte sich vor dem Café Comptoir Voltaire in die Luft. Bruder des noch immer gesuchten Verdächtigen Salah Abdeslam.

Getötet: Bilal Hafdi

Einer der drei Angreifer auf das Pariser Fußballstadion Stade de France. 20 Jahre jung.

Unklar: Ahmad Al Mohammad

Bei einem weiteren Selbstmordattentäter beim Stade de France wurde ein Pass auf den Namen Ahmad Al Mohammad, 25 Jahre alt, aus dem syrischen Idlib gefunden. Die Fingerabdrücke des Mannes passen zusammen mit denen eines Flüchtlings, der unter dem Namen im Pass im Oktober 2015 in Griechenland registriert worden war. Über den dritten Selbstmordattentäter am Stade de France ist bisher nichts bekannt.

Gesucht: Salah Abdeslam

Der in Brüssel geborene Franzose wird verdächtigt, einen schwarzen VW Polo gemietet zu haben, der bei den Attacken in Paris eingesetzt wurde. Der Anwalt Xavier Carette sagte dem belgischen Sender RTBF, er sei am Sonntagmorgen von Paris nach Brüssel zurückgekehrt, nachdem er von der französischen Polizei auf dem Weg drei Mal gestoppt worden sei. Abdeslam wird auch Wochen nach dem Anschlag in Mitteleuropa vermutet.

Der Anti-Terror-Einsatz galt dem mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge von Paris, dem belgischen Dschihadisten Abdelhamid Abaaoud, wie Polizisten sagten. Unklar war aber, ob das 28-jährige Mitglied der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) sich tatsächlich in der Wohnung aufhielt. Bei dem Zugriff von Sondereinheiten der Polizei in der Wohnung habe eine Frau ihre Sprengstoffweste zur Explosion gebracht, erklärte der Pariser Staatsanwalt François Molins.

Die Identität der festgenommenen Verdächtigen sei noch unklar, teilte Molins mit. Einer der Festgenommenen gab an, er habe auf Bitte eines Freundes „zwei seiner Kumpel“ aus Belgien in seiner Wohnung untergebracht.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot angerückt, auch Beamte der Eliteeinheit Raid waren in Saint-Denis im Einsatz. Mindestens ein Hubschrauber überflog das weiträumig abgesperrte Gebiet. Auch rund 50 Soldaten waren zur Sicherung der Gegend im Einsatz, wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten. Es gab heftige Schießereien, bei denen fünf Polizisten leicht verletzt wurden, wie die Polizei am Mittwochvormittag auf Twitter mitteilte. Ein Polizeihund wurde getötet.

Der Zugriff richtete sich gegen den Islamisten Abdelhamid Abaaoud, der als Drahtzieher der Anschläge vom Freitag mit 129 Todesopfern gesucht wird. Dies berichteten mehrere französische Medien unter Berufung auf Ermittler. Der 28-Jährige ist der meistgesuchte Islamist Belgiens. Er hat marokkanische Wurzeln und lebte früher in der Brüsseler Islamistenhochburg Molenbeek, zuletzt soll er sich in Syrien aufgehalten und für die Terrormiliz Islamischer Staat gekämpft haben. Die Polizei fahndet außerdem international nach dem 26-jährigen Franzosen Salah Abdeslam, den die französischen Ermittler für einen der Attentäter halten. Außerdem könnte nach Informationen aus Ermittlerkreisen möglicherweise noch ein weiterer Terrorist entkommen sein.

Kommentare (69)

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Herr Peter Delli

18.11.2015, 09:07 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Matt Anderson

18.11.2015, 09:08 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Walter Schimpf

18.11.2015, 09:54 Uhr

Mutti hat eingeladen.
Jetzt sind sie da, die islamistischen Terroristen.

Mutti wird demnächst bocken sagen: "Mir doch egal, ob ich schuld bin, dass die islamistischen Terror-Banden im Land sind. Jetzt sind sie da....!"
und danach "...habt Euch nicht so. Mit ein bisschen Toleranz und Willkommenskultur ist das halb so schlimm. Das muss das Volk aushalten.....!"

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