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30.07.2012

15:52 Uhr

Grüne Partei gegründet

In Japan erwacht die Öko-Bewegung neu

VonMartin Kölling

Über Jahrzehnte gelang es der ökologischen Bewegung Japans nicht, ins öffentliche Bewusstsein vorzudringen. Doch inzwischen findet ein grundlegender Wandel statt - die neue grüne Partei könnte erst der Anfang sein.

Anti-Atom-Demonstranten in Tokio. Reuters

Anti-Atom-Demonstranten in Tokio.

TokioDie wachsende Anti-Atomkraftbewegung bringt Schwung in die japanische Parteienlandschaft. Am Samstagabend haben Lokalpolitiker und Bürgergruppen eine grüne Partei gegründet. Bei den nächsten Wahlen, die spätestens nächstes Jahr stattfinden werden, hoffen sie ins Parlament einzuziehen. Das Ziel ist klar: "Wir müssen die nationale Industrie und ihre Abhängigkeit von der Atomkraft verändern", fasste Hitoshi Nakayama, einer der Gründer, die Kernpunkte des Programms auf einer Pressekonferenz zusammen.

Die Gründer hoffen, mit der öffentlichen Meinung im Rücken endlich auch in Japan die Grünen etablieren zu können. Während in vielen Ländern Öko-Parteien großen politischen Einfluss erringen konnten, schlugen in Japan mehrere Gründungsversuche fehl. Zu schwach war die Bewegung. Denn zum einen haben sich die Friedens- und die Anti-Atomkraftbewegung in den 1970er-Jahren - anders als in Deutschland - nicht vereinigt. Zudem hat es das politische Establishment ab den 1980er-Jahren geschafft, den Japanern ihre Protestbereitschaft zu nehmen.

Auch die Medien spielten dabei ein große Rolle: Bewegungen, die sich gegen das Establishment richteten, wurden schlicht ignoriert. Während Bauern-Demonstrationen gegen Japans Beitritt zu Freihandelsabkommen sich regelmäßig auf Titelseiten der Zeitungen wiederfanden, schaffte es voriges Jahr die erste Anti-Atomkraft-Demonstration nach der Atomkatastrophe von Fukushima nicht einmal in die Meldungsspalten. Sogar die riesigen, seit März laufenden wöchentlichen Freitagsdemonstrationen gegen Atomkraft fanden anfangs unter dem Selbstausschluss der Medien statt. Doch durch soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook schwollen sie von 300 auf inzwischen Zigtausende Teilnehmer an.

Die Protestwelle belegt, dass sehr viele Japaner gegen den von Ministerpräsident Yoshihiko Noda durchgedrückten schnellen Neustart von Atomreaktoren sind. Im Juni gingen bereits zwei Meiler im AKW Oi wieder ans Netz - noch bevor die Untersuchungsberichte zum GAU fertiggestellt, geschweige denn diskutiert worden waren.

Doch ein Durchbruch der Grünen bleibt fraglich. Ihnen fehlen nicht nur bisher die finanziellen Mittel, mehr als zehn Kandidaten aufzustellen. Doch vor allem haben sich auch Politiker der etablierten Parteien und Reformgruppen, wie die bereits extrem erfolgreiche Bewegung von Osakas Bürgermeister Toru Hashimoto, Anti-AKW-Politik auf die Fahnen geschrieben.

In der Präfektur Yamaguchi gewann nach letzten Hochrechnungen gestern sogar der Kandidat der etablierten Parteien, Shigetaro Yamamoto, gegen den prominenten Atomkraftgegner Tetsunari Iida. Iida hatte versprochen, den Plan für den Bau eines Atomkraftwerks ganz zu streichen, Yamamoto wollte ihn nur aussetzen.

Kommentare (3)

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cosmoB

30.07.2012, 16:50 Uhr

Das wird nichts. Ich war noch in keinem anderen Land als Japan in dem sich die Menschen so wenig für Politik, die Umwelt und ihre Umgebung interessieren. Solange sie weiterhin ihren Sommer- und Winterbonus bekommen, sich ein paar Pseudostatussymbole von französischen Luxusherstellern leisten können, werden sie werden sie weder gegen das politische System noch die konservative Gesellschaft aufbegehren. Sie werden weiterhin zu Viert auf 60qm wohnen und dafür 60 Minuten einfach in die Wohnklos an der Peripherie pendeln. Was bei uns die privaten Sender im Moment erfolgreich praktizieren, sprich die Mehrheit der Bevölkerung mit Brot und Spiele und niveaulosem Mist ruhig zu halten, hat man in Japan schon vor zwanzig Jahren erreicht. Einer grünen Partei, geschweige denn einer kritischen und aufgeklärten Gesellschaft gehört daher mit Sicherheit nicht die Zukunft.

Account gelöscht!

30.07.2012, 16:58 Uhr

Ach, dass bisschen Radioaktiveverstrahlung, die sollen sich mal nicht so anstellen.

Nur weil ein paar Kubikkilometer für die nächsten Hunderttausendjahre verseucht sind und sich radioaktives Material in den Meerestieren sammelt, muss man doch nicht gleich auf umweltfreundliche und zukunftssichere Energien bauen.

Wo kämen wir denn hin, wenn das jeder machen würde? Ökoenergie zu stabilen Preisen wollen doch nur die Verbraucher.

Account gelöscht!

30.07.2012, 19:42 Uhr

die meisten Strahlenschäden wirkten sich nur unmittelbar bei der Explosion aus. Die Strahlenbelastung ist heute nicht über dem Niveau der gewöhnlichen Hintergrundstrahlung (natürliche Radioaktivität) und somit nicht höher als in anderen Gebieten der Erde.


Eine einfache Tafel weist heute noch auf den Ort des Hypozentrums hin.
Einwohnerentwicklung
Jahr Einwohner
1980 992.736
1985 1.051.748
1990 1.093.707
1995 1.117.117
2000 1.134.134
2005 1.154.391
2010 1.173.482
http://de.wikipedia.org/wiki/Hiroshima

Nagasaki (jap. 長崎市, -shi) ist die Präfekturverwaltung und größte Stadt der Präfektur Nagasaki mit 444.310 Einwohnern (Stand 2009). Ursprünglich ein kleines Fischerdorf im Kreis Nishisonogi wurde es durch die Ankunft der Portugiesen in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zu einer bedeutenden Hafenstadt. Die Stadt liegt an der Südwest-Küste der drittgrößten japanischen Insel Kyūshū. Bürgermeister ist seit April 2007 Tomihisa Taue.
http://de.wikipedia.org/wiki/Nagasaki

Und wenn die Demonstranten ihren Unmut kundgetan haben , fahren sie wieder nach hause , vielleicht nach Hiroschima oder Nagasaki !

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