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16.05.2014

06:35 Uhr

Grünen-Spitzenkandidat Sven Giegold

„Dann nimmt die Seuche ihren Lauf“

VonMaike Freund, Stefan Kaufmann, Jan Mallien

Sven Giegold fürchtet die Höhenflüge der Euro-Skeptiker und den deutschen Chauvinismus in der Ukraine-Krise. Der grüne Spitzenpolitiker für die Europawahl über Nationalismus, Nörgelei und Frankreichs geschönte Zahlen.

Der grüne Spitzenkandidat Sven Giegold zu Besuch bei Handelsblatt Online. Frank Beer für Handelsblatt

Der grüne Spitzenkandidat Sven Giegold zu Besuch bei Handelsblatt Online.

Sven Giegold ist im Wahlkampfstress, pendelt zwischen Straßburg, Brüssel, Düsseldorf und Berlin. In eineinhalb Wochen wählt Europa ein neues Parlament. Dort setzt sich Giegold, Mitbegründer von Attac-Deutschland, seit fünf Jahren für grüne Politik ein. Bei dieser Wahl bildet der Finanzexperte gemeinsam mit Rebecca Harms das deutsche Spitzen-Duo. Für das Interview in der Redaktion von Handelsblatt Online nimmt er sich eineinhalb Stunden Zeit, um über die Gefahren für die Europäische Idee, die Bankenunion, seine Haltung zum transatlantischen Freihandelsabkommen und die negative Grundeinstellung vieler Deutscher gegenüber Brüssel zu sprechen.

Herr Giegold, in der Ukraine droht ein Bürgerkrieg. Was kann Europa machen?
Wenn Putin weiter an einer Destabilisierung der Ukraine arbeitet, muss Europa gemeinsam antworten. Auch wirtschaftliche Sanktionen sind dann auf der Tagesordnung. Insofern ist es irritierend, wenn Deutschland immer wieder eine gemeinsame europäische Linie durch Geburtstagsfeiern oder private Einladungen von Konzernchefs durchbricht.

Wären Sie nicht zu Schröders Party mit Putin gegangen?
Um Gottes Willen, Nein.

Aber sollte man nicht jede Chance nutzen, um sich mit Putin an den Tisch zu setzen?
Ich glaube ein solches Treffen wird von Herrn Putin als Schwäche der Europäer wahrgenommen. Für Verhandlungen gibt es diplomatische Formen. Gerade jetzt muss ein amtierender SPD-Ministerpräsident Selling sie einhalten. Das Selbstbestimmungsrecht der Ukraine und Europäische Gemeinsamkeit gehen vor Wirtschaftsinteressen.

Rückt Europa durch die Ukraine-Krise zusammen?
Die Krise zeigt, was Chauvinismen und Nationalismen auslösen können. Wir hätten diese Krise überhaupt nicht bekommen, wenn das Assoziierungsabkommen zügig und entschlossen über eine gemeinsame Außenpolitik der EU verhandelt worden wäre. Wir müssen in Europa mit einer Stimme sprechen. Dafür müssten allerdings die Staatschefs ihre eigenen Profilierungswünsche auf der internationalen Bühne zurückschrauben.

Mehr Europa ist in der Bevölkerung aber nicht gerade beliebt. Bei den Wahlen am 25. Mai werden den europakritischen Parteien bis zu 30 Prozent zugetraut. Macht ihnen das Sorgen?
Ja. Wenn das so kommt, kann es sein, dass auch ein Teil der verbleibenden Pro-Europäer denen nach dem Munde redet. Dann nimmt die Seuche ihren Lauf. Die CSU zündelt bereits gegen die Europäische Idee. Trotzdem ist Deutschland neben Spanien das einzige große EU-Land, wo die Euro-Kritiker nicht ganz so stark sind.

Kommentare (54)

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16.05.2014, 07:27 Uhr

Ich bin schon entsetzt über die Affenliebe der Grünen zu den USA. Gut dass sie wenigstens das Geheimabkommen TTIP ablehnen.

Jeder kann sich bei "www.campact.de/ttip/" zu diesem Abkommen informieren. Es ist unkündbar, unumkehrbar und baut die Mitbestimmung der Parlamente auf Null ab.

Dieses Abkommen erscheint mir z.Zt. gefährlicher als die Aggressionen der USA in der Ukraine. Stichwort: Finanzierung des Putsches in der Ukraine oder auch Blackwatertruppen in der Ukraine!

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16.05.2014, 07:55 Uhr

Giegold bestätigt meine Vorbehalte gegen die EU und den €, dieses völlig überdrehte "politische Projekt" einer kleinen Hinterzimmerclique vollends.
Ich werde NIE WIEDER eine dieser Blockparteien wählen.
Und was der Mann von Wirtschaftseingriffen schwurbelt - das ist eben grüner Sozialismus. Widerlich!
Das FIAT-System wird ohnehin kollabieren. Die EU und der € und hoffentlich die Grünen und anderen Blockparteien (samt der AfD!!) bitteschön auch!

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16.05.2014, 08:03 Uhr

Es ist unglaublich, wie realitätsfremd unsere Politiker geworden sind. Die wachsende Kritik an die EU und die Apathie der Bevölkerung gegenüber den Wahlen wird mit einem "MEHR EUROPA" begegnet. Die logische Schlüssfolgerung, dass das "MEHR EUROPA" gar nicht vom Volk legitimiert ist und überhaupt unerwünscht ist, wird nicht wahrgenommen oder sturr ignoriert. Es sieht so aus, als ob manche Politiker aktiv an einem totalitären EU-Imperium arbeiten.
Ich frage mich mittlerweile, ob Europa überhaupt noch eine Demokratie ist, oder haben die ehemaligen Monarchen einen Weg gefunden zurück zu ihrer absoluten Macht zu gelangen.
Und diese EU-Erweiterungsmanie, die komplett den Willen des Volkes ignoriert, sollte einem Angst machen.

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