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13.05.2013

06:27 Uhr

Grund unklar

Nordkoreas Machthaber entlässt Verteidigungsminister

Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un hat den als Hardliner geltenden Verteidigungsminister Kim Kyok Sik entlassen. An seine Stelle tritt ein junger General. Der Grund für den Wechsel ist unklar.

Nordkoreas Armee bekommt einen neuen Chef. dpa

Nordkoreas Armee bekommt einen neuen Chef.

SeoulNordkoreas Machthaber Kim Jong Un hat den als Hardliner geltenden Minister der Streitkräfte, Kim Kyok Sik, ersetzt. Als Kims Nachfolger stellten die staatlichen Medien des kommunistischen Landes am Montag Jang Jong Nam vor, der in Südkorea als relativ unbekannter und junger General gilt. Der neue „Minister der Volkarmee“ Jang Jong Nam sah sich nach den Berichten eine Aufführung des Lied- und Tanzensembles der internen Sicherheitskräfte an, bei der auch Kim Jong Un anwesend war.

Ein Grund für den Wechsel an der Spitze des Ressorts, das die Funktion eines Verteidigungsministeriums hat, war unklar. Sein Nachfolger soll zwischen 50 und 60 Jahre alt sein. Der um die 70 Jahre alte Kim, der erst im November zum Minister ernannt worden war, soll hinter dem Beschuss einer zu Südkorea gehörenden Insel im November 2010 durch Nordkoreas Küstenartillerie gestanden haben.

Hungerland mit Atomwaffen

Einwohner und Fläche

Der abgeschottete Staat hat knapp 25 Millionen Einwohner und ist mit gut 120.000 Quadratkilometern etwa so groß wie die frühere DDR.

Militärmacht

Das mehrfach von Hungersnöten erschütterte Nordkorea unterhält mit mehr als 1,2 Millionen Soldaten eine der größten Streitkräfte Asiens.

Menschenrechte

Nordkorea zählt zu den Ländern mit den schwersten Menschenrechtsverletzungen. Die Zahl der politischen Gefangenen wird auf 200.000 geschätzt.

Diktatur seit 1948

An der Spitze der von einem Geflecht aus Arbeiterpartei und Militär beherrschten Diktatur stand bis zu seinem Tod der „Geliebte Führer“ Kim Jong Il. Unter der Führung seines Vaters Kim Il Sung war die „Demokratische Volksrepublik Korea“ 1948 gegründet worden. Seit einiger Zeit wurde Kim Jong Ils Sohn Kim Jong Un als Nummer drei der kommunistischen Dynastie aufgebaut.

Misswirtschaft und Hungerkatastrophe

Misswirtschaft ruinierte das an Bodenschätzen reiche Land. Die Industrieproduktion ging seit 1990 um mehr als zwei Drittel zurück. Die meisten Einwohner sind bitterarm. 1997 führte eine durch Unwetter, Missernten und Zwangswirtschaft ausgelöste Hungerkatastrophe zu einem Massensterben. Nach UN-Schätzung sind gegenwärtig sechs Millionen Nordkoreaner von Hunger bedroht.

Atomwaffen

Trotz der hungernden Bevölkerung haben Ausgaben für das Militär Vorrang. Internationale Besorgnis löste Nordkoreas Atomprogramm aus, das zusammen mit dem Raketenprogramm des Landes als Bedrohung in der Region gilt. Nordkoreas Propaganda berichtet von Fortschritten bei der Produktion von schwach angereichertem Uran. Die US-Regierung befürchtet, dass das Uran-Programm letztlich dem Bau von Atomwaffen dient. Für die Herstellung von Atomsprengköpfen muss hochangereichertes Uran vorliegen.

Der Wechsel erfolgte nach Wochen zunehmender Spannungen auf der koreanischen Halbinsel. Nach dem nordkoreanischen Atomtest im Februar hatte der UN-Sicherheitsrat die Sanktionen gegen das Land verschärft. Im Gegenzug hatte Pjöngjang Kriegsdrohungen gegen Südkorea und die USA ausgestoßen. Die Drohungen waren zuletzt jedoch etwas abgeflaut.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

13.05.2013, 09:34 Uhr

"Ein Grund für den Wechsel an der Spitze des Ressorts, das die Funktion eines Verteidigungsministeriums hat, war unklar. "

Was soll daran unklar sein? Offensichtlich steckte das Großmaul hinter der letzten Pokerrunde, also es zum All-in kam und mit herumgeworfenen Atombomben gedroht wurde. Nun kommt er mit mehr als leeren Händen zurück. Im Gegenteil statt Vorteilen für Nordkorea steht man schlechter da. Man hat seinen einzigen Partner China düpiert, seine Devisenquelle in Kaesong ruiniert und Nordkorea so zum Bittsteller gemacht. Ich würde sagen schlecht geblufft und grandios verzockt!

Goldesel

13.05.2013, 11:16 Uhr

Hinter den Kulissen gab es Zugeständnisse, deswegen wird jetzt de-eskaliert...

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