Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.08.2012

18:59 Uhr

Gu Kailai

Entkommt Chinas „rote Prinzessin“ dem Henker?

Gu Kailai stieg an der Seite ihres Mannes zur „roten Prinzessin“ auf. Dann kam die Anklage wegen des Giftmordes an Neil Heywood. Das Verbrechen soll sie bereits gestanden haben. Nun droht ihr die Todesstrafe.

Gu Kailai umringt von Polizisten im Gerichtssaal. dapd

Gu Kailai umringt von Polizisten im Gerichtssaal.

PekingGu Kailai gehörte ebenso wie ihr Mann Bo Xilai zu Chinas Elite. Als jüngste Tochter von Gu Jingsheng, eines berühmten Generals in der Volksbefreiungsarmee, genoss die heute 53-Jährige eine privilegierte Stellung in dem Land - diese Familienbande könnten sie nun vor der Todesstrafe bewahren.

Nach dem Besuch der renommierten Peking-Universität, wo auch ihr späterer Mann studierte, machte Gu sich mit prestigeträchtigen internationalen Fällen einen Namen als Anwältin. Sie gründete sogar ihre eigene Kanzlei und veröffentlichte 1998 einen Ratgeber mit dem Titel „Wie man eine Klage in den USA gewinnt.“ Darin beschrieb sie auch das Strafrecht Chinas: „Wenn wir wissen, dass Sie jemand umgebracht haben, werden sie verhaftet, verurteilt und hingerichtet.“

Chronologie: Politkrimi in China

März 2012

Das Zentralkomitee setzt Bo Xilai, den Parteichef der 30-Millionen-Metropole Chongqing, wegen Korruptionsverdachts ab. Es ist der vorläufige Höhepunkt eines Skandals um den früheren Polizeichef Wang Lijun. Der „Super-Bulle“ war Anfang Februar in das amerikanische Konsulat in Chengdu geflüchtet und begab sich danach in die Obhut der Pekinger Zentralregierung. Angeblich soll er um sein Leben gefürchtet und Asyl gesucht haben. Nach unbestätigten Berichten soll Wang Lijun Belastungsmaterial gegen seinen früheren Chef Bo Xilai haben. Das 63-jährige Politbüromitglied sollte eigentlich im Herbst in das höchste Machtgremium der kommunistischen Partei - den ständigen Ausschuss des Politbüros - aufrücken.

April 2012

Die Ermittlungen um Bo Xilai werden ausgeweitet. Der mysteriöse Tod eines britischen Unternehmensberaters mit engen Beziehungen zu Bos Familie löst neue Verdächtigungen aus. Der 41-jährige Neil Heywood wurde im November 2011 tot in seinem Hotelzimmer in Chongqing gefunden. Die Polizei attestierte „übermäßigen Alkoholkonsum“ und äscherte ihn ohne Autopsie ein.

11. April 2012

Bos Frau Gu Kailai wird unter dem dringenden Verdacht des Mordes an dem Briten festgenommen. Bo Xilai wird aus dem Politbüro entfernt und von allen seinen Parteiämtern entbunden. Angeblich hatte bereits Ex-Polizeichef Wang Lijun den Mordverdacht im Falle des Briten geäußert.

09. August 2012

Gu Kailai und einem Hausangestellten werden in der ostchinesischen Stadt Hefei der Prozess gemacht. Ihnen wird vorgeworfen, Heywood vergiftet zu haben. Hintergrund der Tat soll ein Streit um Geld gewesen sein. Die 53 Jahre alte Anwältin habe ihren Sohn Bo Guagua vor dem Briten schützen wollen. Medien berichten, Gu Kailai habe den Mord zugegeben. Ihr droht die Todesstrafe.

10. August 2012

Vier ranghohe Polizeioffiziere müssen sich wegen Rechtsbeugung und Begünstigung vor Gericht verantworten. Sie sollen dabei geholfen haben, die Ermordung Heywoods zu vertuschen.

Gu, die fließend englisch sprechen soll, verbrachte in den vergangenen 20 Jahren anscheinend viel Zeit im Ausland. Dort soll sie auch den Namen Horus L. Kai benutzt haben - Horus war ein ägyptischer Kriegsgott. Wegen ihrer Ausstrahlung wurde sie zuweilen die „Jackie Kennedy Chinas“ genannt. Ihren Mann lernte sie 1984 in der Stadt Dalian kennen, wo er damals Parteisekretär war. An seiner Seite stieg sie zur „roten Prinzessin“ auf.

Ihr tiefer Fall kam mit der Anklage wegen des Giftmordes am britischen Geschäftsmannes Neil Heywood, eines alten Freundes und Geschäftspartners der Familie. Gerüchte kamen auf, sie habe ein Verhältnis mit dem 41-Jährigen gehabt. Auf Milde der Richter kann sie indes nicht nur wegen ihrer Abstammung rechnen: Laut Anklage ist Gu Kailai wegen chronischer Schlaflosigkeit, Angstzuständen, Depression und Paranoia psychiatrisch behandelt worden.

Von

dpa

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

DERRichter

19.08.2012, 21:05 Uhr

Ich wäre skeptisch auf eine Nichthinrichtung der Dame zu spekulieren. In solchen spektaktulären Fällen ist die Chinesische Führung immer darauf bedacht zu beweisen, dass sie gerade Privilegierte nicht schont. Der Henker dürfte der Dame letztendlich doch noch gewiss sein.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×