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21.03.2014

15:27 Uhr

Gütliche Einigung

EU und China beenden Handelsstreit um Wein

Bei Handelsfragen hat es im vergangenen Jahr zwischen China und Europa heftig gekracht. Nach Ärger um günstige chinesische Solarpaneele begann Peking Untersuchungen gegen europäischen Wein. Nun kehrt wieder Frieden ein.

Die aus China stammenden Reisenden Wei Huang und Yao Liu kaufen im Flughafen Frankfurt Wein ein. Die Pekinger Behörden waren dem Verdacht nachgegangen, dass europäische Hersteller die Preise drückten und von unerlaubten staatlichen Subventionen profitierten. Dieser Streit ist nun vom Tisch. dpa

Die aus China stammenden Reisenden Wei Huang und Yao Liu kaufen im Flughafen Frankfurt Wein ein. Die Pekinger Behörden waren dem Verdacht nachgegangen, dass europäische Hersteller die Preise drückten und von unerlaubten staatlichen Subventionen profitierten. Dieser Streit ist nun vom Tisch.

BrüsselAm Vorabend der Europareise des chinesischen Staatschefs Xi Jinping legen die EU und China ihren Handelsstreit um Wein bei. Die chinesischen und europäischen Weinverbände Cada und Ceev hätten sich gütlich geeinigt, teilten Ceev und die EU-Kommission am Freitag in Brüssel mit. Die chinesische Seite ziehe ihre Beschwerden zurück. Die EU-Kommission hatte die Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Die Pekinger Behörden waren dem Verdacht nachgegangen, dass europäische Hersteller die Preise drückten (Dumping) und von unerlaubten staatlichen Subventionen profitierten. Jinping beginnt am Samstag eine zehntägige Reise nach Europa.

China hatte die Untersuchungen im Sommer begonnen, nachdem die EU Strafzölle auf chinesische Solarpaneele verhängt hatte. „Ich erwarte, dass dieser Fall jetzt formell beendet wird, so dass die EU-Weinindustrie weiterhin ihre Qualitätsprodukte nach China exportieren kann“, erklärte EU-Handelskommissar Karel De Gucht. EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos zeigte sich ebenfalls erfreut: „Ich begrüße die freundschaftliche Lösung, die beide Industrien gefunden haben. (...) Das sind sehr gute Neuigkeiten.“ Der chinesische Weinmarkt ist laut EU-Kommission in den vergangenen sechs Jahren stark gewachsen.

Der Präsident des europäischen Weinverbandes Ceev, Jean-Marie Barillère, erklärte: „Unsere Exporteure werden ihre Unternehmungen in einem für europäische Weine strategischen Markt weiterverfolgen können, in fairem Wettbewerb mit heimischen Weinen und Importweinen aus Drittländern.“

China und EU handeln jeden Tag für mehr als eine Milliarde Euro

Gegenseitige Abhängigkeit

China und Europa sind voneinander abhängig. Das Reich der Mitte wird in diesem Jahr zum größten Exportmarkt der Europäer aufsteigen und damit die USA überholen. Umgekehrt ist die Europäische Union der größte Abnehmer chinesischer Ausfuhren. Beide Seiten handeln jeden Tag mit Waren im Wert von mehr als einer Milliarde Euro.

Ausfuhren gestiegen

Nach einem Zuwachs von 37 Prozent 2010 stiegen die europäischen Ausfuhren nach China im vergangenen Jahr von Januar bis November um 21 Prozent auf 124 Milliarden Euro. Deutschland hat mit deutlichem Abstand und knapp der Hälfte der EU-Ausfuhren nach China den größten Anteil daran, gefolgt von Frankreich und Großbritannien. 60 Prozent der EU-Ausfuhren waren Maschinen und Fahrzeuge.

Während die 27 EU-Länder im Jahr 2010 rund 19,8 Millionen Autos produzierten, waren es in China nicht viel weniger: rund 18,3 Fahrzeuge.

Weltgrößte Devisenreserven

Die Importe aus China kletterten nach einem Anstieg von 31 Prozent 2010 im vergangenen Jahr bis November um weitere fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum auf 244 Milliarden Euro. Seit Jahren gibt es ein großes europäisches Defizit im Handel mit China, das 2010 noch bei 168 Milliarden Euro lag. Aus diesem Überschuss sammelt China die Euros in seinen weltgrößten Devisenreserven im Wert von insgesamt 3,18 Billionen US-Dollar an. Rund ein Viertel sollen Euros sein.

Negative Leistungsbilanz

Während die Leistungsbilanz der 27 EU-Länder im vergangenen Jahr bei minus 24 Milliarden Euro lag, konnte China einen deutlich positiven Saldo von 258 Milliarden Euro verbuchen. Auch das BIP der Chinesen war 2011 mit 12.900 Milliarden Euro mehr als doppelt so hoch wie das BIP der EU (5100 Milliarden Euro).

Schlechter Marktzugang

Die Wirtschaftskooperation zwischen Europa und China ist rasant gewachsen. Doch beklagen europäische Unternehmen in China schlechten Marktzugang, ungleiche Wettbewerbsbedingungen, mangelnde Transparenz und Rechtsunsicherheiten.

Urheberrechte verletzt

Schlechter Schutz des geistigen Eigentums ist unverändert ein großes Problem. Sieben von zehn in China tätigen europäischen Unternehmen wurden nach eigenen Angaben schon Opfer von Urheberrechtsverletzungen mit teils erheblichen Verlusten. Mehr als die Hälfte aller Raubkopien, die der Zoll in Europa sicherstellt, stammt aus China.

Zögerliche Investitionen

Die 27 EU-Staaten zählen mit 7,1 Milliarden Euro 2010 zu den fünf wichtigsten Investoren in China - neben Taiwan, Hongkong, USA und Japan. Rund 20 Prozent der ausländischen Direktinvestitionen in China stammen aus Europa. China investiert aber nur sehr zögerlich in Europa. Zwar stiegen die chinesischen Investitionen 2010 von 0,3 auf 0,9 Milliarden Euro, doch stammen nur 1,7 Prozent aller ausländischen Investitionen in Europa aus China.

Die EU hat im vergangenen Jahr nach Angaben der EU-Kommission Wein im Wert von 764 Millionen Euro nach China exportiert. Der Löwenanteil (71 Prozent) kam aus Frankreich, gefolgt von Spanien (11,7 Prozent) und Italien (10,1 Prozent). Insgesamt führe die EU Wein im Wert von 8,865 Milliarden Euro in Drittstaaten aus. Chinas Anteil daran liege bei 8,6 Prozent.

Neben der Beilegung des Streits, haben sich die beiden Branchenverbände Cada und Ceev darauf geeinigt, für zunächst zwei Jahre enger zusammenzuarbeiten. Die europäische Weinindustrie werde chinesischen Winzern zur Seite stehen und etwa bei der Entwicklung von Werbung, Weinproben und geografischen Herkunftsangaben helfen. Geplant seien unter anderem Studienreisen und Praktika in Europa. Im Gegenzug will die chinesische Weinindustrie den europäischen Kollegen zum Beispiel bei der Erschließung des heimischen Marktes helfen.

Bei Anti-Dumping- und Anti-Subventions-Untersuchungen hatten sich die EU und China zum Teil gütlich geeinigt, zum Teil auch Strafzölle verhängt. Beide Seiten wollen nun offenbar weitere Eskalationen vermeiden.

Von

dpa

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