Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.06.2011

19:35 Uhr

Guppierung "Empörter Bürger"

Wut der Griechen trifft Politiker mit voller Wucht

Die Wut der griechischen Bürger ist in Athen ist nicht mehr nur verbal. Mehrere Demonstranten haben Parlamentsabgeordnete beschimpft und bespuckt. Eine flüchtende Politikerin soll sich verletzt haben.

Immer wieder zieht es tausende von Demonstranten auf die Straße. Quelle: dpa

Immer wieder zieht es tausende von Demonstranten auf die Straße.

AthenDie seit mehr als einer Woche andauernden Proteste der vor allem übers Internet organisierten Bewegung "Empörter Bürger" haben in Athen erstmals einen gewalttätigen Charakter angenommen. Mehrere Demonstranten bespuckten und beschimpften Abgeordnete des Parlamentes als sie in der Nacht zum Mittwoch das Parlamentsgebäude in Athen verließen. Wie griechische Medien zeigten, mussten Feuerwehrleute und Polizisten die Abgeordneten schützen. Bürger schlugen auf die Autos der Parlamentarier ein und bespuckten sie.

Eine Abgeordnete flüchtete nach TV-Informationen und verstauchte sich den Fuß. "Die pauschale Abwertung von Institutionen und Personen untergräbt das parlamentarische System", sagte der griechische Parlamentspräsident Filippos Petsalnikos am Mittwoch. Die Geschichte zeige, dass das Klima einer allgemeinen Ablehnung der Parlamentarischen Republik immer "tragische Konsequenzen für das Volk hatte", warnte er.

Wegen der harten Sparmaßnahmen gibt es seit Monaten Streiks und Demonstrationen im Land. Die Wut der Straße richtet sich gegen die Politiker und die Sparauflagen von Internationalem Währungsfonds (IWF), EU und Europäischer Zentralbank (EZB).

Am Vorabend waren den siebten Tag in Folge mehrere Tausend Menschen auf die Straßen in Athen gegangen, um gegen das Sparprogramm der sozialistischen Regierung zu protestieren. Sie versammelten sich auf dem zentralen Syntagma Platz und skandierten "Diebe, Diebe" in Richtung des Parlaments. An den Demonstrationen beteiligten sich Menschen aus allen Schichten. Auch Autonome und Anhänger des 1974 abgesetzten Königs Konstantin sowie Arbeitslose und Studenten waren darunter. Viele Menschen forderten den Rücktritt sämtlicher Politiker.

Die Demonstrationen sollten auch am Mittwochabend fortgesetzt werden. Die Bewegung der "Empörten Bürger" plant, auch auf anderen Plätzen Athens und in anderen Städten des Landes zu Versammlungen aufzurufen.

Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou will sich derweil am Freitag mit dem Vorsitzenden der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, in Luxemburg treffen. Dies gab das Büro des griechischen Regierungschefs bekannt. Das Treffen hängt nach Medienberichten mit den Verhandlungen zwischen der griechischen Regierung und einer Kontrollkommission von Europäern und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) zusammen. Diese sollen noch in der laufenden Woche abgeschlossen werden. Der Abschluss der Verhandlungen sei nahe, hieß es in Athen und Brüssel.

Eine Dreier-Mission von EU-Kommission, Europäischer Zentralbank und IWF prüft seit Wochen, ob Athen im laufenden Jahr genug spart, um bald eine neue Kredittranche von zwölf Milliarden Euro aus dem laufenden Rettungsprogramm zu erhalten. Das Geld wird gebraucht, um eine Staatspleite abzuwenden.

Von

dpa

Kommentare (7)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Sauerei

01.06.2011, 20:33 Uhr

Jedes Vierteljahr weitere 30 Milliarden Euro nach Griechenland verblasen - wie lange noch ?? Bei uns kostet einmal Kleinwagen-Tanken 60 Euro, davon 45 Euro Abgaben, die zum Beispiel nach Griechenland verpulvert werden. Das hat man in Deutschland restlos satt. Alle Parteien des Bundestages müssen weg - mehr Mist als diese Selbstbediener und Volksruinierer können komplett neue Leute nicht machen !

Kackwurst

01.06.2011, 20:39 Uhr

Immerhin kann man hier von den Griechen lernen, wie es geht! Wann finden in Deutschland diese Massendemonstrationen gegen den Euro statt? Wann werden hier endlich die Politiker bespukt, die uns diesen Dreck eingebrockt haben? Wann wird den Parlamentariern endlich Feuer unter dem Arsch gemacht, dass die merken, was die hier für Verbrechen begehen, indem sie den deutschen Steuerzahlen bestehlen für ein "politisches Projekt", das verbrämt wird als "europäische Integration"?
Jedenfalls sollten die Politiker hier ganz genau nach Athen sehen; wenn in Berlin die Autos brennen, dann ist es zu spät!

aspi

01.06.2011, 20:47 Uhr

Ein paar tausend unter 6 Mio Einwohnern des Großraumes Athen sind nicht "die Griechen". Wenn in Berlin eine Demo von ein paar tausend Linksradikalen oder in Dresden eine von ein paar tausend Rechtsradikalen stattfindet, schreiben Sie ja auch nicht: "die Wut der Deutschen".

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×