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09.04.2015

14:11 Uhr

Hackerangriff auf TV5 Monde

„Wir sind wie vor den Kopf geschlagen“

VonThomas Hanke

Auch nach 14 Stunden läuft das Programm von TV5 Monde noch nicht wieder normal. Die Cyberattacke hat den französischen Sender hart getroffen. Die Botschaft der IS-Sympathisanten ist zudem eine unverhohlene Drohung.

TV5 Monde

IS-Hacker knacken System von französischen TV-Sender

TV5 Monde: IS-Hacker knacken System von französischen TV-Sender

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ParisDer frankophone Sender TV5 Monde stochert noch völlig im Nebel, was die Urheber der Cyberattacke auf seine Programme und seine Präsenz in den sozialen Netzwerken angeht. 14 Stunden nach Beginn des Angriffs durch offenbar sehr gut geschulte Hacker, die sich selber als Anhänger der Terrorgruppe IS ausgeben, funktionieren die Programme immer noch nicht wieder normal.

„Wir haben die Sendungen wieder aufgenommen, aber die aktuellen Magazine und Nachrichtensendungen können wir noch nicht produzieren“, sagte André Crettenand, Direktor der Informationsprogramme, dem Handelsblatt (Online-Ausgabe) am Sitz des Senders in Paris. Am Donnerstagnachmittag konnten Internetnutzer immerhin die Webseite wieder aufrufen. Zuvor war dort nur ein Wartungshinweis zu lesen.

Spezialisten des Innenministeriums arbeiteten im Gebäude um zu verstehen, wie die Angreifer in die Server des Senders vordringen konnten, von denen aus sie Zugriff auf die Programme hatten.

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Woher kommt die Terrormiliz?

Die Miliz ist die Nachfolge-Organisation von al-Qaida im Irak, einer radikalen Widerstandsbewegung, die sich Gebiete im Westen des Landes einverleibte, nachdem die Amerikaner den Diktator Saddam Hussein gestürzt hatten, ohne das Machtvakuum zu füllen.

Es handelt um einen Zusammenschluss von sunnitischen Dschihadisten, ehemaligen Anhängern von Saddam Hussein und von Stammesmitgliedern. Die Zahl der Kämpfer wird neuerdings auf rund 30.000 geschätzt. In ihrem Herrschaftsgebiet haben die Extremisten ein Verwaltungssystem aufgebaut, das jeden Aspekt des Alltags kontrolliert.

Welche Gebiete kontrolliert IS?

Die Terrormiliz hat Schätzungen zufolge rund ein Drittel des syrischen Staatsgebietes eingenommen. Dabei gelang es ihr, einen Korridor zwischen ihren westlichsten Eroberungen nahe Aleppo über nördliche Landstriche bis zu östlichen Landesteilen nahe der Grenze zum Irak zu schaffen.

In der Provinz Aleppo stehen unter anderem die größeren Orte Manbidsch und Al-Bab unter ihrem Kommando, dort weht die schwarze Flagge der Miliz auf Regierungsgebäuden und großen Plätzen. Da die Terrormiliz auf beiden Seiten der syrisch-irkanischen Grenze nahtlos Gebiete kontrolliert, kann sie relativ leicht Kämpfer, Waffen und Güter zwischen beiden Ländern hin- und hertransportieren.

Zuletzt stockt der Vormarsch des IS allerdings. Die Miliz verlor etwa die strategisch wichtige Stadt Tikrit, ebenso wie das über Monate umkämpfe Kobane an der türkischen Grenze.

Was ist die „Hauptstadt“ des Islamischen Staats?

Die IS erklärte Rakka, eine Stadt am Euphrat im Nordosten Syriens mit einer halben Million Einwohner, zur Hauptstadt ihres Kalifats und Sitz ihrer Machtzentrale. IS-Kämpfer aus aller Welt strömten dorthin, einige mit ihren Familien. Obwohl schon immer konservativ und unter großem Einfluss von Stämmen, war Rakka früher ein lebendiges und wirtschaftlich blühendes Zentrum.

Heute patrouilliert rund um die Uhr die Sittenpolizei der IS – die sogenannte Hisba – durch die Straßen. Diese bewaffneten Kämpfer in langen Roben kontrollieren, ob ihre strenge Auslegung des Korans auch umgesetzt wird. Die IS hat Musik und Rauchen verboten. Frauen wurden von der Sittenpolizei angewiesen, sich zu verhüllen. Wer gegen die Scharia verstößt, läuft Gefahr, enthauptet oder ans Kreuz gehängt zu werden. Den Schulen der Stadt diktierte die Miliz kürzlich die Inhalte und strich Fächer wie Philosophie oder Chemie.

Wie stark sind die Kämpfer des IS?

Seit Anfang 2014 führt die Miliz mit den gemäßigten und vom Westen unterstützten Rebellen in Syrien einen Zermürbungskrieg. Dabei stürmen IS-Kämpfer Außenposten der Rebellen und nehmen ihnen Ort für Ort durch Gewalt und Einschüchterung ab.

Die Zahl der Kämpfer lässt sich nur schätzen. Fest steht jedoch, dass die Extremisten seit Beginn ihres Vormarsches im Irak Anfang Juni 2014 starken Zulauf bekommen haben. Der US-Geheimdienst CIA geht davon aus, dass die Gruppe in Syrien und im Irak zwischen 20.000 und 31.500 Kämpfer hat. Diese Zahl unterscheidet sich deutlich von den Angaben der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Sie schätzt die Zahl der IS-Kämpfer allein in Syrien auf rund 50.000, davon etwa 20.000 aus dem Ausland. Die Menschenrechtler stützen sich bei ihren Informationen auf ein Netz von Aktivisten in Syrien.

Welche Rohstoffe hält IS in der Hand?

Die Terrormiliz hatte im bis Herbst 2014 faktisch alle größeren Ölfelder im Osten Syriens, darunter das landesweit größte namens Omar mit einer Förderkapazität von 75.000 Barrel pro Tag erobert. Der IS nahm die Produktion teilweise auf und finanzierte sich auch über den Verkauf von Rohöl unter Marktpreisen. Das geförderte Öl werde über Mittelsmänner an die Türkei und den Irak geliefert.

Doch nach dem Verlust von Tikrit Anfang April 2015 hat die Terrororganisation auch mindestens drei Ölfelder verloren. Damit bleibt der Miliz im Irak nur noch ein einziges Ölfeld: Qayara mit einer Förderkapazität von gerade einmal 2000 Barrel am Tag. Das seien gerade noch fünf Prozent der zuvor vom IS innerhalb des Irak kontrollierten Menge.

Wie verhält sich der syrische Diktator Assad?

Syriens Präsident hat vor kurzem die Luftangriffe auf IS-Hochburgen verstärken lassen. Die Regierung öffnete die Türen für eine mögliche Kooperation mit den USA im Kampf gegen IS, sie stellte aber zugleich klar, dass jeglicher Angriff mit Damaskus abgestimmt sein müsse. Für die US-Regierung ist dies allerdings ein Problem: Sie möchte nicht an Assads Seite erscheinen, zumal sie dessen Rücktritt seit Jahren verlangt. Unter der Hand machte das Assad-Regime lange sogar Geschäfte mit den Terroristen nach dem Motto: Strom gegen Öl.

Was können die USA mit Luftschlägen ausrichten?

Jedweder Luftschlag der USA in Syrien würde sich wahrscheinlich auf Gebiete nahe der Grenze zum Irak sowie militärische Ziele wie Trainingslager in Rakka konzentrieren. Dort verfügt Assad kaum über Luftabwehr.

In jedem Fall werden sich Luftangriffe schwieriger gestalten als im Irak: Dort segnet Bagdad das Vorgehen ab, zudem verlaufen die Frontlinien deutlicher. In Syrien hingegen gibt es auf engem Raum verschiedene Fraktionen, zu denen neben IS auch der al-Qaida-Ableger Nusra-Front, die vom Westen unterstützten Rebellen der Freien Syrischen Armee und die Regierungstruppen gehören. Während die gemäßigten Rebellen US-Luftschläge fordern, lehnen die extremeren Kämpfer ein Engagement der USA ab.

„Wir haben keine Ahnung, wer das war und von wo der Angriff ausging“, sagte Crettenand. Die eigenen Spezialisten seien über den Umfang des Angriffs „wie vor den Kopf geschlagen“. Es habe vorher keine gezielten Warnungen oder Bedrohungen gegen TV5 gegeben.

Das Innenministerium soll nicht nur den Schutz der Server, sondern auch des Gebäudes in der Avenue de Wagram verstärkt haben. Vor dem Eingang ist allerdings nur ein einsamer Beamter mit Schutzweste und altertümlichem Karabiner zu sehen.

Yves Bigot, der Chef des von Frankreich, Kanada, Belgien und der Schweiz getragenen öffentlich-rechtlichen Senders, hatte am Donnerstagmorgen mitgeteilt, man werde noch Stunden oder Tage brauchen, um den normalen Betrieb wiederherzustellen. Auf der Facebook-Seite des Senders, die ebenfalls angegriffen wurde, lief lediglich eine mehrere Stunden alte Mitteilung von Bigot.

Die französische Regierung nimmt den Angriff sehr ernst. Der Innenminister Bernard Cazeneuve und die Kulturministerin Fleure Pellerin besuchten am Donnerstagmorgen den Sitz des Senders in Paris. Premierminister Manuel Valls erklärte seine Unterstützung.

Kommentare (7)

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Herr peter Spirat

09.04.2015, 12:50 Uhr

Und wieder einmal müssen wir mit ansehen, wie Islamisten unsere westliche Welt bedrohen. Ich frage mich wirklich, warum wir gegenüber diesen Islamisten so tolerant sein sollen.

Islamisten, wie Saudi Arabien und Türkei sind Christen gegenüber auch nicht tolerant.

Herr frohgemut hambsch

09.04.2015, 13:11 Uhr

der stuxnet angriff auf den irak der sehr wahrscheinlich von amerika und israel ausgeführt wurde hat allen menschen gezeigt wie einfach es ist wirksam eine aktion ungefährlich durchzuführen-und das bezieht sich nicht nur alleine auf die extreme islamisten sonder auf alle menschen die extreme ansichten haben,das internet wurde als einschüchterungs werkzeug entdeckt und das haben wir"stuxnet" zu verdanken-

Herr Martin Zuehlke

09.04.2015, 13:28 Uhr

In ihrem Kommentar ist aber auch grammatikalisch der "Wurm" drin!
Was wollen sie uns damit jetzt sagen???

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