Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.01.2010

18:54 Uhr

Haiti

EU will internationale Hilfskonferenz

Die EU macht sich für eine internationale Hilfskonferenz für Haiti stark. Die Entwicklungsminister der Gemeinschaft wollen am Montag bei ihrer Krisensitzung zu einem solchen Treffen aufrufen. Währenddessen gibt es der Krisenregion erste Fälle von Lynchjustiz.

HB BRÜSSEL. Geleitet werden soll die Konferenz laut einer Sprecherin der spanischen EU-Ratspräsidentschaft von der künftigen EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton. Bei ihrer Sondersitzung am Montag wollen die Minister demnach über weitere Hilfen für das von einem verheerenden Erdbeben geschundene Land beraten. Thema soll auch der Wiederaufbau des Karibik-Staates und die Kostenverteilung sein. Dies müsse in Abstimmung mit den Vereinten Nationen und internationalen Organisationen wie der Weltbank geschehen, sagte die Sprecherin weiter.

Angesichts der chaotischen Zuständen in den Erdbebengebieten in Haiti nehmen die Überlebenden das Gesetz vielerorts selbst in die Hand. Korrespondenten berichteten am Sonntag von mehreren Lynchmorden in der Hauptstadt Port-au-Prince. In einem Fall setzten wütende Anwohner einen Mann in Brand, der nach ihrer Schilderung beim Stehlen erwischt worden war.

In einer anderen Straße lagen die Leichen zweier junger Haitianer, deren Arme auf den Rücken gefesselt waren. Ihre Körper wiesen mehrere Schusswunden auf. Auch hier soll es sich um Selbstjustiz gehandelt haben. "Die Haitianer nehmen die Dinge nun teilweise selbst in die Hand", sagte der Anwohner Eddy Toussaint. "Es gibt keine Gefängnisse, die Kriminellen laufen frei herum. Und von der Polizei fehlt jede Spur."

Um die schlechte Sicherheitslage in den Straßen der Hauptstadt zu verbessern, würden nun 3500 US-Soldaten die UN-Friedenstruppe sowie die örtliche Polizei verstärken, erklärte Haitis Präsident Rene Preval. "Wir haben 2000 Polizisten in Port-au-Prince, die nur begrenzt einsatzbereit sind. Und aus dem Gefängnis sind während des Erdbebens 3000 Verbrecher geflohen", erklärte Preval vor Journalisten. "Das gibt Ihnen eine Vorstellung, wie ernst die Lage ist."

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×