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02.06.2014

20:41 Uhr

Hamas und Fatah

Palästinensische Einheitsregierung steht

Nach der Spaltung zwischen Hamas und Fatah wollen die Palästinenser ihre internen Rivalitäten beilegen und sich auf das gemeinsame Ziel konzentrieren: einen eigenen Staat. Doch das Misstrauen ist nach wie vor tief.

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas (rechts) und der palästinensische Hamas-Anführer Ismail Haniyeh. Sie erklärten heute die Spaltung für beendet. ap

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas (rechts) und der palästinensische Hamas-Anführer Ismail Haniyeh. Sie erklärten heute die Spaltung für beendet.

RamallahSieben Jahre nach der Spaltung zwischen Hamas und Fatah gibt es wieder eine gemeinsame Regierung der beiden Palästinenserorganisationen. Präsident Mahmud Abbas vereidigte am Montag an seinem Amtssitz in Ramallah im Westjordanland die 17 Minister des neuen Expertenkabinetts. Israel schließt jegliche Friedensverhandlungen mit einer Regierung unter Beteiligung der radikalislamischen Hamas ab.

Für die Palästinenser ist die Bildung der Einheitsregierung hingegen ein Meilenstein nach sieben Jahren der erbitterten Rivalität zwischen den beiden Fraktionen. Die Hamas, von Israel, den USA und der EU als Terrorgruppe angesehen, hatte 2007 die Kontrolle über den Gaza-Streifen übernommen. Seither kontrollierten Abbas und seine gemäßigte Fatah-Bewegung nur noch das Westjordanland.

Dass das Misstrauen nach wie vor groß ist, zeigte der Streit um die Besetzung des Ministers für Gefangenenangelegenheiten, der die Vereidigung beinahe noch zum Scheitern gebracht hätte. Die Hamas forderte Abbas auf, die Streichung des Postens aus dem Kabinett zurückzunehmen. Nur wenige Minuten vor Beginn der Zeremonie teilte die Hamas schließlich mit, dass das Problem beigelegt sei. Ob Abbas nachgegeben hatte, war zunächst unklar.

„Heute erklären wir das Ende der Spaltung und die Wiedererlangung der Einheit der Heimat und ihrer Institutionen“, sagte Abbas in einer Rede im Fernsehen. „Diese schwarze Seite in unserer Geschichte wurde für immer geschlossen und wird niemals zurückkehren.“

Hamas-Sprecher Sami Abu Suhri äußerte sich ähnlich. „Wir können sagen, dass die Trennung nun hinter uns liegt“. Nun lägen vor den Palästinensern aber große Herausforderungen, um auch die Spuren dieser Spaltung auszulöschen.

Israels Offensiven im Gazastreifen

23. Juli 2002

Bei einem israelischen Raketenangriff werden in Gaza der militante Palästinenserführer Scheich Salah Schehada und 14 weitere Menschen getötet, darunter neun Kinder. Nach israelischen Angaben war er Drahtzieher mehrerer Terroranschläge.

6. März 2003

Mit einem Panzervorstoß gegen das Flüchtlingslager Dschabalia im Gazastreifen reagiert Israel auf einen Terroranschlag in Haifa.

28. August 2003

Israelische Kampfhubschrauber feuern in Chan Junis im südlichen Gazastreifen Raketen ab. Dabei wird Hamdi Kadach getötet, der für den Mörserbeschuss israelischer Siedlungen verantwortlich gewesen sein soll.

20. Oktober 2003

Bei israelischen Luftangriffen werden mindestens 13 Palästinenser getötet. Einer der Getöteten, Chaled Masri, wird als ein führender Waffenbeschaffer der Hamas bezeichnet.

22. März 2004

Scheich Ahmed Jassin, Gründer und geistlicher Führer der Hamas, wird in Gaza von einer israelischen Rakete getötet.

17. April 2004

Jassins Nachfolger Abdel Asis Rantisi stirbt in Gaza bei einem israelische Luftangriff.

21. Oktober 2004

Adnan el Rul, ranghoher Führer des bewaffneten Arms der Hamas, wird bei einem israelischen Raketenangriff auf sein Auto in Gaza getötet.

28. Juni 2006

Die israelische Armee rückt zur Befreiung des am 25. Juni verschleppten Soldaten Gilad Schalit mit Bodentruppen in den Gazastreifen ein.

1. November 2006

Die Armee tötet bei Kämpfen von Bodentruppen in Beit Hanun im nördlichen Gazastreifen mindestens 34 Palästinenser.

5. Juli 2007

Israels Armee stößt mit Panzern auf Flüchtlingslager im zentralen Gazastreifen vor, mindestens elf Palästinenser sterben.

1. März 2008

Israel startet die Operation „Heißer Winter“. Bei den Kämpfen mit Bodentruppen sterben über 100 Menschen.

27. Dezember 2008

Israel beginnt mit Luftangriffen auf Hamas- Einrichtungen im Gazastreifen, wenige Tage später beginnt die Bodenoffensive „Gegossenes Blei“. Bis am 18. Januar eine Waffenruhe in Kraft tritt sterben nach palästinensischen Quellen mindestens 1310 Palästinenser, die Israelis melden 13 Tote.

9. April 2011

Drei Hamas-Kommandeure werden in Rafah bei einem israelischen Angriff von Raketen eines Kampfflugzeugs getötet.

9. März 2012

Das israelische Militär tötet bei zwei Luftangriffen im Gazastreifen insgesamt fünf Palästinenser, darunter den Kommandeur der militanten Palästinenserorganisation Volkswiderstandskomitee, Zuher al Kesi.

Mehrere Versuche einer Aussöhnung zwischen den beiden Organisationen waren in den vergangenen Jahren gescheitert. Mittlerweile sind beide aber flexibler geworden: Die Hamas braucht dringend Geld; die Fatah ihrerseits sieht nach den gescheiterten Friedensverhandlungen mit Israel mehr Chancen auf einen eigenen Staat durch einen Zusammenschluss mit der Hamas.

Aufgabe des Übergangskabinetts soll es unter anderem sein, die unter Leitung der Fatah stehende Autonomiebehörde im Westjordanland und den Hamas-geführten Gazastreifen politisch zusammenzubringen. Zudem soll die Einheitsregierung bis 2015 Wahlen organisieren.

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