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12.05.2015

07:43 Uhr

Handelsblatt-Leserreise nach China, Tag 1

Kunst und Kapital – der Postmaoist fährt Tesla

VonHans-Jürgen Jakobs

Skyline aus Rinderhaut, gepresste Bücher, stilisierte Schaltpläne: Die Werke des chinesischen Künstlers Liu Wei sind gefragt. Sein Schaffen steht für den Wandel auf Chinas Kunstmarkt – der weltweit umsatzstärkste.

Die Handelsblatt-Delegation schaut sich im Atelier des Künstlers Liu Wei (r.) um. Alan Grillo für Handelsblatt

Die Handelsblatt-Delegation schaut sich im Atelier des Künstlers Liu Wei (r.) um.

Vom 10. bis 18. Mai besucht eine Wirtschaftsdelegation des Handelsblatts die Metropolen Peking, Schanghai und Hunan. Chefredakteur Hans-Jürgen Jakobs wird gemeinsam mit Lesern Politiker, Manager und Unternehmer treffen. Hier seine erste Kolumne.

Hans-Jürgen Jakobs dpa

Hans-Jürgen Jakobs ist Senior Editor des Handelsblatts.

Was Rubens oder Andy Warhol konnte, kann Liu Wei auch. Er ist einer der bekanntesten chinesischen Künstler, ist auf Ausstellungen auch in Deutschland präsent, und hat am Rande Pekings seine eigene Factory. Dreißig Frauen malen für ihn Bilder aus, die sich der Meister am Computer erdacht hat. Komplizierte Designs, die aussehen wie elektronische Schaltpläne oder stilisierte Stadtpläne. Die Stechkarten seiner Vollstreckerinnen stecken in der Halterung an der Wand. Die Helferinnen sind in der Kantine, als der Besuch aus Deutschland kommt.

Rund 150 000 US-Dollar kostet ein solches, im Kollektiv entstandenes, großformatiges Liu Wei-Bild aus der Atelieranlage im Künstlerviertel Hei Qiao (Schwarze Brücke). Der Erfolg solcher Kreativer weist auf die ganze staatskapitalistische Stärke der Volksrepublik: Sie ist auch im Kunstmarkt dort angekommen, wo die USA, Großbritannien oder Deutschland sind.

Es gilt das Gesetz von Angebot und Nachfrage, Überhitzungstendenzen inklusive. Bei der Kunst malt der Hype mit, und in weiser Voraussicht hat die chinesische Regierung vor einigen Jahren Auktionen gefördert – und die treiben nun die Preise. Der Anbieter Polyauctions ist Marktmacher. Inzwischen hat China die USA als Land mit dem größten Kunstumsatz überholt. Die Aufsteigergeneration, die Sieger der sozialistischen Marktwirtschaft, zeigen ihren Erfolg. Kunst ist auch in China Kapital. 

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Stars des Gewerbes wie Liu Wei arbeiten nicht mehr im Szeneviertel 798, einem alten Industrie-Areal, das heute eine Ansammlung schicker Galerien und Restaurants ist. Die Mieten sind inzwischen viel zu hoch für große Ateliers und Studios. Die übliche Metropolengeschichte. Im neuen Künstlerviertel Schwarze Brücke ist das anders: Ein Star nach dem anderen zog hierher um. Der Bürgermeister plante erst einen Blumenmarkt, inzwischen hat sogar ein koreanischer Investor einiges Geld in Atelierfläche investiert.

Liu Wei, Jahrgang 1972, gehört zur Szene der Postmaoisten. Ein schwarzer Tesla S steht vor seinem Büro, er fährt ihn, weil keine Steuern anfallen, sagt er. Regierung und Stadtverwaltung tun alles, um E-Mobilität zu fördern in einer vom Smog gezeichneten, und dennoch unendlich lebensfrohen Stadt.
Liu Wei sagt, deutsche Künstler wie Richter hatten ihn wesentlich beeinflusst. Er wolle auch die soziale Dynamik, den Wandel der Wirtschaft in seinen Werken einfangen. Ein Ringen mit sich selbst, dessen Ausgang er weniger kennt als den zu erzielenden Marktpreis.

Wie ein Schöpfer, Dirigent, Aufseher wacht der Kunstbetriebsleiter darüber, was in den Hallen auf seinem Gelände im Norden Pekings geschieht, dort, wo gleich das Land beginnt. Gefällt ihm etwas nicht, wird adjustiert, wie er das nennt. In einem Raum hängen zwei großformatige Gemälde für die Art Basel. Die Bilder des Liu Wei zieren bereits jetzt große Sammlungen. Die größte Schau aber sind Skulpturen, die er aus zusammengepressten Büchern fertigen lässt, sogenannte book sculptures. Ganze Stadtbilder entstehen so, das von Tokio zum Beispiel. Liu Wei bildet auch Skylines mit Kompositionen aus Rinderhaut nach – gigantische Mahnmale des Fortschritts.

Kommentare (10)

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Herr Walter Gerhartz

12.05.2015, 10:43 Uhr

Isolierung Russlands funktioniert nicht: Kerry sucht überraschend Putin auf-
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US-Außenminister John Kerry trifft am Dienstag überraschend Präsident Putin in Moskau. Es dürfte auch um einen Militäreinsatz der Nato im Mittelmeer gehen. Das unerwartete Treffen zeigt, dass die Amerikaner die Kooperation mit Russland brauchen und Putin nicht einfach als Chef einer Regionalmacht diskreditieren können.
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Bisher hatten die Amerikaner versucht, Russland unter Putin in der Weltpolitik zu isolieren. So einfach, wie sich die US-Regierung dies vorstellt, scheint dies allerdings nicht zu gehen: Die Amerikaner könne in der globalen Gemengelage nicht mehr allein agieren.
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Die USA und Russland hätten in den vergangenen Monaten immer gut zusammengearbeitet, es habe mehrere Gespräche zwischen Kerry und seinem russischen Kollegen Sergej Lawrow gegeben. Harf sagte jedoch, dass das Treffen mit Putin von größerer Bedeutung sei.

Harf sagte, dass man im US-Außenminister zu der Erkenntnis gelangt sein, dass es wichtig sei, mit Putin direkt zu sprechen.

Herr Walter Gerhartz

12.05.2015, 10:44 Uhr

Es war vorauszusehen...die Amis müssen einknicken, denn sie stehen zusammen mit der NATO nun den BRICS gegenüber, die fast die Hälfte der Weltbevölkerung ausmachen.
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Wenn man wie die USA über 200 Billionen (deutsche Billionen) Schulden hat, und diese vor allem noch bei China und Russland, dann kann man keine großen Töne mehr spucken !!!
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Vermutlich werden nun auch bald die Sanktionen gestrichen und Deutschland kann mit seinen über TAUSEND Unternehmen in Russland wieder normale Geschäfte machen.....die Menschen hier und dort werden auch froh sein !!!!

Herr Walter Gerhartz

12.05.2015, 10:45 Uhr

Das stellt die bisherige Demontage Russlands auf den Kopf und zeigt, wie Unrecht die USA haben.

Nachdem hier jedoch erheblicher Schaden durch die unberechtigte (und negative) Einflussnahme der USA entstanden ist, wird sehr interessant zu beobachten sein, ob Russland sich wieder einlullen lässt. Die USA haben immerhin nach allen Regeln der Kunst “unlautere Mittel” eingesetzt, um Russland aus allen Märkten zu drängen und die Einflusssphären Russlands zu zerstören. Das Schlimmste daran ist die absolute und vollkommen unberechtigte Diskreditierung Russlands mittels schlimmster Propaganda, Ukraine sei Dank…

Welchen Preis werden die USA zahlen? Oder ist man bereit, die Fehler einzugestehen, “Buße zu tun”, die Scherben aufzukehren und Russland wieder zu rehabilitieren? Wäre mal was Positives!

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