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06.01.2016

16:04 Uhr

Handelspartner Saudi-Arabien

Gutes Geschäft zu jedem Preis?

VonMoritz Koch, Regina Krieger, Tanja Kuchenbecker, Katharina Slodczyk

Saudi-Arabien ist ein geschätzter Handelspartner europäischer Länder und den USA. Doch nun zwingt der Konflikt zwischen Teheran und Riad die Partner dazu, ihre Haltung zu überdenken. Unsere Korrespondenten berichten.

Umstrittener Geschäftspartner: Der saudische König Salman riskiert, dass westliche Länder auf Abstand zu seinem Regime gehen. AFP

Der saudische König Salman

Umstrittener Geschäftspartner: Der saudische König Salman riskiert, dass westliche Länder auf Abstand zu seinem Regime gehen.

Die saudische Regierung hat die Spannungen im Nahen Osten verschärft, als das Land einen prominenten schiitischen Geistlichen und 46 weitere Menschen in Saudi-Arabien hinrichtete. Eine Menschenmenge stürmte daraufhin die saudische Botschaft in Teheran, woraufhin Riad und verbündete Länder die diplomatischen Beziehungen zu Iran abbrachen.

Angesichts dieser Eskalation im Nahen Osten wird gefordert, dass die USA und andere westliche Länder auf Distanz zur saudischen Regierung gehen und ihre Wirtschaftsbeziehungen zurückfahren. Doch viele Regierungen zögern – Saudi-Arabien ist wegen der hohen Ölvorkommen ein wichtiger Partner.

Die Regionalmacht Saudi-Arabien

Öl

Dank seiner riesigen Ölvorkommen ist Saudi-Arabien das reichste Land der arabischen Welt. Das islamisch-konservative Königreich besitzt etwa 16 Prozent aller weltweit nachgewiesenen Erdölvorkommen und ist größter Exporteur des Rohstoffs. Das Geld aus den Einnahmen nutzt Riad, um sich mit Hilfe von Scheckbuchdiplomatie Einfluss zu erkaufen. So stützt Saudi-Arabien etwa mit Milliarden das Regime des ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi.

Volkswirtschaft

Unter den arabischen Ländern ist die Golfmonarchie nicht nur die größte Volkswirtschaft, sondern mit Abstand die einflussreichste Regionalmacht. So dominiert Riad die Arabische Liga und den Golfkooperationsrat (GCC). Mitte Dezember verkündete Vize-Kronprinz Mohammed Bin Salman außerdem die Gründung eines „islamischen Militärbündnisses“, zu dem 34 überwiegend muslimische Staaten zählen.

Strategischer Partner

Wegen der Ölvorkommen und des saudischen Einflusses auf die Region betrachtet der Westen das Land als wichtigen strategischen Partner. Die Lage in der von dem Herrscherhaus der Sauds regierten Monarchie ist zudem vergleichsweise stabil. Die arabischen Aufstände überstand Saudi-Arabien ohne größere Verwerfungen.

Politische Ausrichtung

Im Konflikt mit dem schiitischen Erzrivalen Iran ist die Außenpolitik des sunnitischen Königreichs seit dem Amtsantritt von König Salman vor einem Jahr jedoch deutlich aggressiver geworden. Eine von Saudi-Arabien geführte Allianz fliegt Luftangriffe gegen schiitische Huthi-Rebellen im Bürgerkriegsland Jemen. Zudem unterstützt Riad syrische Rebellen, um Machthaber Baschar al-Assad zu stürzen.

Die Allianz zwischen den USA und Saudi Arabien ist allen öffentlichen Versicherungen zum Trotz keine Freundschaft. Sie ist eine geopolitische Zweckbeziehung - begründet auf gemeinsamen Interessen, nicht auf gemeinsamen Werten. Öl gegen Sicherheit lautet die Geschäftsgrundlage. So war es im Kalten Krieg, und so ist es weiterhin. Doch das Fundament wird mürbe.

Die Zeichen der Entfremdung sind unschwer zu erkennen. Die neue, aktionistische Außenpolitik Riads missfällt den Amerikanern ebenso, wie sich die Saudis an Versuchen Washingtons stören, sich aus den Verwicklungen im Nahen Osten zu lösen. Die US-Regierung hält die saudische Bombenkampagne im Jemen für fehlgeleitet, die Saudis verärgert die Passivität der USA im syrischen Bürgerkrieg. US-Präsident Barack Obama begreift den internationalen Atom-Deal mit Iran als Baustein für eine neue, stabilere Ordnung im Nahen Osten, das saudische Königshaus befürchtet eine Machtverschiebung zu Gunsten Teherans.

Natürlich garantieren die Amerikaner weiterhin die Sicherheit der Saudis, in den vergangenen Jahren haben sie Waffenlieferungen in Höhe von mehr als 90 Milliarden Dollar bewilligt. Doch Schnittmengen der Interessen schwinden, das gilt auch im Kampf gegen den Terrorismus.

Die Amerikaner wissen genau, dass die Saudis jene radikale Islamauslegung in die Welt tragen, auf deren Grundlage Terrorgruppen wie al-Qaida und der Islamische Staat entstanden sind. All diese Gegensätze, all diese Konfliktpunkte lassen sich durch wechselseitige Freundschaftsbekundungen nicht aus der Welt schaffen. Washington und Raid driften auseinander.

Kommentare (1)

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Herr Marc Otto

07.01.2016, 20:17 Uhr

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