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31.05.2017

14:19 Uhr

Handy-Diplomatie

Wie sicher ist das Telefon des US-Präsidenten?

Donald Trump gibt gerne seine Handynummer an andere Staats- und Regierungschefs weiter. Das verstößt nicht nur gegen die Regel, sondern wirft die Frage auf, wie sicher die Gespräche des US-Präsidenten eigentlich sind.

Statt zur sicheren Leitung im Oval Office greift US-Präsident Trump lieber zum Handy. dpa

Seltener Anblick

Statt zur sicheren Leitung im Oval Office greift US-Präsident Trump lieber zum Handy.

WashingtonUS-Präsident Donald Trump hat seine Handynummer an mehrere Staats- und Regierungschefs weitergegeben und sie gebeten, ihn darauf auch anzurufen. Das geht nicht nur gegen diplomatisches Protokoll, sondern Trump macht sich damit auch zum Ziel möglicher Abhöraktionen feindlicher – aber auch verbündeter – Staaten, wie mehrere Sicherheitsexperten der Nachrichtenagentur AP sagten. Zudem stellt sich die Frage, ob solche Handy-Gespräche auch dokumentiert werden, wie es das US-Gesetz eigentlich vorschreibt.

Seit seinem Amtsantritt hat sich Trump schwergetan, sich innerhalb der engen Schranken des diplomatischen Protokolls zu bewegen – sah er sich doch selbst immer als schnellen und oft impulsiven Entscheider. In seiner Zeit als Geschäftsmann traf er seine Beschlüsse oft am Handy und war dort auch fast immer erreichbar.

Doch was im Geschäftsleben und im Privaten ganz normal ist, ist an der Spitze der US-Regierung schwierig. Telefonate zwischen Staats- und Regierungschefs sind streng durchgeplant, Gesprächspunkte und Informationen über den jeweiligen Gesprächspartner werden vorbereitet. Der US-Präsident telefoniert üblicherweise von einer der sicheren Telefonleitungen, die ihm zur Verfügung stehen, wie etwa aus dem Oval Office, dem Situation Room im Weißen Haus oder der Präsidentenlimousine.

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Wie die Nachrichtenagentur AP aus Regierungskreisen erfuhr, gab er seine direkte Handynummer bisher mindestens an den französischen Präsidenten Emmanuel Macron, den kanadischen Premier Justin Trudeau und den mexikanischen Staatschef Enrique Peña Nieto weiter und bat sie, diese auch zu nutzen. Bisher folgte demnach nur Trudeau dieser Einladung. Im Élysée-Palast in Paris wollte man nicht kommentieren, ob auch Macron die Nummer verwenden würde.

„Wenn Sie Macron wären oder der Staatschef eines anderen Landes und die Nummer des Präsidenten der Vereinigten Staaten bekommen würden, dann ist es realistisch anzunehmen, dass Sie sie gleich an ihre Geheimdienste weiterreichen“, sagte die Jura-Professorin und ehemalige Beraterin im US-Außenministerium, Ashley Deeks, der AP.

Auch Derek Chollet, der früher im Pentagon und im Nationalen Sicherheitsrat im Weißen Haus tätig war, wies darauf hin, dass Trump zwar ein Regierungshandy habe, aber dass dieses nicht abhörsicher sei. „Wenn es eine offene Leitung ist, dann ist es eine offene Leitung. Das bedeutet, dass jene, die die Fähigkeit haben, diese Gespräche zu überwachen, das auch tun“, sagte Chollet.

Kommentare (2)

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Herr Tomas Maidan

31.05.2017, 18:42 Uhr

Es ist doch offensichtlich, dass Trump damit seinen russischen Freunden eine bequeme Möglichkeit zum Mithören bieten will!

Herr Tomas Maidan

31.05.2017, 18:45 Uhr

Wenn Trump dies tut, damit die Russen leichter mithören können, dann gefährdet er damit auch die Sicherheit der ANRUFER. Deren Aufenthaltsort lässt sich dann nämlich auch blitzschnell ausmachen. Wo befindet sich gerade Trudeau? Wo Macron, wo Merkel? Eine Information, die in gewissen Kreisen eine hübsche Summe einbringen könnte. Big Deal!

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