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11.07.2011

12:57 Uhr

Hans-Böckler-Stiftung

Reallohnverlust in zwei von drei EU-Ländern

In 18 der 27 EU-Länder ist mit Reallohnverlusten zu rechnen. Das geht aus einem Vergleich aktueller Wirtschaftsprognosen der EU hervor, den das Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) vorgenommen hat.

Arbeiter,vor der Glasfassade des Bahnhofs von Frankfurt am Main. Quelle: dpa

Arbeiter,vor der Glasfassade des Bahnhofs von Frankfurt am Main.

DüsseldorfIn zwei von drei EU-Ländern müssen Arbeitnehmer in diesem Jahr einer Studie zufolge mit Reallohnverlusten rechnen. Im EU-Schnitt würden die Löhne voraussichtlich um 0,8 Prozent sinken, teilte das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung am Montag in Düsseldorf mit.

Deutschland belege mit einem minimalen Lohnwachstum um 0,1 Prozent den neunten Platz in der Rangfolge der 27 Mitgliedsländer. Das WSI hat für seinen europäischen Tarifbericht die aktuellen Wirtschaftsprognosen der EU-Kommission ausgewertet. Demnach ist in 18 der 27 Länder mit Reallohnverlusten zu rechnen. Hauptgründe dafür seien Preissteigerungen bei vergleichsweise schwachen Lohnzuwächsen. Die meisten Einbußen hätten Arbeitnehmer in Rumänien (minus 4,5 Prozent), Portugal (minus 3,6 Prozent) und Griechenland (minus 3,4 Prozent). Den höchsten Anstieg der Reallöhne erwarten die Experten dagegen in Bulgarien (plus 2,8 Prozent), Polen (plus 2,1 Prozent)und Schweden (plus 1,1 Prozent).

Kommentare (1)

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WFriedrich

11.07.2011, 15:18 Uhr

Der Reallohn beschreibt, wie viele Güter und Dienstleistungen für den Lohn erworben werden können. Häufig wird dabei nur der Nettolohn betrachtet, mit dem Güter und Dienstleistungen im individuellen Ermessen ausgewählt werden können. Dabei wird verkannt, dass der Differenzbetrag aus Wertschöpfung und Nettolohn ebenfalls zum Erwerb von Gütern und Dienstleistungen bestimmt ist. In diesem Differenzbetrag verbergen sich Gewinn, Steuern und Abgaben, die gemein- oder gruppendienlich ebenfalls zum Erwerb von Gütern und Dienstleistungen dienen. Um Reallöhne transnational vergleichbar machen zu können, muss die Effizienz dieser „stillen Löhne“ betrachtet werden. Werden mit dem einbehalten Gewinn die künftigen Arbeitsplätze gesichert; werden sie dort gesichert, wo der Gewinn erarbeitet worden ist? Verwendet der Staat unsere Steuern jederzeit sinnvoll im Interesse der Steuerzahler? Werden die Sozialabgaben vollständig zweckgebunden eingesetzt und in welchem Anteil fließen sie den Beitragszahlern oder Dritten ohne Beitragsleistung zu? Erhöhen wir unsere Reallöhne mittels Schulden und mindern wir damit zugleich die Reallöhne künftiger Generationen? Das Thema Reallöhne verdient eine umfassendere gesellschaftliche Diskussion. Insbesondere gilt es das Eigentümerbewusstsein in Bezug auf die effiziente Verwendung des Differenzbetrags von Wertschöpfung und Nettolohn zu stärken. Der Widerstand dagegen ist vielfältig: die einen fürchten Kritik an Verschwendung, die anderen Mitbestimmung und weitere den Verlust an selbstherrlicher Verteilungsmacht. Deshalb dürfen wir nicht akzeptieren, dass der Begriff „Reallohn“ auf das Verhältnis von Nettolohn und Angebotsäquivalent beschränkt wird. Stattdessen müssen wir kritisch analysieren, wofür und mit welchen Ergebnissen unsere erwirtschafteten Wertschöpfungsbeiträge verwendet werden.

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