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21.05.2015

12:20 Uhr

Happyend in Riga?

Tsipras – Griechenlands neuer Merkelist

VonGerd Höhler

Einst schimpfte Alexis Tsipras auf die deutsche Kanzlerin – als Premier sucht er die Nähe zu Angela Merkel. Auch heute auf dem EU-Gipfel in Riga. Begleitet wird seine Reise jedoch von schrillen Misstönen aus Athen.

Treffen sich zuletzt häufiger: Kanzlerin Angela Merkel und Griechenlands Premier Alexis Tsipras. dpa

Staatsbesuch

Treffen sich zuletzt häufiger: Kanzlerin Angela Merkel und Griechenlands Premier Alexis Tsipras.

AthenAls griechischer Oppositionsführer dämonisierte Alexis Tsipras die deutsche Kanzlerin als „gefährlichste Politikerin Europas“; seinen Vorgänger Antonis Samaras verspottete er als „Merkelisten“, der Weisungen aus Berlin entgegennehme. Aber als Ministerpräsident scheint Alexis Tsipras eine immer größere Anhänglichkeit zu Angela Merkel zu entwickeln. Mitunter telefoniert man mehrfach pro Woche miteinander.

Politische oder gar persönliche Zuneigung ist es wohl nicht, sondern eher die Erkenntnis, dass gegen die Kanzlerin nichts läuft in Europa. Jedenfalls sucht Tsipras Merkels Nähe. So auch an diesem Donnerstag: am Rande des EU-Gipfels in Riga will sich Tsipras mit ihr zu einem Tête-à-Tête treffen.

Für Tsipras steht in Riga viel auf dem Spiel. Dort könnte sich entscheiden, ob es in den zähen Verhandlungen mit den Gläubigern, die sich nun schon über drei Monate dahinschleppen, doch noch zu einem Happyend kommt. Tsipras weiß: Geld wird er aus der lettischen Hauptstadt nicht mitbringen. Über weitere Kredite müssen die Euro-Finanzminister entscheiden.

Wann Griechenland die nächsten Milliarden überweisen muss

Die griechische Regierung...

... steht mit dem Rücken zur Wand. In den kommenden drei Monaten müssen erhebliche Summen an die internationalen Geldgeber überwiesen werden. Es ist unklar, ob Athen den Verpflichtungen nachkommen und eine Staatspleite noch abwenden kann. Das sind die wichtigsten Termine…

Im Mai...

… hatte die Regierung in Athen zur Rückzahlung von 750 Millionen Euro an den internationalen Währungsfonds auch auf 650 Millionen von einem eigenen IWF-Konto zurückgegriffen. Unklar ist, wann sie dieses Geld wieder auf das Konto einzahlen muss. In der Regierung war damals von "einigen Wochen" die Rede.

Dem IWF...

… muss Griechenland besonders im Juni viel überweisen. In dem Monat werden insgesamt gut 1,5 Milliarden Euro fällig.

Auf vier Tranchen...

…verteilt sich laut IWF die Summe auf vier Tranchen.

5. Juni

298 Millionen Euro

12. Juni

335,2 Millionen Euro

16. Juni

558,8 Millionen Euro

19. Juni

335,2 Millionen Euro

Im Juli...

… am 13., ist eine weitere Zahlung an den IWF in Höhe von 447 Millionen Euro fällig.

Härtemonat Juli

In dem Monat werden außerdem Zinsen und Tilgung für Staatsanleihen fällig, die im Bestand der Europäischen Zentralbank (EZB) sind. Die Summe beläuft sich auf rund 3,5 Milliarden Euro. Griechenlands Finanzminister Yanis Varoufakis hat gefordert, die Rückzahlungstermine dieser Papiere zu verschieben. Die genauen Daten sind bisher nicht bekannt.

Auch im August...

… steht Griechenland vor enormen Herausforderungen, weil weitere 3,2 Milliarden Euro für die EZB fällig werden.

Zinsen

Dem IWF stehen zudem Zinsen in Höhe von rund 165 Millionen Euro zu. Dafür ist jedoch kein Datum festgelegt.

Aber er hofft auf ein Signal des Europäischen Rats, eine Weichenstellung, die zu einem positiven Abschluss der Verhandlungen führen könnte. Den Boden dafür will er am Rande des Gipfels in Einzelgesprächen mit Angela Merkel und Francois Hollande bereiten. Geht alles gut, könnten die Finanzminister der Eurogruppe am Montag zu einem Sondertreffen zusammenkommen. Damit käme Athen der Freigabe bisher zurückgehaltener Kreditraten einen großen Schritt näher.

Ob es so läuft, ist nicht sicher. Denn begleitet wird die Tsipras-Reise von schrillen Misstönen aus Athen. Der Fraktionschef des regierenden Linksbündnisses Syriza, Nikos Filis, drohte am Mittwoch an, Griechenland werde im kommenden Monat seine Zahlungen an den Internationalen Währungsfonds (IWF) einstellen. Tags zuvor hatte bereits Finanzminister Yanis Varoufakis erklärt, wenn das Geld zur Neige gehe, werde die Regierung mit Vorrang Renten und Gehälter bezahlen. Der Schuldendienst müsse dann zurückgestellt werden: „Ich ziehe es vor, gegenüber dem IWF pleite zu gehen als gegenüber den Rentnern.“ Das ist Populismus in Vollendung, zugleich aber ein Spiel mit dem Feuer: Denn versäumt Athen tatsächlich seine nächste Zahlung an den IWF, wäre das der erste Schritt auf dem wahrscheinlich unumkehrbaren Weg in den Staatsbankrott.

Kommentare (22)

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Account gelöscht!

21.05.2015, 12:43 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Jordache Gehrli

21.05.2015, 12:45 Uhr

Na......die heiraten noch, wenn das so weitergeht ;-)

Herr Ragin Allraun

21.05.2015, 12:54 Uhr

Vielleicht wird Griechenland ja ein neues Bundesland der Bundesrepublik und sie ernennt ihn in Riga zum neuen Ministerpräsidenten.

Die Idee fände ich gar nicht so uncharmant ;)

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