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01.10.2011

16:39 Uhr

Haqqani-Netzwerk

Extremisten-Anführer in Afghanistan gefasst

Ähnlich wie Al-Kaida wurde auch das Extremisten-Netzwerk Haqqani in den 80ern von der CIA gepäppelt. Es soll für zahlreiche blutige Anschläge in Kabul verantwortlich sein. Nato-Soldaten nahmen nun einen Anführer fest.

Unterstützer der religiösen pakistanischen Partei Jamaat-i-Islami protestieren gegen die USA, die dem Land enge Beziehungen zum Haqqani.Netzwerk vorgeworfen hatten. dapd

Unterstützer der religiösen pakistanischen Partei Jamaat-i-Islami protestieren gegen die USA, die dem Land enge Beziehungen zum Haqqani.Netzwerk vorgeworfen hatten.

KabulDie NATO-geführte Afghanistan-Truppe ISAF hat in Afghanistan einen der Anführer des mit den radikalislamischen Taliban verbündeten Haqqani-Netzwerks gefangen genommen. Hadschi Mali Khan, der Onkel des Haqqani-Chefs Siradschuddin Haqqani, sei am Dienstag bei einem Einsatz im Südosten Afghanistans gefasst worden, erklärte die ISAF am Samstag. Obwohl schwer bewaffnet, habe sich Hadschi Mali Khan, bei dem es sich um den „höchsten Haqqani-Kommandeur in Afghanistan“ handeln soll, widerstandslos ergeben.

Kurz nach der Erklärung der NATO veröffentlichte Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid eine Botschaft in den afghanischen Medien. Darin bestritt er die Festnahme Chans, lieferte dafür aber keinen Beweis.

Das Haqqani-Netzwerk gilt nach Angaben der Nachrichtenagentur dpa aus Sicht der Amerikaner inzwischen als die größte Bedrohung in Afghanistan. Es wird für Hunderte Anschläge verantwortlich gemacht. Darunter ist auch die 20-stündige Belagerung der US-Botschaft und des Nato-Hauptquartiers in Kabul im vergangenen Monat. Als seine Hochburg gilt Nord-Waziristan in der pakistanisch-afghanischen Grenzregion. Es ist benannt nach dem Clanchef Jalaluddin Haqqani, der in den 1980er Jahren mit Unterstützung des US-Geheimdiensts CIA gegen die sowjetischen Truppen in Afghanistan kämpfte.

US-Generalstabschef Mike Mullen hatte Pakistan vergangene Woche vorgeworfen, das Haqqani-Netzwerk zu unterstützen und über seine Geheimdienste Gewalt in Afghanistan, auch gegen US-Soldaten, zu fördern. Mullen bezeichnete das Haqqani-Netzwerk als bewaffneten Arm des pakistanischen Geheimdienstes ISI. Pakistan drohte daraufhin mit einem Ende der strategischen Partnerschaft mit den USA, sollten diese Islamabad weiterhin der Unterstützung des Terrorismus beschuldigen.

Am Samstag sind bei einem Überfall einer Taliban-Gruppe auf eine Patrouille afghanischer Grenztruppen im Norden Afghanistans mindestens sechs Menschen ums Leben gekommen. In dem mehrstündigen Gefecht im Bezirk Dasht-e-Archi in der Provinz Kundus, dem Einsatzgebiet der Bundeswehr, seien drei Grenzsoldaten getötet worden, teilten die örtlichen Behörden mit. Unter den drei getöteten Aufständischen sei auch der örtliche Taliban-Feldkommandeur Mullah Mansur.

Etwa zeitgleich sind im Nordwesten Pakistans vier Polizisten getötet worden, als ein Sprengsatz am Straßenrand explodierte. Mindestens zehn weitere seien verletzt worden, einige so schwer, dass die Zahl der Toten noch steigen könne, sagte ein Krankenhaussprecher. Nach Polizeiangaben waren die insgesamt 31 Polizisten auf dem Weg in die Garnisonsstadt Abbottabad mit ihrem Fahrzeug in eine Sprengfalle geraten. Sie sollten für den Kampf gegen radikal-islamische Taliban ausgebildet werden. In Abbottabad hatten US-Elitesoldaten im Mai den Al-Kaida-Chef Osama bin Laden aufgespürt und getötet.

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