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26.06.2011

14:38 Uhr

Harsche Kritik an Merkel

George Soros sieht Europa in „großer Krise“

Während sich die EU mit der Griechenland-Rettung abkämpft, rückt Europa immer dichter an den Abgrund, meint Investoren-Legende George Soros. Und er gibt Angela Merkel eine große Mitschuld an dem, was dem Euro noch droht.

George Soros. Quelle: Reuters

George Soros.

Wien/AthenDie Euro-Krise könnte sich in Europa zu einer neuen Finanzkrise entwickeln. Diese Warnung hat US-Milliardär George Soros am Sonntag in Wien ausgesprochen. "Europa befindet sich in einer großen Krise", sagte er auf einer Diskussionsveranstaltung in der österreichischen Hauptstadt. Fundamental entwickle sich die EU in eine falsche Richtung. "Die Politiker wollen Zeit kaufen, aber die Zeit arbeitet gegen sie", meinte der US-Milliardär ungarischer Abstimmung.

In der Vergangenheit habe sich die EU bewährt. In den Gründungsjahren der Union hätten "weitsichtige Politiker" die richtigen Schritte für eine europäische Integration eingeleitet. Heute jedoch stehe die EU vor einem Scheideweg: Wolle sie wirklich den Weg der Integration fortsetzen oder beginne eine Fokussierung zurück zu den Nationalstaaten?

Soros bezeichnete den Euro als "unvollständige Währung". Mit der Gemeinschaftswährung seien lediglich ökonomische Schritte zur europäischen Integration eingeleitet worden. Bis heute fehlten die politischen Fundamente des Euro wie ein gemeinsames Finanzministerium oder eine einheitliche Fiskalpolitik.

Deshalb habe der Euro seit seiner Einführung nicht das erreicht, was er eigentlich bewirken sollte: eine stärkere europäische Integration. Die Gemeinschaftswährung habe viel mehr dafür gesorgt, dass sich die Euro-Mitgliedsländer ökonomisch sehr unterschiedlich entwickelt hätten. In Ländern wie Spanien etwa habe es einen künstlichen Boom in der Immobilienbranche gegeben, diese Blase sei jetzt geplatzt. Deutschland hingegen habe seine Wettbewerbsfähigkeit mit Hilfe des Euro gestärkt.

Soros hielt den europäischen Politikern vor, dass sie derzeit nur den Status quo verteidigen wollten. "Es fehlt ein klarer Plan B", beklagte Soros, Gründer der gemeinnützigen Stiftung Open Society. Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel habe sich für den Weg der europäischen Des-Integration entschieden. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise habe sie durchgesetzt, dass jedes Land einen eigenen Ausweg aus der Finanzkrise suchen müsse. Die Kanzlerin verfolge also keinen gemeinschaftlichen Ansatz.

Drei Szenarien für eine Griechenland-Lösung

Neue Kredite mit freiwilliger Gläubigerbeteiligung

Wahrscheinlich: Aller Voraussicht nach wird Athen weitere Milliardenkredite erhalten verbunden mit neuen Sparauflagen. Warum? Bedingt durch ihre Konstruktion muss die EU eine einstimmige Lösung für das Griechenland-Problem finden. Und der Kompromiss heißt: neue Kredite mit neuen Auflagen und einer Beteiligung privater Investoren auf freiwilliger Basis. Das allerdings bedeutet: Der Steuerzahler wird letztlich die Hauptlast der Rettung tragen. Denn die Ökonomen sind sich einig: Eine freiwillige Umschuldung in Form einer Laufzeitverlängerung bringt Griechenland kaum Entlastung. Erstens, weil Investoren nicht freiwillig Verluste in Kauf nehmen. Zweitens verringert sich selbst bei einer Akzeptanz eines Umschuldungsangebots am Markt nicht einmal die Schuldenlast Griechenlands. Ein „bisschen Umschuldung“ funktioniert eben nicht.

Zahlungsausfall verbunden mit einem Hair-Cut

Unwahrscheinlich: Eine Alternative zu neuen Krediten wäre der Schuldenschnitt. Das Land würde seine Zahlungsunfähigkeit erklären und alle Zahlungen für ausstehende Anleihen verweigern. Gleichzeitig würde die Regierung den Investoren anbieten, die Anleihen gegen identische Papiere mit halbem Nennwert einzutauschen, die dann wieder bedient werden würden. Das Motto dieser Lösung: Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende. Auf einen Schlag würde der Staat die Hälfte seiner finanziellen Belastung los. Allerdings handelt es sich um einen „Default“, um offen erklärte Zahlungsunfähigkeit mit all ihren negativen Folgen für die Banken, die übrigen hochverschuldeten Euro-Staaten wie auch für die Griechen selbst. Außerdem wäre damit ein Präzedenzfall geschaffen, dass Staatsanleihen aus dem Euro-Raum nicht mehr als zweifelsfrei sichere Anlagen angesehen werden könnten. Das bedeutet, dass alle Länder mit zweifelhafter Bonität des Staates, derzeit vor allem Irland, Portugal und Spanien, Probleme hätten, sich über den Kapitalmarkt zu refinanzieren, weil die Investoren nicht nochmals Verluste einfahren wollen.

Das Chaos - die planlose Pleite

Sehr unwahrscheinlich: Was passiert, wenn gar keine Einigung zustande kommt? Wenn zum Beispiel in Griechenland die notwendigen Sparpakete nicht verabschiedet werden und die europäischen Regierungen anschließend weitere Hilfen verweigern? Dann geht der griechischen Regierung das Geld aus. Sie wird ihre Beschäftigten und ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen. Und die Zinsen für Kredite und Anleihen wahrscheinlich auch nicht mehr, jedenfalls nicht vollständig. Man hätte eine ungeregelte Staatspleite – ohne Hilfe von außen und ohne Vorbereitung im Inneren. Die Folge wäre nicht nur ein Chaos an den Märkten, sondern auch innerhalb des Landes. Schließlich sind viele Griechen auf staatliche Zahlungen angewiesen.

Kommentare (21)

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otto15

26.06.2011, 13:42 Uhr

Soros warnt vor Finanzkrise - was für ein Kommentar. Ich warne vor Zahnschmerzen!!

otto15

26.06.2011, 13:42 Uhr

Soros warnt vor Finanzkrise - was für ein Kommentar. Ich warne vor Zahnschmerzen!!

azaziel

26.06.2011, 14:22 Uhr

Eine gute Waehrung braucht weder ein gemeinsames Finanzministerium noch eine gemeinsame Wirtschaftspolitik! Bei Einhaltung der Regeln koennte der Euro besser und stabiler als eine reine Goldwaehrung sein. Wenn man weiss, dass man mit seinem Engagement im Risiko steht, baut sich eine natuerliche Kreditbremse auf. Das wird Investoren nicht immer vorm Verlust bewahren und Kreditnehmer nicht immer vor der Pleite. Der Euro wird gefaehrdet durch die Ausserkraftsetzung von Regeln wie a) 100prozentige Glaeubigerhaftung, b) No-Bailout Gebot, c) Verbot des Ankaufs von Staatspaieren durch Zentralbanken. Und es sind die Politiker, die aus Opportunismus sowohl vor Waehlern als auch vor Bankenlobbies einknicken.

Auch wenn Soros bei seinen Spekulationen ein glueckliches haendchen hat, zum Wirtschaftsexperten macht ihn das nicht. Er betet nur halbverstandene Phrasen nach, die andere auch singen.

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