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19.05.2017

01:02 Uhr

Hartes Sparpaket gebilligt

Auf die Griechen kommen tiefe Einschnitte zu

Tsipras hat sich durchgesetzt: Auf den Straßen protestieren Bürger, Streiks legen Teile des Landes lahm – aber er hofft, dass Griechenlands Gläubiger den Schuldenberg verringern, wenn seine Regierung spart.

Finanzkrise

Tsipras: „Mitte 2018 kann Griechenland schuldenfrei sein“

Finanzkrise: Tsipras: „Mitte 2018 kann Griechenland schuldenfrei sein“

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Das griechische Parlament hat am späten Donnerstagabend ein neues hartes Sparprogramm gebilligt. 153 Abgeordnete der Regierungskoalition unter dem linken Ministerpräsidenten Alexis Tsipras votierten dafür. 128 Parlamentarier stimmten dagegen. 19 waren nicht anwesend, teilte das Parlamentspräsidium mit.

Tsipras versicherte, mit diesem Programm könne Griechenland im Sommer 2018 wieder finanziell auf eigenen Beinen stehen. Die Opposition bezeichnete dagegen seine Politik als einen „Alptraum“. Den Griechen stünden harte Zeiten bevor.

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras (r.) und der griechische Finanzminister Efklidis Tsakalotos (l.) applaudieren am Donnerstag im Parlament in Athen. Am späten Abend fand ein weiteres Sparprogramm dort eine Mehrheit. dpa

Neue Sparmaßnahmen in Griechenland

Der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras (r.) und der griechische Finanzminister Efklidis Tsakalotos (l.) applaudieren am Donnerstag im Parlament in Athen. Am späten Abend fand ein weiteres Sparprogramm dort eine Mehrheit.

Tsipras wies die Kritik zurück: Die Opposition rede ständig die Katastrophe herbei. „Nur sie kommt nicht“, sagte er. Seine Politik werde im Sommer 2018 das Land aus der Krise und der Kuratel der Gläubiger herausgebracht haben, betonte der linke Regierungschef. Damit werde der Weg offen sein für eine Reduzierung des griechischen Schuldenberges.

Die Opposition warf Tsipras vor, bei den Verhandlungen mit den Gläubigern wertvolle Zeit verschwendet zu haben. Dies habe dazu geführt, dass Griechenland nun dieses neue Sparpaket brauche, um weiter hoffen zu können, irgendwann auf eigenen Beinen stehen zu können. „Sie haben das Land an den Rand des Abgrunds gebracht“, sagte der Chef der bürgerlichen griechischen Oppositionspartei Nea Dimokratia (ND), Kyriakos Mitsotakis, in der Debatte.

Jetzt müssten Bürger Steuern zahlen, die weniger als 500 Euro monatlich verdienten. Die Griechen erlebten mit dem neuen harten Sparprogramm einen „Alptraum“. Tsipras sei „machtbesessen“, fügte Mitsotakis hinzu, und forderte vorgezogene Wahlen.

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Die Billigung des Sparprogramms war Voraussetzung für weitere Finanzhilfen der Geldgeber. Die wichtigsten geplanten Einschnitte: Eine Kürzung der Renten ab 2019 um bis zu 18 Prozent, zudem eine Senkung des jährlichen Steuerfreibetrags ab 2020 um rund ein Drittel.

Tsipras erklärte erneut, dass seine Regierung die Sparmaßnahmen nur dann umsetzen werde, wenn Griechenlands Gläubiger die versprochenen Maßnahmen zur Verringerung des Schuldenbergs einhalten. „Das habe ich sowohl der Chefin des IWF, (Christine) Lagarde, als auch (Bundeskanzlerin) Angela Merkel gesagt“, sagte Tsipras. Er zeigte sich jedoch optimistisch. Es gebe bereits Beratungen zwischen den Gläubigern, wie der Schuldenberg reduziert werden könne.

Aus Protest gegen die - nach Angaben des Verbandes der griechischen Rentner - mittlerweile 15. Rentenkürzung seit 2010 protestierten am Donnerstag trotz strömenden Regens mehrere Hundert Rentner im Zentrum Athens. Am Abend versammelten sich rund 3000 Menschen vor dem Parlament und demonstrierten gegen das Sparprogramm. Dabei kam es zu Ausschreitungen einiger Randalierer, die Böller und Brandflaschen auf die Polizei schleuderten.

Zudem setzen Seeleute der Küstenschifffahrt den dritten Tag in Folge ihren Streik fort. Inseln ohne Flughafen sind damit praktisch von der Außenwelt abgeschnitten. Den Streik wollen die Seeleute erst am Samstag beenden.

Kommentare (2)

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Frau Leane Kamari

19.05.2017, 12:28 Uhr

Sicher wird vor den BT Wahlen im September kein deutscher Politiker aus der Deckung kommen um uns zu erklären was die griechischen Freudensprünge von Herrn Tsipras für den deutschen Steuerzahler bedeuten. Herr Schäuble sollte nicht vergessen das Bundestag und Bundesrat nur unter Auflagen dem letzten Rettungspaket (Nr. 3 - ESM) zugestimmt haben - aber das ist auf meiner Seite eher Hoffnung als Glaube. Nachdem so viele Verträge auch durch diese Bundesregierung gebrochen wurden wird sich an diesem Gehabe weder jetzt noch in Zukunft etwas ändern - traurig für die Demokratie und Glaubwürdigkeit der Parteien.

Herr Thomas Behrends

19.05.2017, 12:49 Uhr

Große Freude! Nächste Woche haben Sie die einmalige Gelegenheit diesen griechischen Gaukler und Falschspieler Varoufakis (Kollege von Tsipras) in Deutschland wieder einmal live und in Farbe zu sehen.

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Na denn, viel Spaß beim Untergang ...

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