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28.06.2013

11:48 Uhr

Hat Snowden die Schweiz beleidigt?

Frauen oft hässlich, Straßen zu schmal

Lange bevor Edward Snowden zu einem der berühmtesten Whistleblowern der Welt wurde, soll er die Schweiz mit Lästerattacken überzogen haben. Die Beschimpfungen stehen in einem Chat-Protokoll, das Snowden zugeordnet wird.

Edward Snowden hat sich offenbar in der Schweiz nicht nur Freunde gemacht. ap

Edward Snowden hat sich offenbar in der Schweiz nicht nur Freunde gemacht.

ZürichDer ehemalige US-Geheimdienstler Edward Snowden soll mit üblen Chatroom-Äußerungen einst die Schweiz schlecht gemacht haben. Die Eidgenossen seien „alles Rassisten“ und würden meist schwul aussehen, heißt es in einem Chat-Protokoll des Anwenders „TheTrueHOOHA“. Dieser Account wird vom US-Portal „Ars Technica“ dem Whistleblower Snowden zugeordnet, der derzeit wegen seiner Enthüllungen von Aktionen des US-Militärgeheimdienstes NSA von den USA strafrechtlich verfolgt wird. Die Kommentare habe Snowden in seiner Zeit als CIA-Agent bei der Genfer UN-Mission der USA zwischen 2007 und 2009 geschrieben.

„Snowden motzt über die Schweiz“, schrieb am Freitag die Zeitung „Blick“. Demnach wetterte der damals 23-Jährige unter anderem darüber, dass Schweizer Frauen oft hässlich, die Straßen zu schmal und die Gaststätten viel zu teuer seien. „Der soll sich selber mal zuerst im Spiegel ansehen“, schimpfte einer von vielen empörten „Blick“-Lesern.

US-Informant Snowden seit Wochen auf der Flucht

6. Juni 2013:

Nach Zeitungsberichten in den USA und Großbritannien zapft die US-Regierung die Rechner von Internetfirmen an, um sich Zugang zu Videos, Fotos, E-Mails und Kontaktdaten zu verschaffen. Das geheime Programm mit dem Code-Namen „Prism“ wurde demnach 2007 ins Leben gerufen.

7. Juni:

Davon profitiert hat nach Informationen des „Guardian“ auch der britische Geheimdienst GCHQ. US-Präsident Barack Obama verteidigt „Prism“ als Mittel im Kampf gegen den Terror.

9. Juni:

Hinter den Enthüllungen steckt der IT-Spezialist Edward Snowden, der zuletzt für den US-Abhördienst NSA gearbeitet hatte. Der britische „Guardian“ veröffentlicht ein Interview mit Snowden, der rund drei Wochen zuvor mit geheimen Dokumenten von Hawaii nach Hongkong geflohen war und nun auf Asyl hofft.

16. Juni:

Kurz vor Beginn des G8-Gipfels in Nordirland sorgen weitere Berichte für Aufsehen: Unter Berufung auf Snowden schreibt der „Guardian“, britische Geheimdienstler hätten 2009 die Teilnehmer des G20-Gipfeltreffens in London ausgespäht.

21. Juni:

Unter Berufung auf Gerichte heißt es in US-Medien, die USA hätten Anklage gegen Snowden wegen Spionage und Diebstahls erhoben. Der „Guardian“ berichtet, der britische GCHQ überwache Telefon und Internet weltweit in ungeahntem Ausmaß. Datenschützer sind empört.

23. Juni:

Nach Zeitungsberichten ist Snowden von Hongkong nach Moskau weitergereist. Er wolle von dort aus nach Südamerika. Ecuadors Außenminister teilt mit, Snowden habe dort einen Asylantrag gestellt. Rechtsberater von Wikileaks unterstützten Snowden auf der Flucht, teilt die Enthüllungsplattform mit.

24. Juni:

Rätselraten um Snowdens Aufenthaltsort: Während einige russische Medien berichten, er habe das Land verlassen, behaupten andere, er sei weiter im Transitbereich des Moskauer Flughafens.

25. Juni:

Russlands Präsident Wladimir Putin bestätigt, dass Snowden als Transitpassagier noch auf dem Moskauer Flughafen ist. Eine Auslieferung drohe ihm nicht.

26. Juni:

Der 30-Jährige hat nach der Annullierung seiner Dokumente durch die USA keinen gültigen Pass mehr, wie der Airport mitteilt. Die USA fordern erneut, Snowden auszuliefern.

27. Juni:

Mitglieder des US-Kongresses drohen Ecuador mit wirtschaftlichen Konsequenzen, sollte Snowdens Asylantrag bewilligt werden. Ecuador verzichtet daraufhin auf Zollvergünstigungen in den USA. Nach Meldungen in Moskau wartet Russland auf einen offiziellen Auslieferungsantrag der USA.

28. Juni:

Snowdens Vater schließt auch eine Rückkehr seines Sohnes in die USA nicht aus. Allerdings stellt dieser Bedingungen. So will Edward Snowden bis Prozessbeginn auf freiem Fuß bleiben und nicht zum Schweigen gezwungen werden.

29. Juni:

Der „Spiegel“ enthüllt, dass auch Deutschland von der US-Datenspionage betroffen ist. Die US-Geheimdienste haben demnach offenbar Kommunikations-Daten hierzulande ausgespäht. Das Magazin beruft sich auf die Unterlagen von Snowden.

01. Juli:

Snowden stellt einen Asylantrag in Russland. Zuvor hatte Präsident Putin ihm bereits Asyl angeboten – sofern er aufhöre, den USA mit seinen Veröffentlichungen Schaden zuzufügen.

02. Juli:

Der Whistleblower überlegt es sich anders und zieht seinen Antrag auf Asyl in Russland zurück. Stattdessen bittet er in 20 anderen Staaten um Asyl – darunter auch Deutschland.

05. Juli

Lateinamerika heißt Snowden willkommen: Venezuela, Bolivien und Nicaragua stellen ihm Asyl in Aussicht.

06. Juli

Snowden beantragt in Venezuela offiziell Asyl. Aus humanitären Gründen wird das lateinamerikanische Land dem Gesuch wohl stattgeben.

Bemerkenswert erscheint ein mutmaßlicher Sinneswandel Snowdens: Damals wetterte „TheTrueHOOHA“ im Chatroom von „Ars Technica“ über einen Whistleblower, der geheime Informationen an die „New York Times“ weitergeben hatte: „Diesen Leuten sollte man in die Hoden schießen“. Die Schweizer Regierung verlangt derweil von den USA Aufklärung über Snowdens Aktivitäten in Genf.

Von

dpa

Kommentare (28)

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Account gelöscht!

28.06.2013, 12:18 Uhr

Da muss doch was zu finden sein, um den Ruf weiter zu schädigen?

whisky

28.06.2013, 12:19 Uhr

Die Medien müssen halt mit aller Macht vom eigentlichen Thema "TOTALÜBERWACHUNG" ablenken.

Numismatiker

28.06.2013, 12:23 Uhr

@pappalapapp


Wenn man ihn nicht fangen kann, bewirft man ihn mit Dreck.

So funktionierten unsere westlichen Unrecht-Diktaturen nunmal.

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