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09.09.2011

10:50 Uhr

Haushaltsdefizit

Griechenlands Schuldner können nicht zahlen

Die Haushaltsziele Athens stehen auf der Kippe. Viele der Schuldner sind pleite. Von den erwarteten Einnahmen in Höhe von 30 Milliarden Euro könnte nur ein Bruchteil tatsächlich fließen.

Finanzminister Venizelos kann die Einnahmen kaum erhöhen. AFP

Finanzminister Venizelos kann die Einnahmen kaum erhöhen.

AthenEnttäuschung für das Athener Finanzministerium: Die meisten Betriebe, die dem griechischen Staat Geld schulden, sind staatliche oder bereits pleitegegangene Unternehmen. Demnach schwindet die Hoffnung, rund 30 Milliarden Euro einzutreiben. Dies ergibt sich aus einer Liste der Steuer- und Schuldensünder, die das griechische Finanzministerium am Freitag veröffentlichte.

Ganz oben der Liste mit den größten Steuersündern stehen die griechischen staatlichen Eisenbahnen (OSE), die dem Staat gut 1,26 Milliarden Euro schulden. Vize-Steuersündermeister mit knapp einer halben Milliarde Euro ist ein bereits untergegangenes Import-Export-Unternehmen. 103 Millionen Euro schuldet der Sportverein AEK Athen, der vor einigen Jahren Insolvenz angemeldet hatte. Gut 22 Millionen Euro schuldet ein großes Kaufhaus in Athen (Minion), das aber vor 25 Jahren nach einem Terroranschlag ausbrannte und dessen Besitzer nicht mehr lebt.

Experten sagten im griechischen Rundfunk, der Staat dürfte „glücklich sein“ wenn er statt 30 Milliarden in den kommenden Zeit zwei bis höchstens drei Milliarden kassiert. Angesichts der dramatischen Finanzlage des Landes sei aber auch dies nicht unbedeutend. Auf der Liste stehen nämlich auch bekannte Unternehmen, die noch existieren, wie eine große Firma, die Hähnchenfleisch überall in Griechenland verkauft oder einer der bekanntesten Auto-Pannenhilfe-Unternehmen Griechenlands, das 19,3 Millionen Euro schuldet.

Mit Spannung wird nun die Veröffentlichung der Namen von säumigen Privatpersonen erwartet, wie Star-Architekten, Ärzte oder Rechtsanwälte. Diese schulden nach Angaben des Finanzministeriums dem Staat insgesamt zwölf Milliarden Euro. „Dann werden wir klar sehen, wer die große Steuerhinterziehung betreibt“, sagte der Athener Prokurist Nikos Wroussis am Freitag.

„Die Namen dieser Freiberufler werden wir bald bekannt geben“, sagte ein Sprecher des Finanzministeriums. Es wird erwartet, dass die Datenschutzbehörde dazu bald grünes Licht gibt. Um die dramatische Staatsschulden abzubauen, muss die griechische Regierung verstärkt den Steuersündern an den Kragen gehen. Experten rechneten wiederholt vor, dass die griechischen Schulden binnen zehn Jahren abgetragen werden könnten, wenn es gelänge, die Steuerhinterziehung größtenteils einzudämmen.

Von

dpa

Kommentare (12)

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MikeM

09.09.2011, 11:40 Uhr

Nein sowas! Das war natürlich nicht vorhersehbar! Wer glaubt eigentlich dem Quatsch noch, den die Griechen regelmäßig versprechen?! Da werden Summen in den Raum gestellt, die Grundlage neuer Hilfszahlungen sind, in dem Bewusstsein, dass dies alles Makulatur ist. Die Zahlungen erfolgen dann trotzdem. In dieses böse Spiel sind EU Kommission und EZB genauso verwickelt, wie die griechische Regierung.

Account gelöscht!

09.09.2011, 12:09 Uhr

Jeder normal denkender Mensch konnte dies sehen, dass die Kunden Griechenlands ebenfalls pleite sind, nur leider haben es diese Politik Hasardeure in Berlin und Brüssel angeblich nicht wissen wollen.
Danke

Thomas-Melber-Stuttgart

09.09.2011, 12:22 Uhr

Das wird ja immer erbärmlicher.

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