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29.07.2014

21:49 Uhr

Heftige Angriffe

In Gaza regiert die Panik

Der Konflikt zwischen Israel und Gaza spitzt sich weiter zu. Nach heftigen Angriffen des israelischen Militärs wird die Versorgungslage kritisch. Hunderttausende suchen Uno-Schutz. Tote gibt es auf allen Seiten.

Zerstörter Einsatzwagen der Uno: In Gaza starben auch fünf Angehörige der Weltorganisation. ap

Zerstörter Einsatzwagen der Uno: In Gaza starben auch fünf Angehörige der Weltorganisation.

Gaza/Tel AvivNach den schlimmsten Bombardierungen seit Beginn der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen machen sich zunehmend Panik und Verzweiflung in der Enklave breit. Immer mehr verängstigte Menschen versuchten, dem Inferno zu entrinnen. Sie flohen in eine von 85 UN-Einrichtungen, die als Notunterkünfte dienen. Die Zahl der Schutzsuchenden gab der Sprecher des UN-Hilfswerks UNRWA, Chris Gunness, am Dienstagabend mit mehr als 200.000 an. Das waren fast 20.000 mehr als noch am Morgen.

Aber auch dort ist es nicht immer sicher. So fanden UN-Mitarbeiter in einer von ihnen verwalteten Schule ein Waffenlager. Die Weltorganisation beschuldigte militante Palästinenser, „die Neutralität einer unserer Einrichtungen verletzt“ zu haben. Die Schule werde derzeit nicht genutzt. Die israelische Armee hatte wiederholt auch Schulen oder Moscheen nach einer kurzen Vorwarnung angegriffen, wenn sie dort Waffenlager vermutete.

Zudem wurde auch noch das einzige Kraftwerk des Gazastreifens von Granaten in Brand gesetzt. In weiten Teilen des Gebiets fiel der ohnehin nur stundenweise zur Verfügung stehende Strom ganz aus. Palästinenser und Israelis bezichtigten sich gegenseitig, die Geschosse abgefeuert zu haben. Die Zahl der Toten seit Montagabend auf palästinensischer Seite wurde mit mehr als 100 angegeben.

Krieg in Gaza: Die Tunnel der Angst

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Israel will den Krieg nicht beenden, solange die Tunnel unter Gazas Grenzen existieren. Doch die Enklave kann auf die bizarre Unterwelt nicht verzichten. Auch wenn die Hamas durch die Gänge nicht nur Schafe schmuggelt.

Auch in Israel litten die Menschen unter den Folgen des Krieges. Erstmals wurden die Bürger der israelischen Mittelmeermetropole Tel Aviv auch mitten in der Nacht von Luftalarm aus den Betten geholt. Zwei Raketen aus dem Gazastreifen seien nahe Rischon Lezion südöstlich von Tel Aviv eingeschlagen, teilte die Armee mit.

Ein Ende der Gewalt war unterdessen zu Beginn der vierten Kampfwoche nicht in Sicht. Die radikal-islamische Hamas dementierte eine Mitteilung des PLO-Funktionärs Jasser Abed Rabbo, wonach die militanten Palästinenser-Fraktionen in Gaza einer 72-stündigen Waffenruhe zugestimmt hätten. Das sei erst denkbar, wenn sich auch Israel dazu verpflichte und es internationale Garantien gebe, sagte Hamas-Sprecher Sami Abu Zuhri in Gaza.

In der Nacht hatten schwere Bombardements den Gazastreifen erschüttert. Palästinensische Augenzeugen berichteten, das Militär habe aus der Luft, mit Artillerie und von Kriegsschiffen aus geschossen. Ein Korrespondent der Nachrichtenagentur dpa in Gaza sprach von einer Nacht „voller Horror, Angst und Panik“. Eine junge Deutsche palästinensischer Herkunft, die in Gaza lebt, sagte der Nachrichtenagentur dpa: „Wir wissen jetzt nicht, wo wir hingehen sollen. Das ist das Problem“. An Schlaf sei nicht zu denken, da in der Nacht bombardiert werde, sagte die 18-Jährige.

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