Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.10.2014

17:25 Uhr

Heftige Kämpfe

Allianz bombardiert IS-Stellungen bei Kobane

Seit Tagen versuchen IS-Extremisten, die kurdische Stadt Kobane einzunehmen. Sie sind nur wenige Kilometer entfernt. Doch die USA und ihre arabischen Verbündeten wollen den Vormarsch mit Bombardements verhindern.

Nach Angaben auch von kurdischer Seite haben die USA und deren arabische Verbündete erneut mehrere IS-Stellungen erfolgreich bombardiert. dpa

Nach Angaben auch von kurdischer Seite haben die USA und deren arabische Verbündete erneut mehrere IS-Stellungen erfolgreich bombardiert.

KobaneMit Angriffen auf die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) versuchen die USA und ihre arabischen Verbündeten, den Vormarsch der Extremisten auf die nordsyrische Stadt Kobane zu stoppen. Das internationale Bündnis bombardierte am Mittwoch IS-Stellungen östlich von Kobane. Die Stadt an der Grenze zur Türkei ist die letzte Bastion in einer Enklave, die bisher unter Kontrolle syrischer Kurden stand. Kurden und IS-Extremisten lieferten sich weiter heftige Kämpfe.

Der IS habe Verstärkung von neuen Kämpfern aus dem Osten Syriens erhalten, sagte der Chef der selbst ernannten Regionalregierung von Kobane, Anwar Muslim, der Nachrichtenagentur dpa. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete, die Terrormiliz habe seit dem Morgengrauen ihre Artillerieangriffe auf Kobane verstärkt. Bei den Kämpfen seien auf beiden Seiten Menschen getötet worden.

Die IS-Terrormiliz versucht seit mehr als zwei Wochen, Kobane (Arabisch: Ain al-Arab) einzunehmen. Sie steht nur noch zwei bis drei Kilometer von der kurdischen Stadt entfernt. Die Extremisten haben seit Beginn ihrer Angriffe bereits mehr als 300 Dörfer im Umland unter Kontrolle gebracht, wie die Beobachtungsstelle berichtete. Die Orte liegen an der Grenze zur Türkei in einer Enklave, die von kurdischen Volksschutzeinheiten kontrolliert wurde.

Wer den Kampf gegen IS anführt

USA

Als federführende Macht im Bündnis haben die USA bereits Dutzende Luftangriffe auf IS-Ziele im Irak und in Syrien geflogen. Washington schickte zudem Militärberater, Versorgungsgüter und humanitäre Hilfe, um irakischen und kurdischen Truppen im Kampf gegen die Extremisten unter die Arme zu greifen.

Die Golfstaaten

Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate und Bahrain haben sich an Luftangriffen auf IS-Stellungen in Syrien beteiligt. Ein vierter Akteur, Katar, hat laut Pentagon eine unterstützende Rolle inne. Die Emirate und Katar haben ihre Luftwaffenbasen zudem als Rampe für die Anti-IS-Offensive zur Verfügung gestellt. Ebenfalls beteiligte US-Marineschiffe wurden der im Bahrain stationierten Fünften Flotte der Navy zugeteilt. Saudi-Arabien hat sich zudem als Gastgeberland für die Ausbildung moderater syrischer Rebellen angeboten.

Jordanien

Jordanien hat schon selbst Luftangriffe gegen IS-Stellungen geflogen. Anhaltende Grenzverletzungen hätten diesen Schritt nötig gemacht, teilte Regierungssprecher Mohammed Al-Momani mit. Details über die Operationen gab das Königreich zwar nicht preis. Doch hieß es, die Luftangriffe sollen Jordaniens Sicherheit gewährleisten.

Ägypten

Eine konkrete Beteiligung an den Luftangriffen gegen die IS-Miliz hat Kairo zwar bislang nicht in Aussicht gestellt. Doch bekräftigte Präsident Abdel-Fattah al-Sisi kürzlich in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP die „umfassende Bereitschaft zur Unterstützung“ der Anti-IS-Koalition. „Wir werden alles tun, was erforderlich ist“, versprach er.

Israel

Das Land hilft vor allem im Verborgenen: Die USA erhielten von Israel geheimdienstliche Einschätzungen und konkrete Erkenntnisse über die IS-Miliz, sagt ein Gewährsmann im Verteidigungsministerium. Dies sei Teil der anhaltenden bilateralen Geheimdienstkooperation. Im Übrigen sei Israel nicht um einen Beitrag gebeten worden, der darüber hinausginge.

Großbritannien

Über dem Irak operieren britische „Tornado“-Jagdbomber, unterstützt von Tankflugzeugen und Signalaufklärung, teilte die Regierung in London mit. Britischen Medien zufolge stehen zudem auf Zypern sechs Kampfjets in Bereitschaft. Angaben über deren Zahl will das Militär jedoch nicht nennen. Die „Tornado“-Jets erweiterten die Fähigkeit der Anti-IS-Koalition, bewegliche Ziele ins Visier zu nehmen, erklärt Ben Goodland. Zudem stehen den Briten zwei Langstreckenwaffensysteme zur Verfügung: Tornado-Marschflugkörper vom Typ Storm Shadow sowie U-Boot-gestützte Tomahawk-Geschosse.

Frankreich

Seit dem Eintritt in die Anti-IS-Koalition am 19. September hat das französische Militär zweimal Luftangriffe im Irak geflogen. Dabei feuerten Rafale-Kampfjets lasergesteuerte Bomben auf Munitionslager und Militärgerät ab, zunächst nahe Mossul und am Donnerstag unweit von Falludscha. Koordiniert wird das Ganze von einem französischen Luftwaffenstützpunkt in den Vereinigten Arabischen Emiraten aus. Auf der Basis sind 750 Militärangehörige und sechs Rafale-Kampfjets stationiert.

Deutschland

Eine deutsche Beteiligung an den Luftangriffen gegen die IS-Miliz soll es nicht geben. Allerdings unterstützt die Bundesregierung die kurdischen Peschmerga-Kämpfer im irakischen Erbil mit Waffen. Einige von ihnen werden in Deutschland von der Bundeswehr ausgebildet. In Erbil schulen zudem deutsche Soldaten die Peschmerga-Kämpfer im Umgang mit Waffen.

Belgien

Das Land will sechs F-16-Mehrzweckkampfjets und ein Hilfsteam mit 120 Personen, darunter acht Piloten, in Jordanien stationieren. Sie haben ein Mandat für einmonatige Operationen im Irak. Eine Verlängerung wäre bei Zustimmung des belgischen Parlaments möglich.

Dänemark

Kopenhagen hat sieben F-16-Kampfjets, Piloten und Hilfspersonal im Kampf gegen die Dschihadisten versprochen. Ihre Einsatzzeit beträgt zwölf Monate. Washington bat Dänemark auch um die Entsendung von Militärausbildern in den Irak gebeten. Dort sollen sie irakische und kurdische Sicherheitskräfte im Bodenkampf gegen die IS-Milizen schulen.

Kanada

Ottawa hat rund 70 Elitesoldaten abgestellt, die kurdische Truppen im Nordirak beraten sollen. Noch diese Woche will das Kabinett von Premierminister Stephen Harper zudem eine US-Bitte um Teilnahme an den Luftangriffen gegen IS-Stellungen prüfen. Kanada hat bereits zwei Militärfrachtflugzeuge beigesteuert, die Waffen für die kurdischen Kämpfern geladen hatten.

Australien

Ein Luftwaffenkontingent, darunter acht F/A-18-Kampfjets vom Typ Hornet und zwei Unterstützungsflugzeuge, hat Canberra bereits in die Vereinigten Arabischen Emirate geschickt. Mit dabei sind auch 600 Soldaten, die meisten von ihnen Mitglieder der Luftwaffe. Es wird erwartet, dass die australischen Kampfjets an Einsätzen gegen die IS-Miliz im Irak teilnehmen. Die Regierung von Premierminister Tony Abbott hat sich jedoch noch nicht auf eine Kampfrolle festgelegt.

Die syrischen Menschenrechtsbeobachter meldeten, die IS-Extremisten hätten vier Kämpfer der Kurden geköpft, die bei den Kämpfen um Kobane gefangen genommen worden seien. Drei davon seien Frauen gewesen. Die Köpfe der Toten seien in der Stadt Dscharablus aufgehängt worden.

Angesichts des IS-Vormarschs will sich die türkische Regierung vom Parlament die Erlaubnis für Militäroperationen in Syrien und im Irak geben lassen. Die Abgeordneten wollten am Donnerstag darüber beschließen, meldete die staatsnahe Nachrichtenagentur Anadolu.

Der Regierung des Nato-Mitglieds soll erlaubt werden, über den Zeitpunkt, die Dauer und das Ausmaß militärischer Operationen in den Nachbarländern zu entscheiden, hieß es weiter. Ankara werde auch dazu befugt, über die Anwesenheit ausländischer Truppen in der Türkei zu entscheiden. Die Erlaubnis gelte für ein Jahr.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Eric Boule

02.10.2014, 17:18 Uhr

Jetzt haben die USA wieder Freiwillige zum Krieg gesammelt,diesmal handelt es sich um ISIS in Irak+Syrien.Diese Rebellen/Islamisten wurden schon 4 Jahren bekaempft von Assad,Hizbollah,Iran,Irak,waehrend die Rebellen vom Westen/Nato unterstuetzt wurden mit Trainierung,Finanzierung,Bewaffnung,logistische+geheimdienstliche Unterstuetzung.Jetzt hat der US-Nobelpreistraeger ein Monster geschaffen das wieder bekaempft werden muss.Auch sollen jetzt ruckzuck 15.000 neue Rebellen ausgebildet werden fuer eine syrische Gruppe die sowieso keine Chancen hat in diesem Spiel.Man muss sich die Frage stellen ob die USA ueberhaupt faehig sind hier eine Loesung zu forcieren nach allen Katastrophen in Irak,Syrien,Afganistan,Somalien,Palestina,Ukraine,Lybien,Yemen ,usw.Auch das US-Isolieren von Weltmaechten wie China+Russland ist nicht hilfreich fuer weltweite ProblemLoesungen.
Deshalb muss man den US-Auftritt i/d UN-Versammlung Herbst 2014 als eine Flucht nach vorne bewerten um das US-Versagen zu verhuellen. Leider haben die Politiker in Bruessel und EU-Hauptstaedten noch viel Nachhohlbedarf um ihre Erkentnisse aufzufrischen,und grundlegende Entscheidungen zu treffen wie das Beenden der Agressionen+konfrontationen zusammen mit USA.Man koennte die Nato in eine EU-Organisation aendern,ohne USA

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×