Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.01.2005

15:03 Uhr

Heftige Reaktionen

„Vorposten der Tyrannei“ sauer auf Rice

Der Vorwurf der künftigen US-Außenministerin Condoleezza Rice gegen Iran, Nordkorea, Weißrussland, Kuba, Birma und Simbabwe, „Vorposten der Tyrannei“ zu sein, hat dort empörte Reaktionen ausgelöst.

HB WASHINGTON. Die Regierung von Simbabwe beschimpfte Rice als „Faschistin. Kuba verlangte von den USA ein Ende der Menschenrechtsverletzungen in Guantánamo. Der iranische Präsident Mohammed Chatami sagte, sein Land sei im Falle eines US-Angriffs zur Verteidigung bereit. Weißrussland strahlte den Bush-kritischen Film „Fahrenheit 9/11“ von Michael Moore im Staatsfernsehen aus.

Rice hatte in einer Anhörung vor dem außenpolitischen Senatsausschuss am Dienstag den Willen der USA betont, mit der Verbreitung von Demokratie die Welt sicherer und gerechter zu machen und dabei die sechs Länder als „Vorposten der Tyrannei“ gebrandmarkt. US-Präsident George W. Bush hatte in einem am Montag veröffentlichten Interview des US-Senders NBC den Ton gegenüber Iran verschärft und einen Militärschlag gegen das Land nicht mehr ausgeschlossen.

Chatami warf den USA am Donnerstag bei einem Besuch in Ugandas Hauptstadt Kampala vor, mit ihrer Politik im Irak und der Besetzung des Landes für eine Ausbreitung terroristischer Gruppen gesorgt zu haben, die dort unbarmherzig Zivilisten töteten.

Der Anti-Korruptionsminister von Simbabwe, Didymus Mutasa, sagte dem britischen Sender BBC, die USA würden Probleme bekommen, wenn sie versuchten, Simbabwe anzugreifen wie zuvor den Irak. Die Iraker hätten die Amerikaner schon nicht gut behandelt. Sollten sie nach Simbabwe kommen, würden die USA etwas erleben.

Der Sprecher des weißrussischen Außenministeriums, Andrej Sawinych, sagte nach Moskauer Medienberichten, die Äußerungen von Rice seien „weit von jeder Realität entfernt. „Falsche Stereotypen und Vorurteile sind eine schlechte Grundlage für eine effektive Außenpolitik“. Der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko gilt seinen Kritikern als „letzter Diktator Europas“.

Die kubanische Regierung forderte von den USA das sofortige Ende der Menschenrechtsverletzungen auf dem im Osten der Insel gelegenen US-Marinestützpunkt Guantánamo. „Die Gräuel, die auf dieser Basis begangen werden und die Tatsache, dieses illegal besetzte kubanische Territorium als Gefängnis zu nutzen, verletzten zahlreiche Bestimmungen des humanitären Völkerrechtes“, hieß es in einer im Fernsehen verlesenen Protestnote des kubanischen Außenministeriums.

Auf dem Marinestützpunkt werden seit Anfang 2002 mutmaßliche Taliban- und El-Kaida-Kämpfer gefangen gehalten. Die USA hatten den Stützpunkt 1903 von Kuba gepachtet. Seit der kubanischen Revolution 1959 verweigert Kuba die Annahme der Pachtzahlungen und fordert die Rückgabe des Gebietes.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×