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11.10.2011

15:49 Uhr

Helmut Schmidt

„Der Teufel soll sie holen, wenn sie Griechenland nicht retten“

VonGiovanni di Lorenzo
Quelle:Zeit Online

Der Altkanzler wehrt sich gegen Euro-Hysterie. Bislang sei nicht ein einziger Euro aus Deutschland nach Griechenland geflossen. Anstatt Stimmung gegen Athen zu machen, solle die Politik lieber die Finanzmärkte zügeln.

Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt wehrt sich gegen die Hysterie in der Euro-Debatte. dapd

Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt wehrt sich gegen die Hysterie in der Euro-Debatte.

Lieber Herr Schmidt, seit Monaten berichten die Medien unaufhörlich über die Turbulenzen auf den Finanzmärkten. Aber soviel die Leute auch lesen und hören, in einem Punkt werden sie nicht schlauer: Wäre die Pleite Griechenlands nun eigentlich ein Desaster für die Europäische Union oder nicht? Können Sie uns aufklären?

Helmut Schmidt: Die ökonomische Bedeutung des griechischen Staates und seiner Volkswirtschaft kann man ermessen, wenn man sich klarmacht, dass das griechische Sozialprodukt etwa 2,5 Prozent des Sozialprodukts der Europäischen Union ausmacht...

...das Land hat ungefähr die Wirtschaftskraft von Hessen.

Wenn dieser Staat vorübergehend zahlungsunfähig würde, dann wäre das für die Griechen und für alle anderen Europäer ein großes Unglück, aber kein existenziell gefährdendes Unglück. Das gilt sowohl für die wirtschaftlichen als auch die politischen Folgen eines solchen Bankrotts. Die politischen Folgen würden möglicherweise noch schwerer wiegen, denn es könnte der Eindruck entstehen, dass es um die Solidarität unter den Europäern noch viel schlechter bestellt ist, als wir uns das in den letzten Jahren vorgestellt haben. Das Vertrauen in die Gemeinschaft der 27 Mitglieder würde weiter schwinden. Dieser politische Preis wäre zu hoch. Deshalb müssen die Staaten der Europäischen Union Griechenland helfen.

Aber ist nicht der politische Preis für alle beteiligten Regierungen mindestens genauso hoch, wenn sie ihren Bürgern immer wieder erklären müssen, dass Griechenland ein Fass ohne Boden ist? Es gehört doch auch zu den vornehmsten Aufgaben von Politikern, Schaden vom eigenen Land abzuwenden!

Die Griechen sind die älteste Kulturnation Europas. Heute benötigen sie einen durchgreifenden Gesundungsplan, der sich nicht nur auf finanzielle Hilfen beschränken darf. Diesen Plan gibt es noch nicht, er muss erst noch zusammengebaut werden. Im Übrigen halte ich die Abwägung zwischen nationalen Interessen und Unionsinteressen für irreführend; denn die Unionsinteressen sind zugleich nationale Interessen der Deutschen, ganz sicherlich ebenso nationale Interessen der Franzosen, der Holländer, der Polen und vieler anderer europäischer Nationen.

Aber was tun, wenn die Griechen ihre Hausaufgaben nicht machen?

Die bisherigen Ermahnungen, Ratschläge und herablassenden Belehrungen seitens anderer Mitglieder der Europäischen Union haben in Griechenland eine Depression ausgelöst. Ich scheue mich deshalb, den Griechen vorzuwerfen, dass sie nicht ganz so viel gespart haben, wie alle anderen fordern. Denn die Sparerei ist eine der Ursachen für die Depression. Sicher ist jedenfalls, dass die Griechen, egal, wie es jetzt weitergeht, vor einer Reihe bitterer Jahre stehen.

Kommentare (71)

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11.10.2011, 16:03 Uhr

Ich schätze Helmut Schmidt. Aber alles hat seine Zeit. Wie viele haben sich schon selbst demontiert, weil sie zu vorgerückter Zeit einfach nicht die Klappe halten konnten.

Account gelöscht!

11.10.2011, 16:13 Uhr

Dieser alte keynesianische Greis, der die aktuelle Situation mitverursacht hat, sollte besser seine Hamburger Schnauze halten.
Früher habe ich diesen Menschen sogar Ehre entgegen gebracht. Mittlerweile habe ich nichts als Verachtung für solche Politiker übrig. Für Schmidt sogar besonders viel Verachtung. Einfach nur noch widerlich!

Sabine

11.10.2011, 16:14 Uhr

Der werte Herr Schmidt hat Recht.Immerhin weiß das Ausland mehr,als wir großen Deutschen.Keine Sorge,Herr Schmidt,sie müßten doch auch wissen,was in GR bereits zu Gesetz wurde und als endgültig beschlossen gilt.Nur das Volk in D weiß es nicht.Im Moment hab ich für Artikel dieser Art kein Verständnis.

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