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11.11.2013

19:43 Uhr

Herabstufung der Bonitätsnote

Fitch droht Zypern

Der angeschlagene Inselstaat Zypern ist noch einmal mit einem blauen Auge davon gekommen. Die US-Ratingagentur Fitch belässt es vorerst beim bisherigen Rating - droht aber mit der Abstufung.

Zypern droht im schlimmsten Fall die Abstufung der Bonität. dpa

Zypern droht im schlimmsten Fall die Abstufung der Bonität.

LondonDie Ratingagentur Fitch droht Zypern weiter mit der Herabstufung seiner Kreditwürdigkeit. Die Bonitätsnote von Anleihen, die nach ausländischem Recht aufgelegt worden sind, bleibe aber bei „B-“, teilte Fitch am Montag in London mit. Der Ausblick für das Rating bleibe „Negativ“. Die aktuelle Bonitätsnote liegt sechs Stufen unter dem „Investment-Grade“-Niveau, das sichere Anlageformen kennzeichnet. Anleihen die nach einheimischen Recht aufgelegt werden, bewertet Fitch lediglich mit der Note „CCC“.

Für die aktuelle Bewertung gebe es weiter große Abwärtsrisiken. So bleibe Zypern auch in nächsten Jahr in einer tiefen Rezession. Die zyprische Wirtschaft wird laut Fitch im laufenden Jahr um sieben Prozent und im kommenden Jahr um acht Prozent schrumpfen. Allerdings habe sich das Wachstum im Jahr 2013 etwas besser entwickelt als von Fitch erwartet. Positiv bewertet die Agentur das Hilfsprogramm der internationalen Geldgeber. Dies sichere zumindest kurzfristig die Liquidität des Landes.

Eckpunkte des Zypern-Hilfspakets

Finanzbedarf

Hier gab es zuletzt Irritationen. Im Juni vergangenen Jahres hatte Zypern Hilfen von gut 17 Milliarden Euro beantragt. Nach langen Verhandlungen steht nun fest, dass die internationalen Geldgeber „nur“ bis zu zehn Milliarden Euro Hilfskredite bereitstellen werden bis zum ersten Quartal 2016. Bis zu neun Milliarden kommen aus dem Euro-Rettungsfonds ESM, eine Milliarde will der Internationalen Währungsfonds (IWF) zur Verfügung stellen.

Beitrag der Banken

Eigentümer und andere Gläubiger zyprischer Banken und deren Anleger mit Guthaben über 100.000 Euro werden zur Kasse gebeten. Die Laiki Bank wird abgewickelt, die Bank of Cyprus saniert. Allein über die Beteiligung ungesicherter Einlagen beider Banken sollen zur Rekapitalisierung schätzungsweise 8,3 Milliarden zusammenkommen. Der endgültige Betrag ist aber noch offen.

Weitere Einnahmen und Reformen

Die Unternehmens- und Zinsertragsteuer in Zypern steigen, Betriebe sollen privatisiert und Gold verkauft werden. Inländische Anleger sollen zu längeren Laufzeiten bei den von ihnen gehaltenen Staatsanleihen bewegt werden. Gefordert sind ferner auch eine Rentenreform, ein höheres Pensionsalter, Einschnitte beim Renteneintrittsalter und Kürzungen im Gesundheitssystem. Zypern soll zudem den Kampf gegen Geldwäsche verstärken.

Wirtschaftswachstum

Unterstellt wird, dass die zyprische Wirtschaft ab 2015 wieder mit positiven Wachstumsraten anzieht – nach einem Einbruch beim Bruttoinlandsprodukt um 8,7 Prozent in diesem und 3,9 Prozent im nächsten Jahr.

Schuldenabbau und Etatsanierung

Der Schuldenstand wird nach fast 87 Prozent der Wirtschaftsleistung nach der Projektion bis zum Jahr 2015 auf den Spitzenwert von 126 Prozent klettern. Danach soll er sinken – auf 122 Prozent bis Ende 2016 und 2020 auf 104 Prozent.

Haftungsanpassung

Deutschland muss etwas mehr beim auslaufenden Rettungsfonds EFSF absichern. Zypern hatte beantragt, bei den Garantieleistungen für den EFSF entlastet zu werden. So ein „Stepping Out“ wurde auch anderen Ländern gewährt. Der deutsche Haftungsanteil erhöht sich damit von 29,07 auf 29,13 Prozent.

Portugal und Irland

Die Laufzeiten der Hilfskredite an beide Länder sollen um sieben Jahre verlängert werden. Das mindert Ansteckungsgefahren. Volumen und Auflagen ändern sich nicht.

Im vergangenen Donnerstag hatte die sogenannte Troika aus EU, Internationalem Währungsfond (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) die Umsetzung der Auflagen durch Zypern gelobt. Alle Finanzziele seien erreicht worden und auch die Strukturreformen seien auf Kurs. Fitch sieht jedoch weiter die Gefahr, dass die politische Unterstützung für das Reformprogramm nachlassen könnte. Der Bankensektor hatte Zypern tief in die Krise getrieben. Das Euroland war im Frühjahr mit der Hilfe internationaler Geldgeber vor der Pleite bewahrt worden. Anleger und Investoren mussten mit einer Zwangsabgabe zur Rettung beitragen.

Die Europartner und der IWF greifen Zypern mit Hilfen in Höhe von zehn Milliarden Euro unter die Arme. Neun Milliarden Euro schultert der Rettungsschirm ESM, die restliche Milliarde stemmt der Weltwährungsfonds. Die Zyprer selbst müssen 13 Milliarden Euro beisteuern.

Von

dpa

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