Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.01.2012

20:51 Uhr

Herabstufung durch S&P

Frankreich fürchtet den „Teufelskreis“

Die Herabstufung der Bonitätsnote durch die Ratingagentur Standard & Poor's könnte Frankreich in die Schuldenspirale abdriften lassen. Vor allem Spekulanten gelten dabei als größtes Risiko.

Frankreichs Präsident warnte nach der angekündigten Herabstufung durch S&P vor einer Panik. dpa

Frankreichs Präsident warnte nach der angekündigten Herabstufung durch S&P vor einer Panik.

Paris„Wir werden mit kühlem Kopf auf eine solche Situation reagieren. Das wird eine Schwierigkeit mehr sein, aber nicht unüberwindbar.“ Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy gab schon Mitte Dezember die Parole aus, dass nach einem Verlust der französischen Top-Note AAA für die Kreditwürdigkeit nicht die blanke Panik in Paris ausbrechen dürfe. Nun steht die befürchtete Herabstufung durch die US-Agentur Standard & Poor's (S&P) fest - genau hundert Tage vor der Präsidentschaftswahl.

Zwei Milliarden-Sparpakete hat die konservative Regierung in den vergangenen Monaten aufgelegt, immer mit der Begründung, dass nur so die drohende Herabstufung durch die Rating-Agenturen verhindert werden könne. Die Angst besteht vor allem darin, so stark in den Sog der Euro-Krise zu kommen, dass die Zinsen für französische Staatsschuldpapiere in die Höhe schießen. In einer Reihe mit Krisenländern wie Italien und Spanien will das Land auf keinen Fall stehen.

Ökonomen-Umfrage: Verschärft ein neuer Rating-Schock die Euro-Krise?

Ökonomen-Umfrage

exklusivVerschärft ein neuer Rating-Schock die Euro-Krise?

Frankreich hat sein Top-Rating verloren. Was bedeutet die Abstufung durch S&P für die Rettungsbemühungen in der Schuldenkrise? Ökonomen bewerten die Folgen unterschiedlich.

Der Verlust der Top-Note AAA ist für Sarkozy ein schwerer Schlag: Rund drei Monate vor der Präsidentenwahl wird ihm angelastet, dass er Frankreich nicht auf einer Ebene mit AAA-Ländern wie Deutschland halten kann. „Das ist ein dreifaches Scheitern für Sarkozy“, verkündeten die Sozialisten am Freitag prompt: ein Scheitern in der Wirtschaftspolitik, bei der Krisenbewältigung und in der Sozialpolitik.

Befürchtungen, dass den Franzosen nun noch eine weitere Sparrunde drohen könnte, wies die Regierung in Paris zurück. Denn eine Herabstufung geht in der Regel mit steigenden Zinsen für staatliche Schulde einher. Angesichts des bereits hohen Haushaltsdefizits und des schwächelnden Wachstums müssten dann zusätzliche Löcher gestopft werden.

Wieso das Rating Frankreichs so wichtig ist

Kreditaufnahme wird erschwert

Wenn die Ratingagenturen die Bonität von Euro-Staaten herabstufen, ist das zunächst einmal schmerzlich für diese Länder selbst: Es wird für sie schwieriger werden, an frisches Geld zu kommen. Die Zinsen, die sie für neue Anleihen zahlen müssen, ziehen in der Regel an.

Auswirkung auf Euro-Rettungsfonds

Doch für die Euro-Rettung gibt es noch einen anderen Aspekt, der mindestens genau so wichtig ist: Von der Bonität der einzelnen Länder hängt auch das Rating der Rettungsinstrumente wie des EFSF und künftig des ESM ab, die Krisenstaaten mit Kredithilfen vor dem Staatsbankrott bewahren sollen.

Bestnote des EFSF gefährdet

Frankreich trägt zu etwa 20 Prozent die Finanzierungslast des EFSF. Wird Frankreich herabgestuft, wackelt auch die Bonität des EFSF.

Finanzkraft könnte schrumpfen

Ein Verlust der Bestnote des EFSF würde die Finanzierung der Rettungspakete für angeschlagene Euroländer verteuern. Denn die Zinssätze für frische Anleihen dürften weiter anziehen. Als Alternative wäre es denkbar, dass der EFSF sein "AAA"-Rating verteidigt, indem er seine Finanzkraft einschränkt.

Geplanter Nachfolger des EFSF auch betroffen

Damit der Rettungsfonds EFSF effektiv 440 Milliarden Euro verleihen kann, müssen die Euroländer Garantien in Höhe von 780 Milliarden Euro bereitstellen. Diese Summe würde sich im Fall einer Herabstufung wohl deutlich erhöhen. Auch der geplante dauerhafte Rettungsschirm ESM, der schon im Juli und damit ein Jahr früher als geplant starten soll, könnte betroffen sein. Er soll anders als der EFSF selbst mit Kapital ausgestattet werden, das die Mitgliedsstaaten nun schneller bereitstellen müssen. Dafür müssten sie selbst neue Schulden machen, was im Falle einer Herabstufung teurer würde.

Die Empörung war in Frankreich bereits im November groß, als Standard & Poor's versehentlich eine Mitteilung herausgegeben hatte, wonach Frankreich bereits herabgestuft sei. Als Entschuldigung führte die US-Agentur an, es habe einen „technischen Fehler“ gegeben. Frankreichs Finanzminister François Baroin gab sich damit nicht zufrieden und forderte eine Untersuchung. Denn der Vorfall nährte den Verdacht, dass eine Mitteilung von S&P zu Frankreich schon fertig in der Schublade lag.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

13.01.2012, 19:34 Uhr

Das Ende der Epaerandowährung.
Aber Deutschland steht zum Teuro und wird mit ihm unergehen.

gerhard

13.01.2012, 21:08 Uhr

Der Verlust der Top-Note AAA ist für Sarkozy ein schwerer Schlag: Rund drei Monate vor der Präsidentenwahl wird ihm angelastet, dass er Frankreich nicht auf einer Ebene mit AAA-Ländern wie Deutschland halten kann. (Zitat)
Es ist die Antwort auf die französisch betriebene EZB Politik. Deutschland muss auf der Hut sein, nicht in die EZB Falle zu laufen. Im Klartext heißt dieses, die Rettungsschirme einziehen, es sind „schimmlige“ Schirme die nur nach billigen Krediten Ausschau halten, um dann nach bewährter Politik die Verschuldung bedenklich hinkender Nationen fortzusetzen zu können. Die Rating Agenturen machen schon ihre Aufgabe gut , trotz aller Unkenrufe.

Account gelöscht!

13.01.2012, 21:14 Uhr

Mit dem Franc hätte Frankreich - wie gewohnt - schön inflationieren können. Und alles wäre schön.
Naja, die EZB funktioniert ja jetzt sehr französisch. Auch Steinbrück fordert die direkte Staatsfinanzierung durch die EZB, also genau das, was die Deutsche Reichbank vor der Hyperinflation in Deutschland machte.
Die EU steht vor einer Katastrophe - so ist es, wenn Hybris sich ausbreitet. Größenwahnsinnige überhebliche "politische Projekte", die einfach alles zerstören. Und wenn ich dann die Kommentare der gutmenschnelnden EUroten lese, dann wird mir nur übel. Die werden sich aber in kurzer Zeit in Grund und Boden schämen!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×