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02.10.2014

16:15 Uhr

Herausforderin Marina Silva

Von der Kautschukzapferin zur Präsidentin?

Marina Silva hat angekündigt, die erste „schwarze“ Präsidentin Brasiliens werden zu wollen. Schon jetzt hat die frühere Umweltaktivistin und Kautschukzapferin die Parteienlandschaft des Landes aufgemischt. Ein Porträt.

Bei der Präsidentschaftswahl 2010 konnte Marina Silva dann als Kandidatin der Grünen einen überraschenden dritten Platz holen. ap

Bei der Präsidentschaftswahl 2010 konnte Marina Silva dann als Kandidatin der Grünen einen überraschenden dritten Platz holen.

BrasíliaSie wuchs in ärmsten Verhältnissen im Amazonasgebiet auf, war Kautschukzapferin und Haushaltsgehilfin, wandelte sich später zur Gewerkschafts- und Umweltaktivistin, machte dann Karriere in der Politik - und könnte jetzt sogar Staatschefin werden. Marina Silva, die Kandidatin der Sozialisten in Brasilien, hat nach den Umfragen gute Chancen, die erste Runde der Präsidentschaftswahlen am Sonntag zu überstehen. Dann würde es in der Stichwahl am 16. Oktober zu ihrem direkten Duell mit Amtsinhaberin Dilma Rousseff kommen.

Auch falls es letztlich nicht für den Sprung ins höchste Staatsamt reichen sollte – die brasilianische Parteienlandschaft hat die zierliche 56-Jährige mit dem großen Charisma und beeindruckenden Lebensweg schon jetzt aufgemischt. Silva hat angekündigt, die erste „schwarze“ Präsidentin des größten lateinamerikanischen Landes werden zu wollen, und damit ganz bewusst ihre afrobrasilianische Identität hervorgehoben – 51 Prozent der Brasilianer sind Schwarze oder Mulatten, aber einen Präsidenten hat diese Bevölkerungsgruppe noch nie gestellt.

Brasilien - Land der Superlative

Größe

8,5 Millionen Quadratkilomenter - damit doppelt so groß wie die Europäische Union (Quelle: dpa)

Einwohner

203 Millionen Einwohner - bevölkerungsreichstes Land Lateinamerikas

Wirtschaft

Teil des BRICS-Bündnis für aufstrebende Wirtschaftsmächte - neben Brasilien noch Russland, Indien, China und Südafrika

BIP 2013: 2,243 Billionen US-Dollar (11.311 Dollar pro Einwohner)

Export

Hauptexportgüter sind Rohstoffe, Nahrungsmittel und Erdöl - 2018 soll die Erdöl-Förderung im Off-Shore-Ölfeld "Campo de Libra" beginnen, die Reserven dort werden auf 8 bis 12 Milliarden Barrel (Fass je 159 Liter) geschätzt

Soziales

Das soziale Gefälle in Brasilien ist groß. Der Anteil der Bevölkerung unter der nationalen Armutsgrenze sank zwar von 2002 bis 2009 von 38,3 auf 23,9 Prozent, die Zahl der Betroffenen ging von 68 auf 44 Millionen zurück. Die Ungleichheit der Einkommen und Vermögen ist aber weiterhin auch im Weltmaßstab sehr hoch.

Zugleich ist die frühere Umweltministerin eine langjährige Streiterin für den Schutz des Regenwaldes und seiner Menschen – ein Engagement, das seine Wurzeln in ihrer Kindheit hat. Sie wuchs in einer Großfamilie in einem kleinen Dorf des Amazonasstaats Acre auf, drei ihrer zehn Geschwister starben bereits als Kinder. Sie selber erkrankte zahlreiche Male an gefährlichen Infektionen – Malaria, Hepatitis, Leishmaniose – und musste bereits als Elfjährige täglich 14 Kilometer zu Fuß zurücklegen, um ihre Familie als Kautschukzapferin zu unterstützen.

Kommentare (2)

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Frau Annette Bollmohr

02.10.2014, 16:52 Uhr

"51 Prozent der Brasilianer sind Schwarze oder Mulatten, aber einen Präsidenten hat diese Bevölkerungsgruppe noch nie gestellt."

Wird also langsam Zeit, erstens, weil jemand, der es (wie auch Lula) unter diesen Umständen so weit gebracht hat zwangsläufig sowohl stark als auch clever sein muss, zweitens - ohne jetzt Dilmas Politik in Grund und Boden verdammen zu wollen (die verschwände ja auch nicht gleich ganz aus der Politik) – weil breiter Konsens herrscht, dass sich in der Politik dringend etwas ändern muss (und Marina ist, was Korruption und sonstige politische Mauscheleien angeht unbelastet, dennoch umgänglich, deshalb glaubwürdig und nährt schon deshalb die Hoffnung auf einen echten „Neustart“) und, nicht drittens, aber nicht zuletzt, ist drittens gerade der o.g. Anteil der brasilianischen Population sehr häufig aus eigener Anschauung bestens mit der ganzen Palette brasilien-spezifischer Probleme vertraut und denkt deshalb meist pragmatisch und lösungsorientiert..

Frau Annette Bollmohr

02.10.2014, 17:01 Uhr

"51 Prozent der Brasilianer sind Schwarze oder Mulatten, aber einen Präsidenten hat diese Bevölkerungsgruppe noch nie gestellt."

Wird also langsam Zeit, erstens, weil jemand, der es (wie auch Lula) unter diesen Umständen so weit gebracht hat zwangsläufig sowohl stark als auch clever sein muss, zweitens - ohne jetzt Dilmas Politik in Grund und Boden verdammen zu wollen (die verschwände ja auch nicht gleich ganz aus der Politik) – weil breiter Konsens herrscht, dass sich in der Politik dringend etwas ändern muss (und Marina ist, was Korruption und sonstige politische Mauscheleien angeht unbelastet, umgänglich, deshalb glaubwürdig und nährt schon deshalb die Hoffnung auf einen echten „Neustart“) und, drittens, aber nicht zuletzt, ist gerade der o.g. Anteil der brasilianischen Population sehr häufig aus eigener Anschauung bestens mit der ganzen Palette brasilien-spezifischer Probleme vertraut und denkt deshalb meist pragmatisch und lösungsorientiert..

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