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21.02.2017

04:20 Uhr

Herbert Raymond McMaster

Rebell in Uniform

VonMoritz Koch

Mit Trumps Entscheidung, Generalleutnant McMaster zum Sicherheitsberater zu machen, dürften auch Kritiker des US-Präsidenten einverstanden sein: Der 54-Jährige unterscheidet sich stark von seinem umstrittenen Vorgänger.

US-Politik

Das ist Trumps neuer nationaler Sicherheitsberater

US-Politik: Das ist Trumps neuer nationaler Sicherheitsberater

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WashingtonEine Woche nach dem erzwungenen Rücktritt des umstrittenen Generals Michael Flynn hat US-Präsident Donald Trump einen neuen Sicherheitsberater: H.R. McMaster, 54 Jahre alt, ebenfalls ein General. Es ist eine Entscheidung, mit der auch die vielen Kritiker der Trump-Regierung gut leben können.

Denn bis auf den militärischen Rang gibt es kaum Gemeinsamkeiten zwischen dem analytischen McMaster und seinem kriegstreiberischen, impulsiven und islamophoben Vorgänger. Generalleutnant Herbert Raymond McMaster ist einer der angesehensten Denker der amerikanischen Streitkräfte, Autor eines Standardwerks über die amerikanische Niederlage in Vietnam und einer der führenden Köpfe hinter dem Strategiewechsel, mit dem es dem US-Militär vor zehn Jahren gelang, den besetzten Irak zwischenzeitig zu stabilisieren.

2006 vertrieben McMaster und seine Truppen Aufständische aus der irakischen Stadt Tal Afar, im nächsten Schritt erlangten sie das Vertrauen der Einheimischen und konnten mit dem Wiederaufbau beginnen. Der Erfolg von Tal Afar legte den Grundstein für das Dreistufenkonzept „clear, hold and build“ – erobern, halten und aufbauen –, das die Wende im Irakkrieg einleitete. Da McMaster und seine Einheit Tal Afar anfangs ohne Absprache mit Washington freikämpften, adelte das Intellektuellen-Magazin „New Yorker“ sie als „Rebellen gegen eine wirre Strategie“.

US-Präsident Donald Trump macht Herbert Raymond McMaster zum neuen Nationalen Sicherheitsberater: Der 54-Jährige ist einer der angesehensten Denker der amerikanischen Streitkräfte Reuters, Sascha Rheker

McMaster/Donald Trump

US-Präsident Donald Trump macht Herbert Raymond McMaster zum neuen Nationalen Sicherheitsberater: Der 54-Jährige ist einer der angesehensten Denker der amerikanischen Streitkräfte

In seiner neuen Rolle als Sicherheitsberater wird McMaster wieder als Rebell gefragt sein, wobei das Chaos im Weißen Haus unter Trump das Strategie-Wirrwarr der Bush-Regierung noch um ein Vielfaches übersteigt. Trump sät Zweifel an der globalen Führungsbereitschaft der Amerikaner, verunsichert Verbündete und ermutigt geopolitische Rivalen. So verstärkt er die Instabilität in einer ohnehin schon instabilen Welt.

Seine Minister sind damit beschäftigt, von Kontinent zu Kontinent zu reisen, um den Schaden zu begrenzen, den der Präsident anrichtet. Verteidigungsminister James Mattis, gerade erst auf Goodwill-Tour durch Europa gereist, sah sich am Montag in Bagdad gezwungen, den Irakern zu versichern, dass Amerika nicht ihr Öl stehlen wolle. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, aber nicht in der Ära Trump.

McMaster wird eine Schlüsselrolle in der Regierung übernehmen. Als Sicherheitsberater steht er dem Nationalen Sicherheitsrat vor, einer Art Überministerium, das die Außen- und Sicherheitspolitik des Pentagons, des Außenministeriums, der Geheimdienste und des Weißen Hauses koordinieren soll.

Das Trump-Kabinett – Militärs, Manager und Millionäre

Außenminister: Rex Tillerson (64)

Der gelernte Bauingenieur verbrachte sein gesamtes Berufsleben beim Öl-Multi ExxonMobil. 1975 trat er beim weltgrößten Energiekonzern ein und arbeitete sich bis zum Vorstandsvorsitzenden hoch. Auslandserfahrungen sammelte er bei Einsätzen im Jemen, Thailand und Russland. Auch als Konzernchef pflegte der Texaner seine engen Kontakte zu Russland, dessen Präsident Wladimir Putin ihm dafür den „Orden der Freundschaft“ verlieh. Tillerson setzt sich für eine Verbesserung der Beziehungen zu Russland ein und ist ein Gegner der von den USA bisher mitgetragenen Sanktionen des Westens wegen des Ukrainekonflikts.

Finanzminister: Steven Mnuchin (53)

Steven Mnuchin ist der erste Leiter des Ressorts mit umfangreicher Wall-Street-Erfahrung seit seinem früheren Goldman-Sachs-Boss Henry Paulson unter George W. Bush. Mnuchin gründete die Filmproduktionsfirma Dune Capital, die unter anderem „Avatar“ und „Gravity“ mitfinanziert hat. Mit Trump ist er privat seit über 15 Jahren verbunden.

Verteidigungsminister: James Mattis (66)

Der frühere General der Marines leitete das Central Command, das die US-Einsätze im Nahen Osten und Südasien steuert.

Justizminister: Jeff Sessions (69)

Der Senator aus Alabama gehörte zu den ersten Unterstützern Trumps. Der ehemalige Bundesstaatsanwalt vertritt bei der Einwanderung einen harten Kurs.

Heimatschutzminister: John Kelly (66)

Kelly ist der bislang dritte Ex-General in Trumps Kabinett. Wie Mattis diente er bei den Marines. Er hat sich wie Trump für ein schärferes Vorgehen gegen illegale Einwanderung und eine Verstärkung der Sicherheitsvorkehrungen an der Grenze zu Mexiko starkgemacht.

Innenminister: Ryan Zinke (55)

Der Kongressabgeordnete war Kommandeur der Marine-Elitetruppe Navy SEALs. Das Ministerium verwaltet rund ein Fünftel der öffentliche Flächen des Landes, darunter Nationalparks. Es ist in den USA nicht für die innere Sicherheit zuständig. Das übernehmen die Ministerien für Justiz und Heimatschutz. Zinke ist gegen die Privatisierung von öffentlichem Grundbesitz, hat aber auch für Gesetze gestimmt, die Umweltauflagen in solchen Gebieten aufweichen. Trump will auf Staatsgebiet verstärkt Ölbohrungen und Bergbau erlauben.

Handelsminister: Wilbur Ross (78)

Der Milliardär diente Trump als Wirtschaftsberater. Entschiedener Gegner des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta.

Verkehrsministerin: Elaine Chao (63)

Diente George W. Bush acht Jahre lang als Arbeitsministerin. Sie ist die Ehefrau des republikanischen Mehrheitsführers im Senat, Mitch McConnell.

Leiter der Umweltschutzbehörde EPA: Scott Pruitt (48)

Früher ranghöchster Staatsanwalt im Bundesstaat Oklahoma, Gegner der Klimaschutzpolitik von Präsident Barack Obama.

Chef des nationalen Wirtschaftsrates: Gary Cohn (56)

Der Investmentbanker ist Präsident und Chief Operating Officer (COO) der Großbank Goldman Sachs.

Energieministerium: Rick Perry (66)

Der ehemalige Gouverneur von Texas und kurzzeitige republikanische Präsidentschaftsbewerber soll das wichtige Ressort leiten. Pikant: Während seiner Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur 2012 hatte Perry die Auflösung des Ministeriums vorgeschlagen.

Dem naiven Militarismus seines Chefs setzt McMaster ein tiefgründiges Verständnis von Widerstandsbewegungen und Terrororganisationen entgegen. Während Trump davon schwadroniert, den Kampf gegen den Terror mit Folter und Strafbombardements zu führen, ist der General dafür bekannt, seinen Soldaten eingebläut zu haben: „Jedes Mal, wenn ihr einen Iraker respektlos behandelt, arbeitet ihr für den Feind.“

Damit verfolgt McMaster auch einen völlig anderen Ansatz als Trumps politischer Chefstratege Steve Bannon, der den Kampf gegen den Terror als weltumspannenden Zivilisationskonflikt begreift und den Trump in den Nationalen Sicherheitsrat berufen hat.

Der Kampf gegen den Islamischen Staat wird die wichtigste Aufgabe des neuen Sicherheitsberaters sein. Dabei kommt McMaster zugute, dass er seinen Gegner sehr gut kennt. Der IS ist die Nachfolgeorganisation der Terrorgruppe Al-Qaida im Irak, die er einst aus Tal Afar vertrieben hat.

Kommentare (3)

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Unbekannt

21.02.2017, 08:50 Uhr

Das scheint mir die erste Wahl und Entscheidung des zukünftigen Präsidenten Mike Pence zu sein.

Trump hat doch jetzt schon abgewirtschaftet und wartet nur noch auf seinen endgültigen Ruhestand (Amtsenthebung durch seine Republikaner).

Account gelöscht!

21.02.2017, 12:06 Uhr

Sicherheitsberater und Generalleutnant wäre eine krasse Fehlbesetzung in der EU.
In der Räte-EU ist der Beruf Sozialarbeiter Voraussetzung für solche Jobs.
Nur so ist der Schaden maximal.

Herr Tomas Maidan

21.02.2017, 14:12 Uhr

Trump soll überall allgegenwärtig sein Herr Hoffmann? Naja, Sie selbst machen ihm zumindest in diesem Forum ja starke Konkurrenz. Respekt. Zu fast jedem Theme geben Sie ihre Meinung ab - meistens mit Stoßrichtung gegen Sozialdemokraten (Merkel mal als solche empfunden).

Und dennoch gibt es Hoffnung. Wer weiß, vielleicht stürzt Trump schon nächste Woche durch neue Enthüllungen. Seine privaten Geschäfte, seine Kontakte zu Russland, sein Geisteszustand - all das gibt Hoffnung, dass der Spuk bald zuende ist. Sind wir Sie dann eigentlich auch los, Herr Hoffmann?

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