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12.04.2013

21:04 Uhr

Herman van Rompuy

Steuerflucht wird EU-Gipfelthema

Den EU-Staaten entgeht angeblich jedes Jahr eine Billion Euro an Steuern. Deshalb will die Gemeinschaft Tempo machen. Ein Vorstoß unter anderem aus Deutschland zum Informationsaustausch erhält Rückenwind.

Herman Van Rompuy geht gegen Steuersünder vor. Reuters

Herman Van Rompuy geht gegen Steuersünder vor.

Dublin/BerlinDie Europäische Union (EU) macht den Kampf gegen die grenzüberschreitende Steuerflucht zur Chefsache. Die europäischen Staatenlenker werden bei ihrem nächsten Gipfeltreffen am 22. Mai über das Reizthema sprechen, kündigte EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy am Freitag an. Jährlich verliere die EU etwa eine Billion Euro an Steuereinnahmen durch Steuervermeidung und Steuerflucht. „Wir können es uns einfach nicht leisten, Steuervermeidung hinzunehmen.“

Das von vielen erhoffte Ende des Bankgeheimnisses beschäftigte auch die europäischen Finanzminister in Dublin. „Es gibt Bewegung“, resümierte der irische Ressortchef Michael Noonan, der die Sitzung leitete. Luxemburg mit seinem bedeutenden Finanzplatz hatte vor einigen Tagen angekündigt, das Steuergeheimnis für Anleger aus anderen EU-Staaten aufzuweichen. Auch Österreich hatte sich kompromissbereit gezeigt. Beide Länder nehmen im Rahmen der EU-Zinssteuerrichtlinie nicht am sonst üblichen Informationsaustausch über Zinseinkünfte teil.

Reichsten Euro-Länder nach Nettovermögen

Nettohaushaltsvermögen

Als Haushaltsvermögen gelten alle privaten Besitztümer der Menschen innerhalb eines Haushalts - also Sparbücher, Konten aber auch Lebensversicherungen und vor allem Immobilienvermögen. Die EZB-Studie zeigt nun erstmals, wie das Haushaltsvermögen in den Euro-Staaten aufgeteilt ist. Die Daten stammen aus den Jahren 2008 bis 2010. Nicht einbezogen sind die Euro-Länder Irland und Estland, da die Erhebung der Daten bereits begann, als die beiden Staaten den Euro noch gar nicht eingeführt hatten.

Platz 15: Slowakei

Mit einem durchschnittlichen Nettohaushaltsvermögen von nur 79.700 Euro ist die Slowakei das traurige Schlusslicht innerhalb der erhobenen Euro-Länder. Damit hat das kleine Land, das zwischen Polen und Ungarn liegt, in dem zwar 1,4 Prozent aller Haushalte in der Euro-Zone liegen, nur 0,5 Prozent des Vermögens.

Platz 14: Griechenland

Der reiche Grieche ist ein Mythos. Der Großteil der griechischen Haushalte ist arm: Mit nur 147.800 Euro Nettovermögen liegen die griechischen Haushalte weit unter dem Durchschnitt in der Euro-Zone von 230.800 Euro. Obwohl Griechenland drei Prozent aller Haushalte in der Euro-Zone stellt, besitzen die Menschen dort nur 1,9 Prozent des Vermögens.

Platz 13: Slowenien

In Slowenien liegt das durchschnittliche Nettohaushaltvermögen bei 148.700 Euro und damit nur wenige tausend Euro höher als das der Griechen. Doch Slowenien ist ein kleines Land: Die 0,6 Prozent der Haushalte halten 0,4 Prozent des privaten Vermögens innerhalb der Euro-Zone.

Platz 12: Portugal

Auch im Krisenland Portugal besitzen die Menschen nicht viel, im Durchschnitt 152.900 Euro je Haushalt. Damit besitzen die portugiesischen Haushalte, die 2,8 Prozent aller Haushalte in der Euro-Zone darstellen, nur 1,9 Prozent des Vermögens.

Platz 11: Finnland

161.500 Euro besitzen die finnischen Haushalte im Durchschnitt, damit reicht es im Vergleich unter den Euro-Ländern für Platz Elf. Die Finnen halten mit 1,8 Prozent der europäischen Haushalte 1,3 Prozent des Vermögens.

Platz 10: Niederlande

Auch unsere holländischen Nachbarn liegen unter dem EU-Durchschnitt. 170.200 Euro beträgt dort das durchschnittliche Haushaltsnettovermögen. Damit haben die Niederländer zwar 5,3 Prozent der Haushalte in der Euro-Zone, aber nur 4,0 Prozent des Vermögens.

Platz 9: Deutschland

Für Deutschland, stärkste wirtschaftliche Kraft innerhalb der Euro-Zone, reicht es im Vergleich der Haushaltsvermögen nur für Platz Neun: Durchschnittlich 195.200 Euro besitzen die deutschen Haushalte - und liegen damit unter dem Euro-Zonen-Durchschnitt von 230.800 Euro. 28,7 Prozent der Haushalte der Euro-Zone liegen in Deutschland, aber trotzdem nur 24,3 Prozent des Vermögens.

Platz 8: Frankreich

Frankreich steht besser da als Deutschland. Durchschnittlich 233.400 Euro beträgt dort das Nettovermögen der Haushalte und liegt damit leicht über dem Mittelwert der Euro-Zone. 20,2 Prozent der Haushalte halten 20,3 Prozent des Vermögens innerhalb der Euro-Zone.

Platz 7: Österreich

265.000 Euro besitzen österreichische Haushalte im Durchschnitt an Vermögen. Damit haben die Österreicher anteilig mehr Vermögen als Haushalte der Euro-Zone: 2,7 Prozent der Haushalte besitzen 3,1 Prozent des Vermögens.

Platz 6: Italien

Auch das Krisenland Italien liegt deutlich über dem durchschnittlichen Nettohaushaltsvermögen der Euro-Zone: 275.200 Euro an Vermögen haben die italienischen Haushalte im Durchschnitt angehäuft. Damit machen sie zwa rnur 17,2 Prozent aller Haushalte der Euro-Zone aus, halten aber 20,6 Prozent des Vermögens.

Platz 5: Spanien

Trotz der hohen Arbeitslosigkeit besitzen auch die spanischen Haushalte noch viel Vermögen, durchschittlich 291.400 Euro. Die Daten stammen allerdings aus dem Jahr 2008. Damals besaßen die spanischen 12,3 Prozent der Haushalte innerhalb der Euro-Zone rund 15,6 Prozent des Vermögens.

Platz 4: Belgien

In Belgien liegt das Nettohaushaltseinkommen durchschnittlich bei 338.600 Euro - und damit weit über dem der Nachbarländer Niederlande oder Deutschland. 3,4 Prozent der Haushalte der Euro-Zone liegen in Belgien, dort sammelt sich aber 5,0 Prozent des Vermögens.

Platz 3: Malta

Die bevölkerungsärmsten Euro-Länder haben die reichsten Haushalte. Mit 366.000 Euro Durchschnittsvermögen liegen die Haushalte auf der kleinen Mittelmeerinsel auf Platz drei. 0,1 Prozent der Haushalte der Euro-Zone sind auf der Insel zu finden - aber auch 0,2 Prozent des Vermögens.

Platz 2: Zypern

670.900 Euro Vermögen besitzen die Haushalte in Zypern im Durchschnitt - fast das dreifache des Mittelwerts der Euro-Zone, der bei 230.800 Euro liegt. Damit häuft sich bei den 0,2 Prozent der Haushalte der Euro-Zone rund 0,6 Prozent des Vermögenbesitzes.

Platz 1: Luxemburg

Die Luxemburger sind jedoch noch fast 40.000 Euro reicher als die Zyprioten: 710.100 Euro Vermögen besitzen die luxemburgischen Haushalte - und damit 0,4 Prozent des privaten Vermögens innerhalb Euro-Zone, auch wenn sich nur 0,1 Prozent aller Haushalte der Euro-Zone in Luxemburg befinden. Das Großherzogtum hat damit unbestritten das höchste Nettohaushaltsvermögen.

In Dublin bekam der Vorstoß Deutschlands und vier weiterer EU-Länder, den automatischen Informationsaustausch der seit 2005 geltenden EU-Zinsrichtlinie hinaus zu erweitern, zusätzlichen Rückenwind. Laut irischer EU-Ratspräsidentschaft zieht neben Frankreich, Großbritannien, Italien und Spanien nun auch Polen mit. Die Gruppe will ein Pilotprojekt auf die Beine stellen.

Luxemburg kritisierte den Vorstoß. Es solle eher in der Runde aller 27 Staaten debattiert werden, sagte Finanzminister Luc Frieden. „Es ist nicht gut, wenn einige sich aus manchmal innenpolitischen Gründen den Anschein geben, dass sie schneller sind als andere.“ Luxemburg werde sich dem Vorstoß aber nicht widersetzen, unterstrich Frieden.

Welche Länder die höchsten Einkommen haben

Platz 5: Deutschland

Auch die Deutschen haben mehr Einkommen zur Verfügung als andere Länder. Der Durchschnitt liegt bei 43.500Euro, der Median bei 32.500 Euro. Es ist das Land mit der höchsten Abweichung. Sie liegt bei rund 35 Prozent.

Platz 4: Finnland

Finnlands durchschnittliche Einkommen pro Haushalt liegen bei 45.100 Euro. Der Median liegt allerdings nur bei 36.300 Euro, die Abweichung beträgt rund 20 Prozent.

Platz 3: Niederlande

Holländische Haushalte haben im Durchschnitt 45.800 Euro Einkommen zur Verfügung. Der Median liegt bei 40.600 Euro. Die Abweichung liegt nur bei knapp zwölf Prozent.

Platz 2: Belgien

Belgien hat im Durchschnitt pro Haushalt und Jahr 49.500 Euro zur Verfügung. Der Median liegt bei 33.700 Euro. Eine Abweichung von rund 32 Prozent.

Platz 1: Luxemburg

Das Einkommen in Luxemburg liegt Durchschnitt bei 83.700 Euro pro Jahr. Der Median liegt immerhin noch bei 64.800 Euro. Damit weicht der Wert deutlich ab – und zwar um rund 22 Prozent.

Er forderte nach der spektakulären Kehrtwende zum Steuergeheimnis in seinem Land auch auf weltweiter Ebene Bewegung. „Ich finde es überraschend, dass die G20 es bisher nicht geschafft haben zu beschließen, dass der automatische Informationsaustausch der internationale Standard ist.“ In der G20-Gruppe sind die mächtigsten Industrie- und Schwellenländer der Welt vereinigt.

Ab 1. Januar 2015 wird das Land die Steuerbehörden der anderen EU-Länder automatisch über Zinszahlungen informieren, die an Personen in diesen Staaten gezahlt werden. „Wir wollen damit das Wachstum unseres Finanzsektors absichern“, sagte der Ressortchef. „Ich sehe jeden Tag neue Kunden hinzukommen.“

Bisher hatten das Großherzogtum und Österreich die Neufassung der EU-Zinssteuerrichtlinie blockiert. Mit Blick auf anstehende EU-Verhandlungen mit Drittländern wie der Schweiz und den automatischen Informationsaustausch sagte Frieden: „Wenn das der internationale Standard ist, dann sollte er überall angewandt werden.“

Die österreichische Ressortchefin Maria Fekter äußerte sich zurückhaltend: „Mit dem automatischen Informationsaustausch ist ein massiver Eingriff in die Privatsphäre verbunden. Das heißt, hier schnuffelt der Staat doch sehr tief in die privaten Angelegenheiten der Kontoinhaber.“

Von

rtr

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

12.04.2013, 20:26 Uhr

Ja dann Herr von Huybuh fangen sie mal bei Delaware und Nevada gleich an, mal sehen was die Amis dazu sagen...

Desweiteren finde ich es eine PErversion Bürger hierzulande zu schröpfen während Milliarden von unserer Politik im Ofen verfeuert werden. WER bestraft das?

Staat irgendwelche "Oasen" auszutrocknen sollten unsere ekelhaften Volksvertreter doch eigentlich dafür Sorgen dass der Bürger sich selbst wie in einer Oase fühlen kann....ich komme mir hier aber eher wie in einem Käfig langsam vor.

Wie gesagt, es ist verboten zur Revolte und zum Mord aufzurufen, drum werde ich das auch weiterhin hier nicht tun.

Mazi

12.04.2013, 21:18 Uhr

Was steckt dahinter?
Wie ehrlich sind diese Leute?

Liest man den nachfolgenden Beitrag, kann man sich einiges erahnen.
"Hilferuf aus Zypern: Mario Draghi fordert das Gold Zyperns"
"EU-Gesetz: Zugriff auf Bank-Einlagen wird konkret"

Weshalb steigen unsere Journalisten nicht nach?

Account gelöscht!

12.04.2013, 21:26 Uhr

Wenn der bei den Amis das Thema auf's Tablett bringen würde, dann würden die den Fragen, ob die Jungen mit der Jacke die jeden passt kommen sollen.

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