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16.04.2015

18:00 Uhr

Herzprobleme

Jean-Marie Le Pen liegt im Krankenhaus

Jean-Marie Le Pen liegt im Krankenhaus. Der französische Rechtsextreme hat Herzbeschwerden, gibt jedoch Entwarnung: „Es geht mit gut.“ Für die Regionalwahlen wird der 86-Jährige jedoch vermutlich nicht aufgestellt.

Der Ehrenvorsitzende der rechtsextremen französischen Front National, Jean-Marie Le Pen, liegt im Krankenhaus. dpa

Der Ehrenvorsitzende der rechtsextremen französischen Front National, Jean-Marie Le Pen, liegt im Krankenhaus.

ParisWegen Herzbeschwerden ist der Gründer von Frankreichs rechtsextremer Front National (FN), Jean-Marie Le Pen, in ein Krankenhaus eingeliefert worden. „Es ist ein kleines Herzproblem, nichts sehr Ernstes“, sagte der 86-jährige Politiker am Donnerstag der Nachrichtenagentur AFP am Telefon. „Es geht mir gut.“

Der Krankenhausaufenthalt werde ihm die Möglichkeit geben, sich „auszuruhen“. Erst Ende Januar war der FN-Ehrenvorsitzende und Europaabgeordnete bei einem Brand in seinem Haus an Gesicht und Schulter leicht verletzt worden.

Der wegen rassistischer und antisemitischer Äußerungen mehrfach verurteilte Le Pen hatte die rechtsextreme Front National 1972 mitgegründet und dann vier Jahrzehnte lang geführt. Anfang 2011 trat er den Parteivorsitz an seine Tochter Marine ab.

Die deutsche und französische Wirtschaft im Vergleich

Wachstum

Frankreich: Die Industriestaaten-Organisation OECD hat die Wachstumsprognose erst vorige Woche mehr als halbiert. 2014 wird das Bruttoinlandsprodukt demnach nur um 0,4 Prozent zulegen, nachdem im Frühjahr noch 0,9 Prozent vorausgesagt worden waren. Für kommendes Jahr wurde die Prognose von 1,5 auf 1,0 Prozent zurückgenommen.

Deutschland: Auch bei Europas Nummer eins hat die OECD den Daumen gesenkt. Für das laufende Jahr wurde die Prognose von 1,9 auf 1,5 Prozent zurückgenommen, für 2015 von 2,1 auf ebenfalls 1,5 Prozent.

Arbeitslosigkeit

Frankreich: Wegen der Konjunkturflaute leidet der Nachbar unter einer Rekordarbeitslosigkeit. Die EU-Kommission sagt für dieses Jahr einen Anstieg auf 10,4 Prozent voraus, 2015 soll es leicht nach unten gehen auf 10,2 Prozent. Das entspricht etwa dem Durchschnitt aller 28 EU-Staaten.

Deutschland: Hier ist die Arbeitslosenquote nur halb so hoch. Nach der Prognose der EU-Kommission wird sie in diesem Jahr auf 5,1 Prozent fallen und 2015 auf diesem Niveau verharren. Mit Österreich weist die Bundesrepublik damit die niedrigste Arbeitslosigkeit in der Euro-Zone auf.

Staatsschulden

Frankreich: Erst 2017 will die Regierung die jährliche Neuverschuldung unter die in den EU-Verträgen erlaubte Höchstgrenze von drei Prozent im Verhältnis zur Wirtschaftskraft drücken. Eigentlich sollte das schon 2015 der Fall sein, doch sieht sich die Regierung in Paris wegen der schwachen Konjunktur dazu nicht in der Lage. Der Schuldenberg wird nach Prognose der EU-Kommission bis 2015 auf 96,6 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt wachsen. Die EU erlaubt eigentlich nur 60 Prozent.

Deutschland: Der Staat könnte 2014 bereits das dritte Jahr in Folge einen leichten Überschuss aufweisen. Zum Halbjahr wurden 16 Milliarden Euro mehr eingenommen als ausgegeben. Alle übrigen Euro-Staaten dürften hingegen rote Zahlen schreiben. Allerdings ist der Schuldenstand mit rund 76 Prozent immer noch höher als erlaubt.

Wettbewerbsfähigkeit

Frankreich: Ein Grund für die Misere ist die gesunkene Wettbewerbsfähigkeit. Eine Arbeitsstunde kostet private Arbeitgeber durchschnittlich 35,00 Euro. In der besonders stark dem internationalen Wettbewerb ausgesetzten Industrie sind es sogar 36,70 Euro - in der EU sind die Kosten nur in Schweden, Belgien und Dänemark höher. Das ist auch einer der Gründe dafür, warum Frankreich im weltweiten Standortranking des World Economic Forum (WEF) nur Platz 23 belegt.

Deutschland: Die Arbeitskosten liegen niedriger als in Frankreich. In der Privatwirtschaft sind es 31,70 Euro, in der Industrie 36,20 Euro. Im Standortvergleich des WEF belegt Deutschland den fünften Rang, wobei besonders die gut ausgebildeten Fachkräfte und innovative Unternehmen gelobt werden.

Industrie

Frankreich: Zwar kann das Nachbarland mit großen Unternehmen wie den Autobauern Renault und Peugeot Citroen oder dem Atomkonzern Areva aufwarten. Allerdings fehlt es an einem breiten und exportstarken Mittelstand, der die Absatzkrise in der Euro-Zone durch wachsende Geschäfte in Asien und anderen Boomregionen ausgleichen kann. Die Industrie ist deshalb auf dem Rückzug: Sie trägt nur noch 10,25 Prozent zur Wirtschaftsleistung bei, der EU-Schnitt liegt bei 15,3 Prozent.

Deutschland: Hierzulande haben viele "hidden champions" ihre Heimat - also unbekannte mittelständische Unternehmen, die Nischen besetzt haben und mit ihren Produkten zu den Weltmarktführern gehören. Die Industrie erlebt in Deutschland eine Renaissance, weil diese Firmen in den Boomregionen aktiv sind. "Nur Deutschland hat es geschafft, zwischen 2007 und 2012 Jobs in der Industrie aufzubauen", stellte die EU-Kommission in ihrem europaweiten Vergleich fest. Der Industrie-Anteil an der Wirtschaftsleistung liegt mit 22 Prozent klar über dem EU-Schnitt.

Zuletzt kam es aber zum Zerwürfnis zwischen Vater und Tochter: Weil er zum wiederholten Male die Gaskammern der NS-Konzentrationslager als „Detail“ der Geschichte bezeichnete, brach die Parteichefin mit dem 86-Jährigen und zwang ihn zum Verzicht auf eine Spitzenkandidatur bei den kommenden Regionalwahlen im Dezember. Marine Le Pen versucht ihrer Partei ein respektableres Ansehen zu geben und sie für eine breitere Schicht wählbar zu machen.

Die Front-National-Führung will am Freitag darüber entscheiden, wer bei den Regionalwahlen im Dezember die FN-Listen anführt. In der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur, in der Jean-Marie Le Pen antreten wollte, dürfte nun seine Enkelin Marion Maréchal-Le Pen aufgestellt werden. Die Nichte der Parteichefin ist mit 25 Jahren Frankreichs jüngste Abgeordnete.

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afp

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