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18.09.2014

06:40 Uhr

Heute entscheidet Schottland

Yes or No?

Mehr als 4,2 Millionen Schotten – und damit 97 Prozent der Wahlberechtigten – haben sich registrieren lassen, um heute über eine mögliche Unabhängigkeit zu entscheiden. Umfragen zeigen, es wird ein knappes Rennen.

Die Abstimmung hat begonnen

Wofür entscheidet sich Schottland?

Die Abstimmung hat begonnen: Wofür entscheidet sich Schottland?

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EdinburghTag der Entscheidung in Schottland: In einem mit Hochspannung erwarteten Referendum stimmen die Bewohner über eine Abspaltung von Großbritannien ab. In Umfragen liegen Befürworter und Gegner einer Unabhängigkeit nahezu gleichauf. Es wird mit einer regen Beteiligung gerechnet. Mehr als 4,2 Millionen Schotten und damit 97 Prozent der Wahlberechtigten haben sich für den Volksentscheid registrieren lassen, erstmals sind auch 16- und 17-jährige zugelassen. Das Ergebnis wird am Freitagmorgen erwartet.

Am letzten Tag vor der Abstimmung mobilisierten beide Lager noch einmal ihre Unterstützer. Freiwillige gingen am Mittwoch von Haus zu Haus, um Unentschlossene zu umwerben. Auch das Straßenbild spiegelte vielerorts die Schlacht um die Herzen und Köpfe der Schotten wider: „Yes Scotland“-Poster und „Nein, danke“-Transparente hingen in den Fenstern, einschlägige Sticker an den Jacken und Flugblätter an den Häuserwänden. Mit Megafonen ausgestattete Wahlkampfautos fuhren auf den Straßen ab, aus den Lautsprechern ertönten schottische Lieder und der Song „Children of the Revolution.“

Argumente FÜR eine schottische Abspaltung

Demokratie

Schottland wählt Labour oder SNP, also sozialdemokratisch. In London dagegen regiert der Konservative David Cameron mit seinen Tories - auch über Schottland. Als unabhängiger Staat könnten die Schotten über ihre Regierung selbst bestimmen.

Öl

Der allergrößte Teil der britischen Öl-Vorräte schlummert unter schottischem Meeresboden. Wird das Land unabhängig, kann es über Steuereinnahmen aus den Gewinnen der Ölkonzerne selbst verfügen.

Atomwaffen

Schottland beherbergt in der Militärbasis Faslane britische Atomwaffen, die es nicht haben will. Wäre das Land selbstständig, könnte es die Waffen in absehbarer Zeit loswerden.

Näher dran

Schottlands Probleme, Schottlands Lösungen. London ist zu weit weg, eine mit allen Kompetenzen ausgestattete Regierung in Edinburgh weiß besser, was gut für ihr Volk ist.

Kleine Länder

Andere können es auch. Gern verweist Edinburgh auf Norwegen, das wie Schottland gut fünf Millionen Einwohner hat und von seinen Erdöl-Vorkommen profitiert. Auch Finnland und Dänemark sind nicht viel größer, aber angesehene Staaten.

Quelle

Quelle: dpa

Der britische Ex-Premierminister Gordon Brown, selbst Schotte, sprach auf einer Kundgebung der Abspaltungsgegner. Die stille Mehrheit der Schotten, die für die Union mit dem Vereinigten Königreich sind, „wird nicht länger still sein“, erklärte er. Bei dem Votum gehe es nicht darum, ob Schottland eine Nation sei. „Wir sind es, gestern, heute und morgen“, sagte Brown. Bei der Wahl gehe es vielmehr darum, ob man jegliche Verbindung zum Rest des Landes durchtrennen wolle.

Argumente GEGEN eine schottische Abspaltung

Währung

Die Bank of England regelt den Verkehr des britischen Pfunds. Spaltet sich Schottland ab, ist sie nach Darstellung Londons nicht mehr zuständig - und Schottland steht ohne eigene Währung und Zentralbank da.

Arbeitsplätze

Geht der britische Binnenmarkt verloren, geraten laut „Better together“-Kampagne bis zu 600 000 Arbeitsplätze in Gefahr. Denn so viele Schotten seien bei Unternehmen beschäftigt, die entweder ihren Sitz außerhalb Schottlands haben oder deren wichtigster Absatzmarkt Rest-Britannien ist.

Sicherheit

Großbritannien hat ein Verteidigungsbudget von 34 Milliarden Pfund (ca. 42,6 Milliarden Euro) und schützt damit seine Bürger – auch im Norden. Das vorgesehene Budget in einem unabhängigen Schottland ist sehr viel kleiner. Das hält London für gefährlich, etwa wegen der Cyber-Kriminalität. Außerdem gingen Zehntausende Jobs bei Militär und Sicherheitsdiensten verloren.

Renten und Sozialsystem

Im Vereinigten Königreich verteilen sich die Kosten für soziale Leistungen auf mehrere Schultern. Schottlands Bevölkerung altert schneller als der britische Durchschnitt und profitiert bei den Renten deswegen in besonderem Maße. Laut nationalem Statistikamt hat Schottland von allen Teilen Großbritanniens die niedrigste Geburtenrate.

EU

Großbritannien ist eines der einflussreichsten EU-Länder. Dass Schottland überhaupt EU-Mitglied werden könnte, ist keine ausgemachte Sache. Außerdem fiele wohl der Briten-Rabatt weg.

Quelle

Quelle: dpa

Der schottische Regierungschef Alex Salmond, der die „Ja“-Bewegung anführt, bat die Wähler indes inständig, eine erstmals seit 307 Jahren erwachsene demokratische Chance nicht ungenutzt zu lassen. Trotz der wachsenden Zustimmung für eine Abspaltung sah er sein Lager jedoch als Außenseiter. „Aber, wie uns die Lebenserfahrung lehrt, haben Underdogs in der Politik und ganz bestimmt in diesem Festival der Demokratie die Gewohnheit, manchmal zu gewinnen“, fügte Salmond hinzu.

Kommentare (10)

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Herr Günther Schemutat

18.09.2014, 08:22 Uhr

Das Schottland unabhängig wird glaubt doch keiner wirklich. Das wird überhaupt nicht zugelassen und man wird die Wahl notfalls manipulieren. Es steht zuviel auf dem Spiel und die Gefahr das Europa zerfällt in lauter Kleinstaaten wollen die Mächtigen im Westen nicht.

Schon die Schweiz wird wie eine Krim mitten in der EU gesehen. Da maßen sich doch Schweizer an selbständig ihr Land zu regieren. Wo kommen wir denn da hin?

Frau Maria Tanner

18.09.2014, 09:14 Uhr

Ganz egal wie die Abstimmung ausgehen wird, es wird noch mehr Unruhe bringen, als es auf der Insel ohnehin schon gibt.

Herr wulff baer

18.09.2014, 09:41 Uhr

Ich glaube auch nicht, dass die Schotten sich wirklich abschotten werden.
Denn die Schotten sind trotz ihrer manchmal martialischen Aufmachung die gleichen Weicheier wie die deutsche Nation der Bahnhofbesetzer.
Große Sprüche und nichts dahinter.
In Deutschland geht die Hälfte noch nicht einmal zur Wahl, denn die Staatsknete kommt eh auf Pump.

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