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26.01.2010

10:05 Uhr

Hilfe zur Selbsthilfe

Geberländer wollen Marshallplan für Haiti

VonGerd Braune

In der kanadischen Stadt Montreal haben Vertreter von mehr als 20 Ländern und internationalen Organisationen mit Haitis Regierungschef Jean-Mex Bellerive erste Gespräche über den Wiederaufbau des von einem Erdbeben zerstörten Landes geführt. Bei aller Bereitschaft zur Hilfe setzen die Geberländer aber offenbar vor allem auf die Eigenverantwortung der Haitianer.

Nach dem verheerenden Erdbeben ist die Bereitschaft, Haiti zu helfen, groß. Allerdings müsse das Land vorrangig selbst die Verantwortung für den Wiederaufbau übernehmen. ap

Nach dem verheerenden Erdbeben ist die Bereitschaft, Haiti zu helfen, groß. Allerdings müsse das Land vorrangig selbst die Verantwortung für den Wiederaufbau übernehmen.

OTTAWA. Die Haiti-Konferenz unter Vorsitz des kanadischen Außenministers Lawrence Cannon soll eine größere Geberkonferenz im Frühjahr vorbereiten und die weltweiten Hilfsanstrengungen koordinieren. Bellerive erklärte vor Beginn des eintägigen Treffens, vorrangig müsse Haiti selbst die Verantwortung für den Wiederaufbau übernehmen.

Am Sonntag war Bellerive in der kanadischen Hauptstadt Ottawa mit Kanadas Premierminister Stephen Harper zusammengetroffen. Er komme zu der Konferenz, um mit Kanada und den anderen Partnern und Freunden Haitis über die kurz-, mittel- und langfristigen Herausforderungen zu sprechen und zu sehen, welche Art Hilfe sein Land bekommen könne. „Uns ist aber voll bewusst, dass die primäre Verantwortung für die Zukunft in den Händen der haitianischen Regierung und des haitianischen Volkes liegt“, erklärte er. Harper sagte Bellerive zu, dass Haiti bei dieser Aufgabe nicht allein sei. Auf der Montrealer Konferenz und in den kommenden Wochen, Monaten und Jahren „werden wir zusammenarbeiten, um Ihr Land wieder aufzubauen“.

Kanada hatte die Konferenz angeregt. Generalgouverneurin Michaëlle Jean stammt aus Haiti und in Montreal leben viele Haitianer. Zu dem Treffen wurden neben Bellerive US-Außenministerin Hillary Clinton und Delegierte der „Freunde Haitis“ erwartet, einer Staatengruppe, zu der außer Kanada und den USA Argentinien, Brasilien, Chile, Costa Rica, Frankreich, Mexiko, Peru und Uruguay gehören. Auch die Europäische Union, die Dominikanische Republik und internationale Organisationen wie Uno, Weltbank, Internationaler Währungsfonds, die Organisation Amerikanischer Staaten und die Interamerikanische Entwicklungsbank wurden eingeladen.

In den vergangenen Tagen hatten Analysten und Politiker von der Notwendigkeit eines „Marshall-Plans“ für Haiti in Anlehnung an die Wiederaufbauhilfe der Vereinigten Staaten für das zerstörte Europa nach dem Zweiten Weltkrieg gesprochen. Zur Diskussion steht die Bildung eines gemeinsamen Fonds, aus dem der Aufbau finanziert werden könnte. Laut Experten müsste er eine Laufzeit von fünf Jahren und ein Volumen von zehn bis 15 Mrd. Dollar haben.

Derweil steigt die Zahl der Obdachlosen nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti weiter. Nach Angaben der Vereinten Nationen könnte sie die Million erreichen. Das Uno-Büro zur Nothilfe-Koordinierung rechnet mit 800 000 bis zu einer Million Menschen, die dringend Zuflucht suchten. Die Zahl der Toten gibt die Uno jetzt mit 112 250 an, etwa 194 000 seien verletzt. Erst am Sonntag hatte ein Nachbeben mit der Stärke 4,7 den Karibikstaat heimgesucht.

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