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18.04.2015

11:53 Uhr

Hilfsappell der UN

Millionen für humanitäre Hilfen im Jemen

Vielen Menschen im Jemen fehlt es am Nötigsten. Saudi-Arabiens König Salman hat den Vereinten Nationen deshalb jetzt 274 Millionen Dollar für humanitäre Hilfe zugesagt. Irans Außenminister fordert eine Waffenruhe.

ICRC-Mitarbeiter entladen 35 Tonnen Medikamente, die in der Krisenregion dringend gebraucht werden. dpa

Hilfsgüter treffen in Sana ein

ICRC-Mitarbeiter entladen 35 Tonnen Medikamente, die in der Krisenregion dringend gebraucht werden.

RiadSaudi-Arabien hat der UNO für ihren humanitären Einsatz im Jemen 274 Millionen Dollar zugesagt. Dies habe König Salman am Freitag angeordnet, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Spa am Samstag unter Berufung auf ein Dekret des Monarchen. Riad reagiert damit auf einen Hilfsappell der Vereinten Nationen, die am Freitag genau diese Summe (umgerechnet 253 Millionen Euro) gefordert hatten, um die mehr als 7,5 Millionen von dem Konflikt betroffenen Menschen im Jemen mit dem Nötigsten versorgen zu können.

Die Hilfsorganisationen vor Ort seien dringend auf Unterstützung angewiesen, erklärte die UNO in ihrem Aufruf an die Staatengemeinschaft. Tausenden Familien seien durch die Kämpfe vertrieben worden. Ihnen fehle es an Medikamenten, Trinkwasser und Nahrung.

Saudi-Arabien führt eine Militärkoalition an, die seit drei Wochen Luftangriffe auf die Huthi-Rebellen im Jemen fliegt. Die schiitische Miliz und mit ihr verbündete Soldaten liefern sich seit Wochen heftige Kämpfe mit den Truppen und Milizen von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi, der im Februar aus der Hauptstadt Sanaa in die Hafenstadt Aden floh. Als die Rebellen Mitte März auf Aden vorrückten, setzte sich Hadi nach Saudi-Arabien ab und bat um militärische Hilfe. Am 26. März begann die von Riad angeführte Allianz ihre Angriffe.

Der Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten

Die große Mehrheit...

... nämlich etwa 80 bis 90 Prozent der Muslime weltweit sind Sunniten, nur in wenigen Ländern stellen Schiiten die Mehrheit. Dazu zählen der Iran, der Irak und Bahrain. Der Konflikt im Jemen droht sich zu einem Stellvertreterkrieg zwischen Sunniten und Schiiten und damit zwischen deren Schutzmächten Saudi-Arabien und dem Iran zu entwickeln. Die Auseinandersetzung lenkt das Augenmerk auf diese beide größten Glaubensrichtungen des Islam.

Eine Frage des Propheten...

... ist die Entstehung der beiden Glaubensrichtungen Sunniten und Schiiten. Die muslimische Gemeinschaft spaltete sich im Streit über die Nachfolge des Propheten Mohammed im siebten Jahrhundert. Die Mehrheit der Muslime wollte damals einen geeigneten Kandidaten frei bestimmen. Die Minderheit dagegen verlangte, dass der Nachfolger aus Mohammeds Familie stammen müsse, und legte sich auf seinen Vetter Ali fest. Die Anhänger dieser Minderheit wurden "Schiat Ali", Partei Alis, genannt, woraus sich die Bezeichnung Schiiten entwickelte. Der Begriff Sunniten leitet sich von der Sunna ab, den Überlieferungen des Propheten.

Konfliktlinien...

... ergeben sich entsprechend. Die Sunniten lehnen die Heiligenverehrung und den Märtyrerkult der Schiiten strikt ab. Die Schiiten wiederum fühlen sich oft als Opfer der Sunniten. Auseinandersetzungen zwischen Anhängern der beiden Konfessionen gibt es nicht nur im Nahen Osten, sondern auch in Ländern wie Pakistan.

Als Schutzmacht...

... der Sunniten sieht sich das Königreich Saudi-Arabien. Der Iran betrachtet sich als Interessenvertreter der Schiiten. Beide Staaten konkurrieren um die Vorherrschaft im Nahen Osten. Kenner der Region gehen davon aus, dass der Iran durch die aktuellen Umwälzungen und die Aussichten auf eine Einigung im Atomstreit nach jahrzehntelanger Isolation an Stärke gewinnen dürfte. Die mit den USA verbündeten saudischen Ölscheichs dagegen dürften an Einfluss verlieren.

Im Jemen...

... ist der Islam ist Staatsreligion. Im Süden leben vor allem sunnitische Schafeiten, im Norden schiitische Zaiditen und eine ismailitische Minderheit. Viele Sunniten im Jemen befürchten, dass die Huthi-Rebellen die Revolution von 1962 rückgängig machen und das saiditische Imamat wiederaufbauen wollen, das das jemenitische Hochland 1000 Jahre lang beherrschte.

Die Huthis hatten sich ursprünglich zusammengefunden, um die Interessen der Zaiditen zu verteidigen. Ihre Anhänger fühlten sich unter der jahrzehntelangen Herrschaft des ehemaligen Präsidenten Ali Abdullah Saleh bedroht, obwohl dieser selbst den Zaiditen angehört.

Auf die Wiederkehr...

... des im neunten Jahrhundert in Samarra verschwundenen zwölften Imans, der als „Mahdi“ (Erlöser) die Welt retten soll, wartet die große Mehrheit der Schiiten. Sie werden daher Zwölfer-Schiiten genannt. Ajatollah Ruhollah Chomeini machte die Glaubensrichtung 1979 zur Grundlage der Islamischen Republik Iran. Zwölfer-Schiiten leben heute vor allem im Iran, im Irak und im Libanon.

Weitere Strömungen des Schiismus...

... sind die Ismailiten, die Drusen, die Alawiten. Die Ismailiten werden auch als Siebener-Schiiten bezeichnet. Das Oberhaupt einer Ismailiten-Gruppierung ist der Aga Khan, der mit seiner gleichnamigen Stiftung Entwicklungshilfe-Projekte vor allem in Asien und Afrika fördert. Von den Ismailiten leiten die Drusen ihre Geheimreligion ab. Sie leben vor allem im Libanon. Die Alawiten, zu denen der syrische Staatschef Bashar al-Assad zählt, werden ebenfalls dem vielfältigen Spektrum des schiitischen Islam zugerechnet. Auch der alawitische Glaube gilt als Geheimreligion, über die nicht viel bekannt ist. Zudem werden die Alewiten zu den Schiiten gezählt. Die meisten Anhänger dieser Glaubensgemeinschaft leben in der Türkei, wo die Mehrheit der Muslime allerdings sunnitisch ist.

Konservative Strömungen...

... gibt es vor allem bei den Sunniten. Anhänger des Salafismus etwa streben die Rückkehr zu einem fundamentalistisch interpretierten Ur-Islam an. Ihr Name leitet sich von den arabischen Worten für „die rechtschaffenen Altvorderen“ ab. Ziel der Salafisten ist die Errichtung eines Gottesstaates. Die Bewegung gilt als Durchlauferhitzer für die Radikalisierung von Attentätern.

In Deutschland...

... und vielen anderen Ländern ist der Salafismus die am schnellsten wachsende islamistische Bewegung. Auch die Mitglieder der sogenannten Sauerland-Gruppe, die Anschläge in Deutschland vorbereitet hatten und 2007 verhaftet wurden, gehörten zu den Salafisten. Der Wahhabismus ist die wichtigste ideologische Strömung im Salafismus. Er geht auf den Gelehrten Muhammad Ibn Abdalwahhab zurück und ist Staatsreligion in Saudi-Arabien. Das Königreich fördert mit Spenden die Ausbreitung der konservativen Lehre weltweit.

Islamistenorganisationen...

... sind häufig im sunnitischen Islam zu finden. Die 1928 von Hassan al-Banna in Ägypten gegründete Muslimbruderschaft gilt als älteste sunnitische Islamistenbewegung. Sie ist in unterschiedlicher Ausprägung in vielen Ländern vertreten. Aus der Muslimbruderschaft ging unter anderem die palästinensische Hamas hervor.

Bekannter...

... ist die Mitte der 80er-Jahre gegründete Extremistenorganisation al-Qaida (Die Basis), die unter ihrem inzwischen getöteten Anführer Osama bin Laden für die Anschläge vom 11. September 2001 verantwortlich ist. Ihr syrischer Ableger heißt Dschabhat al-Nusra (Nusra-Front). Im Jemen hat al-Qaida auf der arabischen Halbinsel (AKAP), die als aggressivster Arm der Organisation gilt, ihren Sitz. Die radikale Gruppe bekannte sich zuletzt zu dem Anschlag auf die französische Satire-Zeitung „Charlie Hebdo“ und betrachtet alle Schiiten als ihre Feinde.

Die Miliz Islamischer Staat...

... ist besonders im Irak und Syrien aktiv und sorgt dort seit über einem Jahr für Terror. Sie wurde 2003 unter dem Namen al-Qaida im Irak von dem Jordanier Abu Mussab al-Sarkaui gegründet und wird inzwischen von Abu Bakr al-Baghdadi geführt. Er liegt mit der ursprünglichen al-Qaida die von Aiman al-Sawahiri von Pakistan aus gesteuert wird, im Clinch. Der IS gilt als derzeit radikalste Islamistengruppe.

Die bekannteste schiitische Extremisten-Organisation...

.. ist die libanesische Hisbollah. Sie wurde 1982 gegründet. Unterstützung erhält die Schiiten-Organisation vom Iran und Syrien. Einheiten der Hisbollah kämpfen in Syrien auf Seiten von Assads Truppen.

Der iranische Präsident Hassan Ruhani hat die von einer saudi-arabischen Koalition im Jemen geflogenen Luftangriffe harsch kritisiert. In einer vom Fernsehen übertragenen Rede bei einer Militärparade am Samstag in Teheran sagte er, das Königreich werde deswegen eine „Saat des Hasses“ ernten. Er schloss sich damit der harten Tonlage des geistlichen iranischen Führers Ali Chamenei an, der die am 26. März begonnenen Luftangriffe als „Völkermord“ bezeichnet hat.

„Was bedeutet die Bombardierung unschuldiger Jemeniten?“, fragte Ruhani die saudi-arabische Königsfamilie. „Welche Ziele verfolgt ihr? Wird es euch stark machen, Kinder zu töten? Ihr habt die Saat des Hasses in dieser Region gesät und ihr werdet die Antwort darauf früher oder später sehen.“

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