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05.05.2014

10:31 Uhr

Hilfskredite

Griechenland hält mal wieder die Hand auf

VonGerd Höhler

Es ist wie bei Sisyphos: Nach dreißig Jahren wollte Athen über den Berg sein – und seine Kredite zurückzahlen. Heute fordert das Land beim Eurogruppen-Treffen quasi einen weiteren Schuldenschnitt. Die Chancen stehen gut.

Griechenland will die Tilgungsfristen für seine Kredite verlängern. Getty Images

Griechenland will die Tilgungsfristen für seine Kredite verlängern.

In Athen ist es ein offenes Geheimnis: Giannis Stournaras wird wohl nicht mehr lange als Hausherr im 6. Stock des Finanzministeriums am Syntagmaplatz sitzen. Bei der für Juni erwarteten Kabinettsumbildung könnte der 58-jährige Wirtschaftsprofessor ein paar Häuserblocks weiter in die Chefetage der Bank von Griechenland an der Panepistimiou-Straße umziehen, so wird vermutet.

Doch vor dem Aufstieg zum Zentralbankchef will Stournaras als Finanzminister noch eine Sache auf den Weg bringen, das ihm besonders am Herzen liegt: Er möchte den Euro-Partnern Erleichterungen bei der Rückzahlung der gewährten Hilfskredite abhandeln. So soll Griechenlands immense Schuldenlast tragbar werden. „Wir werden dieses Thema in der Eurogruppe auf die Tagesordnung bringen, damit die Diskussion darüber beginnen kann“, kündigte Stournaras an.

Konjunkturaussichten für die Euro-Länder

Spanien

Spanien könnte 2014 wieder um ein Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit soll jedoch mit 25,7 Prozent hoch bleiben. Das Haushaltsdefizit wird auf 5,8 Prozent der Wirtschaftsleistung geschätzt.

Frankreich

Frankreichs Wachstum dürfte 2014 mit 1,0 Prozent unter dem Durchschnitt der Euro-Zone bleiben. Die Arbeitslosigkeit soll auf elf Prozent steigen.

Griechenland

Die griechische Wirtschaft soll 2014 erstmals seit sechs Jahren wieder um 0,6 Prozent wachsen. Trotz der erwarteten Besserung dürfte die Arbeitslosigkeit mit 26 Prozent vergleichsweise hoch bleiben. Bei der Verschuldung werden 177 Prozent der Wirtschaftsleistung erwartet.

Italien

Italiens Wirtschaft soll 2014 um 0,6 Prozent wachsen. Die Arbeitslosigkeit dürfte hingegen auf einen Rekord von 12,6 Prozent klettern. Der Schuldenstand bleibt hartnäckig hoch: 2015 soll er mit 132,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts leicht unter dem diesjährigen Niveau liegen.

Zypern

Um 4,8 Prozent soll das Bruttoinlandsprodukt einbrechen. Die Arbeitslosigkeit dürfte auf den Rekordwert von 19,2 Prozent steigen.

Portugal

Für Portugal erwartet die EU-Kommission 2014 ein Wachstum von 0,8 Prozent. 2015 soll die Arbeitslosenquote mit 16,5 Prozent einen Tick unter den diesjährigen Wert fallen. Der Schuldenstand dürfte nach dem Rekordwert von 129,4 Prozent im vorigen Jahr bis 2015 wieder auf 125,8 Prozent zurückgehen.

Irland

Irlands Wirtschaft dürfte 2014 mit 1,8 Prozent deutlich stärker wachsen als der gesamte Währungsraum. Bis 2015 soll die Arbeitslosenquote auf 11,2 Prozent fallen, nachdem sie 2013 noch bei 13,1 Prozent lag. Das Defizit soll 2015 auf 4,3 Prozent sinken.

Quelle

EU-Kommission

Finanzministerkonferenzen waren für den Mann aus Athen selten erfreuliche Termine. Oft standen die Griechen wegen schleppender Reformen und stockender Privatisierungen am Pranger. Aber wenn Stournaras an diesem Montagnachmittag in Brüssel zum Treffen der Eurogruppe kommt, kann er selbstbewusst auftreten. Er hat ermutigende Zahlen in seiner großen braunen Ledertasche. Griechenland macht Fortschritte bei der Haushaltskonsolidierung. Im ersten Quartal betrug das Defizit nur 448 Millionen Euro, gegenüber 1,35 Milliarden in den ersten drei Monaten 2013. In der Primärbilanz, die den Schuldendienst ausklammert, ergab sich sogar ein Überschuss von 1,54 Milliarden Euro – fast doppelt so viel wie im Budget angesetzt. „Wir werden in diesem Jahr die von den internationalen Gläubigern gesetzten Etatziele deutlich übertreffen“, heißt es im Finanzministerium am Athener Syntagmaplatz.

„Wir haben 85 Prozent unserer Haushaltskonsolidierung bereits geschafft“, erklärte Finanzminister Stournaras vergangene Woche. „Das bedeutet: Der schwierigste Teil des Weges liegt hinter uns – aber wir haben noch eine Strecke zurückzulegen.“

Kommentare (31)

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05.05.2014, 11:09 Uhr

Er hat ermutigende Zahlen in seiner großen braunen Ledertasche.
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In seiner schönen, braunen Ledertasche sind die griechischen "Zahlen" auch bestens aufgehoben ..... und sollten dort auch noch ein paar Jahrhunderte verweilen. Niemals würde ich einem Griechen auch nur eine einzige Zahl - mit Ausnahme seines Geburtstages - glauben, niemals!

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05.05.2014, 11:11 Uhr

Nach der Europawahl kommt der längst überfällige Erlass bei den Krediten, doch vorher braucht Schäuble noch das "Stimmvieh" und das soll natürlich nicht verunsichert werden.

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05.05.2014, 11:15 Uhr

Wann wird uns endlich die Wahrheit erzählt. Die ganzen Begriffe wie "Strukturelles Defizit" werden doch heute schamlos mißbraucht. Warum sollen deutsche Steuerzahler für grieschiches Schulden aufkommen wenn gleichzeitig riesige grieschiche Vermögen ins Ausland geschafft werden und die reichen Griechen immer noch keine Steuern zahlen? Wann zwingen deutsche Zeitungen Schäuble endlich mal zu einer Aussage?

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