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11.03.2016

00:15 Uhr

Hilfsorganisationen

Bislang schlimmstes Jahr des syrischen Bürgerkriegs

Der Bürgerkrieg in Syrien tobt seit fünf Jahren. Nach Ansicht von Hilfsorganisationen ist 2016 das bisher schlimmste Jahr seit Ausbruch des Konflikts. Die Lage für die Menschen wird immer dramatischer.

Im Bürgerkriegsland Syrien werden die Zustände immer schlimmer. AFP; Files; Francois Guillot

Syrien

Im Bürgerkriegsland Syrien werden die Zustände immer schlimmer.

DamaskusDas fünfte Jahr des syrischen Bürgerkriegs ist nach Ansicht von Hilfsorganisationen das bisher schlimmste seit Ausbruch des Konflikts gewesen. Die Kriegsparteien hätten weiter verheerende Schäden angerichtet, zunehmend Hilfe blockiert und mehr Regionen unter Blockade gestellt, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten gemeinsamen Bericht von 30 Hilfsorganisationen.

Sie riefen die USA, Russland, Frankreich und Großbritannien auf, den Hoffnungsschimmer zu schützen, den die Waffenruhe gebracht habe, anstatt „Öl ins Feuer zu gießen“. Diese vier Staaten könnten zentrale Akteure sein, um zu einem Ende des Leidens Syriens beizutragen.

Dieselben Regierungen, die sich auf internationale Resolutionen geeinigt hätten, heizten den Konflikt weiter an, erklärten die Organisationen. Zu den Unterzeichnern gehören Care International, Save the Children, Oxfam International, Syrian American Medical Society (Sams) und der Norwegian Refugee Council (NRC).

Der Aufstand in Syrien hatte im März 2011 mit Demonstrationen gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad begonnen. Nachdem die Regierung die Proteste mit Gewalt niederschlagen ließ, verwandelte sich der Konflikt nach und nach in einen Bürgerkrieg. Die UN sprechen bislang von mindestens 250 000 Toten. Seit rund zwei Wochen gilt eine Waffenruhe, die weitgehend hält. In Genf sollen in den nächsten Tagen die Anfang Februar ausgesetzten Friedensgespräche weitergehen.

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Waffenruhe

In dem Text heißt es, eine Feuerpause werde binnen einer Woche in Kraft treten, und zwar „nach der Bestätigung durch die syrische Regierung und die Opposition“. Obwohl es eine solche bislang von beiden Seiten nicht gegeben hat, gehen Diplomaten davon aus, dass die Frist für die Waffenruhe an diesem Freitag ausgelaufen ist.

Allerdings ging die Gewalt in mehreren Teilen Syriens weiter. In den Tagen zuvor hatte vor allem die russische Luftwaffe nach Angaben von Aktivisten ihre Angriffe intensiviert, um die Regime-Anhänger gegen Rebellen zu unterstützen. Ausgenommen von der Feuerpause sind nur Kämpfe gegen Extremisten etwa der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und der Al-Nusra-Front, des syrischen Ablegers des Terrornetzwerks Al-Kaida.



Hilfslieferungen

Die Einigung sieht zudem humanitäre Hilfe für sieben belagerte Gebiete vor, in denen Zehntausende Menschen akut unter Mangelversorgung leiden. In fünf Orten kamen in dieser Woche Hilfskonvois mit Nahrung und Medizin an. Die Lieferungen sollen nach UN-Angaben in den nächsten Tagen und Wochen weitergehen. Zudem laufen Vorbereitungen, die vom IS eingeschlossenen Teile der ostsyrischen Stadt Dair as-Saur aus der Luft zu versorgen.

Friedensverhandlungen

Die Anfang Februar ausgesetzten Gespräche zwischen Regierung und Opposition sollen vorangetrieben werden. Allerdings ist völlig unklar, wann sie weitergehen können. Der zunächst angedachte Termin 25. Februar ist unrealistisch.

In den vergangenen zwölf Monaten seien mindestens 50 000 Menschen in Syrien getötet und fast eine Million in die Flucht getrieben worden, erklärten die Hilfsorganisationen weiter. 1,5 Millionen Syrer bräuchten humanitäre Hilfe. Zugleich habe sich die Zahl der Menschen in Gebieten unter Blockaden nach UN-Schätzungen auf fast 500 000 verdoppelt, heißt es weiter. Im vergangenen Jahr seien so viele Krankenhäuser wie noch nie angegriffen worden.

Obwohl der Bedarf steige, sei es schwieriger denn je Hilfe zu den Notleidenden zu bringen. Auch wenn nun Hilfskonvois einige belagerte Gebiete erreichen könnten, blieben riesige Landstriche Syriens ohne Unterstützung, da die Hilfsorganisationen von allen Konfliktparteien blockiert, angegriffen oder drangsaliert würden. Eine wesentliche Hürde für die Lieferung von Hilfsgütern seien Luftangriffe Russlands. Diese hätten auch zivile Infrastruktur getroffen und zerstört.

Von

dpa

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