Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.01.2005

08:30 Uhr

Hilfsorganisationen fürchten um langfristige Projekte in Südostasien und anderen Krisengebieten

Uno treibt die Spenden ein

VonSabine Haupt und Jan Dirk Herbermann (Handelsblatt)

Die Uno kämpft gegen die Zeit: Bisher haben viele Regierungen nur gelobt, sich an einer beispiellosen Hilfsaktion für die von der Flutkatastrophe heimgesuchte Region zu beteiligen. Heute, mehr als zwei Wochen danach will die Uno in Genf 977 Millionen Dollar fest verbuchen.

GENF/DÜSSELDORF. „Die Gelder für diesen Hilfsappell brauchen wir sofort“, mahnt der Uno-Koordinator für humanitäre Hilfe, Jan Egeland. Mit der Fast-Milliarde, die Uno-Generalsekretär Kofi Annan vorige Woche in Jakarta forderte, soll in den nächsten sechs Monaten die gröbste Not gelindert werden: Rund zwei Millionen Menschen brauchen Nahrung, neue Straßen müssen gebaut werden, mittellose Fischer warten auf neue Boote.

Die Weltorganisation drückt aus gutem Grund aufs Tempo: Denn oft nimmt die Zahlungsbereitschaft vieler Regierungen in dem Maße ab, wie die Katastrophen aus den Schlagzeilen rutschen. Nach einer internen Aufstellung der Uno gingen 2004 nur 60 Prozent der dringend benötigten Gelder für die weltweite Katastrophenhilfe tatsächlich ein. Von den rund 6,4 Millionen Dollar für die Überschwemmungen auf den Philippinen Anfang Dezember wurden bisher nur magere 4,8 Prozent überwiesen. Zur Bekämpfung des Hungers und der Kriegsfolgen im Sudan riefen Uno und Hilfswerke zu Spenden von 720 Millionen Dollar auf. Immerhin etwa 75 Prozent davon trafen ein. Nur: „Das Geld kam oft nicht rechtzeitig an“, klagt Simon Pluess vom Welternährungsprogramm: „Viele Hungernde mussten das lange Warten mit dem Leben bezahlen.“

Dass für die Hungernden jenseits der Flut jetzt noch weniger bleibt, fürchten bereits deutsche Hilfswerke: „Heute würde jeder aufschreien, wenn die großzügige 500- Millionen-Hilfe der Bundesregierung aus dem Entwicklungshilfeetat abgezweigt würde. In ein paar Monaten sieht das aber ganz anders aus,“ erwartet Ulli Post, Sprecher der Welthungerhilfe.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×