Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

20.12.2012

02:49 Uhr

Hilfspaket

IWF ruft nach Schuldenschnitt für Zypern

Mehr als 17 Milliarden Euro hat Zypern in seinen Hilfsantrag geschrieben. Nun fordert der IWF einem Medienbericht zufolge einen Schuldenschnitt. Das kommt in Europa nicht gut an - es gibt aber einen Lösungsvorschlag.

Die Rezession in Zypern zeigt sich in der Einkaufsstraße in Nikosia. dpa

Die Rezession in Zypern zeigt sich in der Einkaufsstraße in Nikosia.

BerlinDer Internationale Währungsfonds (IWF) ist einem Zeitungsbericht zufolge nicht dazu bereit, das geplante Hilfspaket der Euro-Länder für Zypern in der bisher diskutierten Form mitzutragen. Der IWF verlange einen Teilerlass der zyprischen Staatsschulden ähnlich dem bereits erfolgreich umgesetzten Forderungsverzicht privater Gläubiger für Griechenland, berichtete die "Süddeutsche Zeitung" vorab unter Berufung auf Verhandlungskreise. Andernfalls werde das Land auch nach Abschluss aller Reformen nicht in der Lage sein, seine Zinslast zu tragen.

Der Vorschlag sei unter den Euro-Ländern umstritten, berichtete das Blatt weiter. Während einige Regierungen einen Schuldenschnitt für Zypern befürworteten, sähen andere Euro-Staaten einen solchen Schritt skeptisch.

Die größten Schuldenmacher in der Euro-Zone

Irland

Das höchste Defizit in der Euro-Zone hat Irland. Es beträgt 8,3 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Griechenland

Rund 7,3 Prozent beträgt das Haushaltsdefizit Griechenlands für 2012.

Spanien

Der Krisenstaat auf der Iberischen Halbinsel kommt auf ein Haushaltsdefizit von 6,9 Prozent.

Slowakei

Platz vier unter den größten Schuldensündern belegt mit einem Defizit von 4,8 Prozent die Slowakei.

Portugal

Knapp hinter der Slowakei reiht sich Portugal ein: Hier schlägt 2012 ein Defizit von 4,7 Prozent des Bruttosozialprodukts zu Buche.

Frankreich

Mit Hilfe von Steuererhöhungen und Einsparungen will Frankreich sein Haushaltsdefizit im nächsten Jahr eindämmen. Dieses Jahr beträgt es noch 4,5 Prozent.

Niederlande

Rund 20 Milliarden Euro müssten die Niederlande sparen, um ihr Defizit unter drei Prozent zu drücken. Derzeit liegt es bei 4,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Slowenien

Auch Slowenien ringt mit steigender Verschuldung und schrumpfendem Wirtschaftswachstum. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 4,3 Prozent.

Zypern

„Sparen, kürzen, streichen“: So lautet auch das Motto in Zypern. Das Haushaltsdefizit liegt 2012 bei 3,4 Prozent des Bruttosozialprodukts.

Schließlich habe man beim erzwungenen Forderungsverzicht der privaten Banken gegenüber Griechenland stets betont, dass es bei diesem Einzelfall bleiben solle. Breche man dieses Versprechen nun, werde die gesamte Euro-Zone erneut an Vertrauen und damit an Kreditwürdigkeit verlieren.

Eine Lösung ist offenbar nicht in Sicht. "Die Lage in Zypern ist wesentlich dramatischer als die in Griechenland", sagte ein ranghoher EU-Beamter der Zeitung. Für Deutschland dürfte ein Hilfspaket für Zypern ohne Beteiligung des IWF keine Option sein. So hat Bundeskanzlerin Angela Merkel in der Vergangenheit ein Mitwirken des Fonds bei Hilfsprogrammen stets als essenziell bezeichnet.

Warnung vor Zahlungsunfähigkeit: Zypern erhöht Druck auf Euro-Retter

Warnung vor Zahlungsunfähigkeit

Zypern erhöht Druck auf Euro-Retter

Regierungsmitarbeiter sollen offenbar im Dezember auf Geld verzichten.

Als eine denkbare Lösung gilt dem Bericht zufolge, dass Russland fünf Milliarden Euro an den IWF überweist, der das Geld seinerseits nach Nikosia weiter reicht. Damit bliebe der Fonds formal an Bord, müsste aber kein eigenes Geld in die Hand nehmen. Russische Bürger haben riesige Guthaben auf zyprischen Konten geparkt.

Zyperns Finanzminister Vassos Shiarly hatte Ende November erklärt, Zypern benötige 17 Milliarden Euro an Hilfen über eine Vierjahresperiode bis einschließlich 2016. Die Summe entspricht fast dem Bruttoinlandsprodukt des Landes. Davon dürften mehr als zehn Milliarden Euro in den relativ großen Bankensektor des Landes fließen, der eng mit dem Krisenherd Griechenland verflochten ist.

Rettungspaket verschoben: Kein Weihnachtsgeschenk für Zypern

Rettungspaket verschoben

Kein Weihnachtsgeschenk für Zypern

Eurogruppen-Chef Juncker will keine Zusagen machen, solange kein Bankenbericht vorliegt.

Derzeit untersucht die Troika aus IWF, EU und Europäischer Zentralbank (EZB) den Hilfsantrag Zyperns, der im Januar der Eurogruppe vorgelegt werden soll. Selbst bei einem positiven Bescheid würde es allerdings noch Wochen dauern, bis das Geld Nikosia erreicht.

Kommentare (28)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

20.12.2012, 03:59 Uhr

Wir müssen russisches Swarzgeld reten, das ist "altarnativlos"!
Und wenn der IWF außen vor bleibt, so what? Wir sind es Zypern schuldig zu zahlen! Wir zahlen gerne! Sonst sind wir wieder die "bösen NAZIS" Und das zieht immer.

wegimex

20.12.2012, 04:21 Uhr

Eben. Und die Kanzlerin hat gesagt sie will nicht ohne den IWF. HAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHAHHAHAHAHAHAH !!! Nicht schon wieder. Ich kann nicht mehr...

SlingShot

20.12.2012, 05:34 Uhr

'UNO liest Israel wegen Siedlungsbau die Leviten' darf natürlich NICHT kommentiert werden!
Bei der Wahrheit und Meinungen über Israel, des Zentralrates und deren Angehörigen hält jede Meinungsfreiheit auf. Genau bei diesem Punkt setzt auch die Internetzensur in Deutschland ein, die nur ihresgleichen in China findet!

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×