Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.01.2008

10:30 Uhr

Hilfsprogramme

Sarkozy entdeckt die Vorstädte wieder

VonRuth Berschens

Nach seinen Luxusferien wendet sich Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy wieder jenen Menschen zu, die auf der Schattenseite der Gesellschaft stehen: Die arbeits- und perspektivlose Jugend in den Hochhaus-Ghettos am Rand der Großstädte. Sarkozy und seine Staatsekretärin Amara kündigten Hilfsprogramme für benachteiligte Jugendliche an.

PARIS. Am Montagabend besuchte der Präsident überraschend den Pariser Vorort Sartrouville, der wie viele andere schon mehrfach Schauplatz gewalttätiger Unruhen war. Eine große Menschenmenge empfing den Staatschef. „Wir wollen einen Job, wir haben keine Angst vor Arbeit“, riefen Jugendliche Sarkozy entgegen und der versprach Abhilfe: „Wir werden Euch Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten geben, denn das Leben darf nicht nur aus Herumlungern bestehen.“

Sarkozys Staatssekretärin für Städtebau, Fadela Amara, wurde tags darauf konkreter. Die Regierung wolle in den kommenden drei Jahren 45 000 Jobs in den benachteiligten Vorstädten schaffen und im selben Zeitraum die Jugendarbeitslosigkeit um 40 Prozent senken, versprach die Politikerin. Amara stammt selbst aus einer armen algerischen Einwandererfamilie und machte sich in Frankreich mit ihrem Engagement für die Rechte von Mädchen aus Immigrantenfamilien einen Namen.

Sarkozy hatte Amara nach seinem Wahlsieg im Mai 2007 damit beauftragt, ein Hilfsprogramm für die vernachlässigte Jugend in den Ghettos der Vorstädte zu erarbeiten. Doch dann war Sarkozys Interesse für diesen Hilfsplan ziemlich schnell abgeflaut. Hinzu kommt, dass die dem linken Spektrum zugehörige Amara im konservativen Regierungslager immer wieder aneckt – sowohl mit harscher Kritik als auch mit ihrer manchmal vulgären Ausdrucksweise. „Amara kennt nicht die Verhaltenscodes der politischen Klasse, was zugleich ihre Stärke und Schwäche ist“, heißt es in Paris. Zuletzt hatte die Staatssekretärin die Regierung mit der Aussage provoziert, dass sie Sarkozy nicht wieder wählen wolle. Der Präsident revanchierte sich, indem er dem Hilfsprogramm für die Vorstädte die nötigen finanziellen Mittel verweigerte.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×