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20.08.2012

06:56 Uhr

Hinrichtung ausgesetzt

Chinas prominenteste Mörderin entgeht der Todesstrafe

VonFinn Mayer-Kuckuk

Das Verfahren gegen Gu Kalai - die Frau des gestürzten chinesischen Polit-Stars Bo Xilai - hat viele Fragen aufgeworfen. Jetzt hat ein chinesisches Gericht Gu Kailai wegen Mordes verurteilt. Dem Henker entgeht sie aber.

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Todesstrafe auf Bewährung

Video: Todesstrafe für Politikergattin

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Hefei/PekingChinas prominenteste Mörderin erhält eine Sonderbehandlung. Ein Gericht in der zentralchinesischen Stadt Hefei hat zwar ein Todesurteil gegen die Politikergattin Gu Kailai verkündet, die Hinrichtung jedoch auf unbestimmte Zeit ausgesetzt. In China ist es sonst durchaus üblich, Verurteilte direkt vom Gerichtssaal aus dem Henker vorzuführen.

Die Gerichtsentscheidung gilt als Kompromiss zwischen den Erwartungen der Öffentlichkeit und dem besonderen Schutz, den hochrangige Mitglieder der Kommunistischen Partei im chinesischen Rechtssystem genießen.

Dementsprechend löste das Urteil in China eine Kontroverse über die Ungleichbehandlung vor dem Gesetz aus. „Ein vorsätzlicher, gestandener Mord, und jetzt eine Aussetzung der Strafe – das entspricht nicht dem, worauf einfache Bürger hoffen dürfen“, schreibt ein anonymer Blogger mit Nutzernamen „Glanz der Menschlichkeit“. Er sieht darin ein Beispiel dafür, dass „die fetten Bonzen immer noch deutliche besser behandelt werden als das normale Volk.“

Chronologie: Politkrimi in China

März 2012

Das Zentralkomitee setzt Bo Xilai, den Parteichef der 30-Millionen-Metropole Chongqing, wegen Korruptionsverdachts ab. Es ist der vorläufige Höhepunkt eines Skandals um den früheren Polizeichef Wang Lijun. Der „Super-Bulle“ war Anfang Februar in das amerikanische Konsulat in Chengdu geflüchtet und begab sich danach in die Obhut der Pekinger Zentralregierung. Angeblich soll er um sein Leben gefürchtet und Asyl gesucht haben. Nach unbestätigten Berichten soll Wang Lijun Belastungsmaterial gegen seinen früheren Chef Bo Xilai haben. Das 63-jährige Politbüromitglied sollte eigentlich im Herbst in das höchste Machtgremium der kommunistischen Partei - den ständigen Ausschuss des Politbüros - aufrücken.

April 2012

Die Ermittlungen um Bo Xilai werden ausgeweitet. Der mysteriöse Tod eines britischen Unternehmensberaters mit engen Beziehungen zu Bos Familie löst neue Verdächtigungen aus. Der 41-jährige Neil Heywood wurde im November 2011 tot in seinem Hotelzimmer in Chongqing gefunden. Die Polizei attestierte „übermäßigen Alkoholkonsum“ und äscherte ihn ohne Autopsie ein.

11. April 2012

Bos Frau Gu Kailai wird unter dem dringenden Verdacht des Mordes an dem Briten festgenommen. Bo Xilai wird aus dem Politbüro entfernt und von allen seinen Parteiämtern entbunden. Angeblich hatte bereits Ex-Polizeichef Wang Lijun den Mordverdacht im Falle des Briten geäußert.

09. August 2012

Gu Kailai und einem Hausangestellten werden in der ostchinesischen Stadt Hefei der Prozess gemacht. Ihnen wird vorgeworfen, Heywood vergiftet zu haben. Hintergrund der Tat soll ein Streit um Geld gewesen sein. Die 53 Jahre alte Anwältin habe ihren Sohn Bo Guagua vor dem Briten schützen wollen. Medien berichten, Gu Kailai habe den Mord zugegeben. Ihr droht die Todesstrafe.

10. August 2012

Vier ranghohe Polizeioffiziere müssen sich wegen Rechtsbeugung und Begünstigung vor Gericht verantworten. Sie sollen dabei geholfen haben, die Ermordung Heywoods zu vertuschen.

Gu hatte gestanden, im vergangenen November den britischen Geschäftsmann Neil Heywood in dessen Hotelzimmer persönlich vergiftet zu haben. Als Motiv gab sie an, dass Heywood ihren heute 24-jährigen Sohn nach einem undurchsichtigen Immobiliengeschäft bedroht habe. Auf Mord steht in China generell die Todesstrafe. Gu muss nun voraussichtlich für mehrere Jahre ins Gefängnis.

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Der Fall hatte in China eine besonders hohe politische Brisanz, weil Gu die Gattin des Spitzenpolitikers Bo Xilai ist. Bo war Mitglied des allmächtigen Politbüros und zudem Regierungschef der Reformprovinz Chongqing. Der charismatische Aufsteiger galt als Kandidat für höchste Regierungsämter und hatte sich selbst bereits als möglichen Präsidenten ins Spiel gebracht. Er war zudem das Sprachrohr einer wirtschaftspolitisch links ausgerichteten Gruppe innerhalb der Partei.

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